Hilfreicher Mechanismus statt peinlicher Fehler? Forscher erklären Vergessensprozess

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Vergessensprozess (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.02.2022
Neurowissenschaftler vom Trinity College Dublin und der University of Toronto sind zu dem Schluss gekommen, dass Vergessen eigentlich eine Form des Lernens ist, die unserem Gehirn hilft, auf wichtigere Informationen zuzugreifen. Eine entsprechende Studie erschien im wissenschaftlichen Magazin „Nature Reviews Neuroscience“.
Laut den Forschern verschwinden die verlorenen Erinnerungen nicht – sie werden nur unzugänglich gemacht. Erinnerungen werden dauerhaft in Neuronengruppen gespeichert, wobei unser Gehirn entscheidet, auf welche wir Zugriff haben und welche unwichtigen weggeschlossen werden.
Diese Entscheidungen beruhen auf Rückmeldungen aus der Umwelt, was uns theoretisch Flexibilität angesichts von Veränderungen und eine bessere Entscheidungsfindung ermöglicht.
Laut Dr. Ryan, einem der Autoren der Studie, werden Erinnerungen in Gruppen von Neuronen, den so genannten Engrammzellen, gespeichert, und der erfolgreiche Abruf dieser Erinnerungen erfordert die Reaktivierung dieser Neuronengruppen. Das Vergessen trete ein, wenn Engrammzellen nicht reaktiviert werden können, so der Forscher.
„Die Erinnerungen selbst sind noch da, aber wenn die spezifischen Gruppen nicht aktiviert werden können, können sie nicht abgerufen werden.

Es ist, als ob die Erinnerungen in einem Tresor aufbewahrt würden, aber man kann sich nicht mehr an den Code erinnern, um ihn zu öffnen“, sagte der Wissenschaftler.

Das Team äußerte die Annahme, dass das Vergessen dann eintrete, wenn Engrammzellen von einem zugänglichen in einen unzugänglichen Zustand übergehen und so die Erinnerungen wegschließen würden.

Dr. Frankland fügte hinzu: „Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie unser Gehirn vergisst, aber alle führen dazu, dass das Engramm - die physische Verkörperung einer Erinnerung - schwerer zugänglich wird.“

Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, neue Behandlungsmöglichkeiten für pathologisches Vergessen zu finden.
„Wichtig ist, dass wir glauben, dass dieses ,natürliche Vergessen’ unter bestimmten Umständen umkehrbar ist“, behaupten die Forscher.
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Wenn die Ergebnisse zutreffen, könnten sie neue Wege zum Verständnis und zur Behandlung von krankheitsbedingtem Gedächtnisverlust eröffnen, wie er beispielsweise bei Alzheimer-Patienten auftritt.
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