Explosion am Flughafen Kabul: CNN bezweifelt Ergebnisse der US-Untersuchung

© AP Photo / Manuel Balce CenetaEin US-Navy-Transportteam trägt eine Transportkiste mit den sterblichen Überresten von einem US-Soldaten, der bei dem Terroranschlag im Flughafan Kabul getötte wurde.
Ein US-Navy-Transportteam trägt eine Transportkiste mit den sterblichen Überresten von einem US-Soldaten, der  bei dem  Terroranschlag im Flughafan Kabul getötte wurde.  - SNA, 1920, 09.02.2022
Der US-Sender CNN hat in einem Bericht von Dienstag die vom Pentagon zuvor publik gemachten Ergebnisse der Untersuchung des Anschlags auf den Flughafen Kabul im August 2021 in Zweifel gezogen. Dabei stützt sich der Sender unter anderem auf die Aussagen des medizinischen Personals über die Schusswunden bei den Opfern.
Eine viermonatige Untersuchung von CNN würde Fragen darüber aufwerfen, was wirklich am 26. August 2021 passiert sei, trotz der Behauptung des Pentagons, dass 13 US-Soldaten sowie mindestens 170 Afghanen durch eine von der Terrorgruppe ISIS-K, einem Ableger des „Islamischen Staates“* in Afghanistan, gesprengten Bombe getötet worden seien.
CNN gab an, mit mehr als 70 Zeugen und Familien der Opfer gesprochen zu haben. Auch habe man Krankenakten überprüft, aber auch Videos und Fotos von jenem Tag analysiert.
Das medizinische Personal und die Verwalter von fünf Krankenhäusern, welche damals die Opfer aufgenommen hätten, hätten das Vorhandensein von Schusswunden festgestellt, hieß es. Ein Arzt habe beschrieben, wie er selbst Kugeln entfernt habe. Zudem würden sich die Krankenakten von Patienten auf Schusswunden beziehen. Zudem sei angenommen worden, dass die Zahl der Opfer „viel höher“ gewesen sein könnte.
Zwei Forensiker hätten angegeben, dass es unwahrscheinlich sei, dass so viele Menschen bei einer von einer einzigen Person ausgelösten Explosion ums Leben gekommen seien. Dabei hätten andere Experten CNN gesagt, dass dies möglich sei.
Die Ermittler des US-Militärs hätten mit keinem Fachpersonal in afghanischen Krankenhäusern gesprochen und keine afghanischen Zivilisten interviewt.
„Die von CNN erhaltenen Informationen lassen die Möglichkeit vermuten, dass die Schüsse an diesem schrecklichen Tag eine Rolle bei Verletzungen und Todesfällen gespielt haben könnten, trotz der Dementis des amerikanischen und britischen Militärs“, hieß es bei CNN weiter.
Neunzehn Zeugen hätten angegeben, entweder gesehen zu haben, wie Menschen von Schüssen getroffen worden seien, oder selbst von Schüssen getroffen worden zu sein. CNN sei nicht in der Lage gewesen, jeden diesbezüglichen Zeugenbericht zu verifizieren, aber die medizinischen Berichte oder Aussagen in 14 Fällen würden darauf hinweisen, dass der Patient oder das Opfer von Schüssen getroffen worden sei.
Laut den US-Militärs würden die Zeugen falsch liegen. Die US-Marines und britische Streitkräfte hätten nach der Explosion Warnschüsse abgefeuert, aber niemand sei verletzt worden, sagten die US-Ermittler. Kapitän Bill Urban, dem Sprecher des US-Zentralkommandos Centcom, zufolge habe das medizinische Personal die Wunden „falsch“ eingeschätzt. Die Ermittler hätten jedoch eingeräumt, dass sie nur Aussagen von Angehörigen der US- und Koalitionsstreitkräfte entgegengenommen hätten.
Bei dem Selbstmordattentat im Flughafen Kabul wurden Berichten zufolge rund 185 Menschen, darunter 13 US-Militärangehörige, getötet, welche an der Evakuierung von US-Bürgern, Drittstaatsangehörigen und gefährdeten lokalen Bevölkerungsgruppen aus Afghanistan beteiligt waren.
*Terrororganisation, in Russland und Deutschland verboten
Drohnenangriff (Afghanistan) - SNA, 1920, 14.12.2021
Afghanistan
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