Chip-Krise in der EU: 43 Milliarden Euro für Halbleiter und Zwang zur Produktion seltener Teile

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Chip (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.02.2022
Die Europäische Union (EU) will die eigene Chip-Produktion ankurbeln, um aus der Chip-Krise zu kommen und am globalen Markt stärker mitzumischen. Dazu könnten bald 43 Milliarden Euro bereitgestellt werden und Unternehmen notfalls zur Produktion gewisser Teile von der EU-Kommission gezwungen.
Am Dienstag hat die EU-Kommission ihren „Chips Act“ vorgestellt. Dieser soll helfen, den akuten Chipmangel in der EU zu beheben. Dafür sind Investitionen in Höhe von 43 Milliarden Euro in die europäische Halbleiter-Produktion geplant. Ein Löwenanteil von 40 Milliarden soll dabei aus öffentlicher Hand fließen.
Dadurch soll an der ersten Stelle die Anfälligkeit der EU für Probleme in den globalen Lieferketten und für Krisen auf dem Gebiet der Technik reduziert werden. Ein weiteres, mittelfristiges Ziel des „Chips Act“ ist, die EU im Wettbewerb mit Asien und den USA im Bereich der Halbleiter-Technik zu stärken. Bis 2030 wird ein Anstieg von 10 auf 20 Prozent am globalen Markt anvisiert, wozu die gegenwärtige Produktion vervierfacht werden muss. Diesen dominieren zurzeit China und die USA.

Gestörte Lieferketten und wachsender Halbleiter-Hunger

Auslöser für solche Maßnahmen ist die sogenannte Chip-Krise. Mit verursacht ist diese durch die Corona-Pandemie und Probleme in den Lieferketten. Doch auch unabhängig davon wächst der Bedarf an Halbleitern weltweit, da diese in immer mehr Geräte verbaut werden. Für Technologienzweige der Zukunft wie das „Internet der Dinge“, Cloud-Technologien, autonome Fahrzeuge, Computer, Raumfahrt-Programme sowie den Ausbau datenintensiver Netze wie 5G und 6G sind Halbleiter unabdingbar.

Chip-Hersteller zur Not zu ihrem Glück zwingen

Abgesegnet ist der „Chips Act“ damit noch nicht, wie das Internetportal „Heise“ hervorhebt. Das Europäische Parlament sowie die Mitgliedsstaaten müssen noch zustimmen. Brisant an dem Vorhaben sind die Befugnisse: So will die EU-Kommission künftig Chip-Hersteller zur Produktion der benötigten Teile zwingen können. In anderen Worten: Was gerade knapp ist, geht in der Produktion dann vor, wofür auch bestehende Lieferverträge ausgehebelt werden könnten.
Das österreichische Medium „Futurezone“ führt auch eine Kritik des Vorhabens an, die vom „Centrum für Europäische Politik“ kommt. Diese wertet die aktuelle Chip-Krise als vorübergehend ein und sagt deren Ende im Jahr 2023 vorher. Aus Sicht der Institution ist ein solcher Eingriff nicht gerechtfertigt.
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