Experten vermuten 1000 Pims-Fälle durch Corona bei Kindern und Jugendlichen

© Depositphotos / Sergei TeleginCorona-Impfung (Symbolbild)
Corona-Impfung (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.02.2022
Experten haben der Deutschen Presse-Agentur (DPA) mitgeteilt, dass rund 1000 Kinder in Deutschland während der Pandemie als Folge einer Corona-Infektion an dem multisystemischen Entzündungssyndrom Pims erkrankt seien.
Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) bestätigte 660 Fälle seit Mai 2020. Die Daten basieren hierbei auf freiwilligen Meldungen von mehr als der Hälfte der Kinderkliniken und -abteilungen in Deutschland.

„Mit der Dunkelziffer dürften es insgesamt in etwa 1000 Pims-Betroffene sein“, so der Kinder- und Jugendmediziner Jakob Armann vom Universitätsklinikum Dresden, der die Meldungen ans Register verwaltet.

Etwas mehr als die Hälfte der Erkrankten seien intensivmedizinisch behandelt worden. Es trete oft ein schweres Krankheitsbild auf, die Krankheit sei jedoch gut behandelbar. Bleibende Schäden träten in der Regel durch die Erkrankung nicht auf.

„In der Regel können betroffene Kinder nach zwei bis fünf Tagen die Intensivstation wieder verlassen“, erläuterte Armann.

Es sei eine seltene Erkrankung, angesichts der bundesweit hoch ausfallenden Infektionszahlen. Die Experten gehen von einem Fall auf rund 4000 Corona-Infektionen aus. Rund zwei Drittel der erfassen Fälle seien Jungen. Es seien alle Altersgruppen gleichermaßen betroffen.
„Es ist natürlich keine schöne Erkrankung, aber auch nichts, was die Kinderkliniken an die Belastungsgrenze bringt“, äußerte der Mediziner.

Zusammenhang mit Covid-19

Im Register der DGPI und in der Dresdner Klinik sei ab Mitte Dezember ein Anstieg der Fälle beobachtet worden. Dies stehe mit den hohen Fallzahlen in Verbindung, da die Erkrankung mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nach einer Covid-Erkrankung auftrete. Zudem seien zu Beginn der Pandemie Corona-Infektionen oft nicht direkt diagnostiziert worden.
Trotz des jüngst verzeichneten Anstiegs der Zahl der Erkrankten sei das Niveau in diesem Winter eher etwas geringer als vor einem Jahr.

„Das ist wahrscheinlich ein Effekt der Delta-Variante“, schlussfolgerte der Kinder- und Jugendmediziner.

Diese Variante des Corona-Virus scheine seltener Pims auszulösen, was die Analyse weltweiter Daten ergebe.
Die Auswirkung der neuen Omikron-Variante könne man wegen des verzögerten Vorkommens der Erkrankung noch nicht beurteilen. Zudem wachse der Anteil geimpfter Jugendlicher.

„Es ist nicht zwangsläufig so, dass sich die Krankheit mit jeder Mutation des Virus verschlimmert“, so Armann.
Fälle von Kindern mit schweren Entzündungsreaktionen im Zusammenhang mit Corona wurden bereits im Frühjahr 2020 in mehreren Ländern registriert. Die Abkürzung Pims steht für „Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“. Als typische Symptome gelten mehrere Tage anhaltendes Fieber, Durchfälle sowie Hautausschläge. Diese treten typischerweise vier bis acht Wochen nach einer Corona-Infektion auf. Laut einer US-Gesundheitsbehörde schütze die Gabe eines Corona-Impfstoffs bei Kindern und Jugendlichen jedoch in hohem Maße vor der Erkrankung.
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