„Tun wir das nicht, werden wir zum Spielball“: Habeck will weniger Abhängigkeit von russischem Gas

© AP Photo / Odd AndersenRobert Habeck spricht zu den Medien nach der Amtsübergabe im Wirtschaftsministerium in Berlin (Archivbild)
Robert Habeck spricht zu den Medien nach der Amtsübergabe im Wirtschaftsministerium in Berlin (Archivbild) - SNA, 1920, 05.02.2022
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hält es aus Sicherheitsgründen für notwendig, Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas zu reduzieren und die Versorgung zu diversifizieren.
„Wir müssen unsere Vorsorge für den nächsten Winter verbessern. Die Arbeiten dazu sind bereits angelaufen“, sagte Habeck in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe und der französischen Partnerzeitung „Ouest-France“.
Die geopolitische Lage zwinge Deutschland, „andere Importmöglichkeiten zu schaffen und die Versorgung zu diversifizieren, inklusive der infrastrukturellen Fragen“. Das sei Sicherheitspolitik.
„Wir müssen hier handeln und uns besser absichern. Tun wir das nicht, werden wir zum Spielball.“
Er sehe es kritisch, dass der Gasmarkt komplett dereguliert sei. „Bislang haben wir keine staatlichen Einflussmöglichkeiten. Dabei kann es nicht bleiben“, so der Grünen-Politiker.
Zudem vertritt er die Ansicht, dass eine Inbetriebnahme der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 gravierende Folgen haben könnte.
„Geopolitisch verschärft Nord Stream 2 nicht nur die Abhängigkeit von russischem Gas, sondern auch die Konzentration auf einen Lieferweg, der verletzlich ist“, sagte er.
Die Pipeline erhöhe die Notwendigkeit, die Gasversorgung zu diversifizieren. „Die letzten Wochen und der Konflikt in der Ostukraine haben unsere Sorge, dass Russland seine Gaslieferungen auch gegen deutsche Interessen einsetzt, wachsen lassen.“
Gefragt nach möglichen Sanktionen gegen Russland, wenn es die Ukraine angreifen sollte, sagte der Wirtschaftsminister: „Es ist nicht hilfreich, öffentlich einzelne Sanktionen durchzudeklinieren“. Es sei jede Sanktion denkbar, die geeignet sei, Russland zum Rückzug zu zwingen.
Die Lage sei aktuell brenzlig, so Habeck weiter. „Ziel muss Deeskalation sein. Zugleich ist es richtig, dass die USA und die Europäische Union in großer Gemeinsamkeit sagen: Wenn Russland in die Ukraine einmarschiert, wird es einen hohen ökonomischen Preis dafür zahlen.“
Gas im Haushalt  - SNA, 1920, 02.02.2022
Mengenmäßig größte Abnehmer von russischem Gas in Europa – Infografik
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