Russland holt zum Olympia-Auftakt Silber und Bronze – Expertenprognose: insgesamt 30 Medaillen

© SNA / Pavel Bednyakov / Zur BilddatenbankWeltcup-Spitzenreiterin Natalia Neprjajewa gewinnt Silber im Skiathlon-Rennen bei den Olympischen Spielen in Peking
Weltcup-Spitzenreiterin Natalia Neprjajewa gewinnt Silber im Skiathlon-Rennen bei den Olympischen Spielen in Peking - SNA, 1920, 05.02.2022
Am ersten Tag der Olympischen Winterspiele in Peking holte Russland Bronze in der Biathlon-Mixed-Staffel und Silber im Skiathlon. Wer von den russischen Athleten peilt noch Medaillen an und wer von der Nationalmannschaft muss wegen Corona ersetzt werden?
Russland hat zu den Spielen 213 Athleten entsandt, darunter 109 Herren und 104 Damen, wodurch die heute so trendige Gleichstellung der Geschlechter umgesetzt wird. Sie sollen in allen 15 Sportdisziplinen um Medaillen kämpfen, darunter auch in den neuen Disziplinen – im Monobob der Damen und in der gemischten Staffel im Shorttrack. Was beansprucht Russland für sich? Nach den Spielen in Tokio ist der Appetit der Fans gewachsen.
Keiner achtet mehr auf die Prognose der Gracenote-Analytiker, die Russen würden rund 30 Medaillen gewinnen können, wobei jede dritte Gold sein könne. Bei den vorhergehenden Spielen in Pyeongchang wurde der höchste Podestplatz nur zweimal von Russen belegt, und zwar von der Eiskunstläuferin Alina Sagitowa und dem Eishockeyteam. Inzwischen gibt es unter den russischen Athleten Weltmeister selbst im Snowboarden und Freestyle. Medaillenchancen gibt es auch etwa im Skispringen und im Ski Alpin.

Die allerbesten Chancen der Russen

Die allerbesten Chancen haben die Russen vor allem im Eiskunstlauf, Skilanglauf, Eishockey und Biathlon. Allerdings haben russische Athleten während einiger Vorolympiasaisons auch in Rennrodeln, einzelnen Disziplinen des Eisschnellaufes und im Skeleton Podestplätze belegt. Die mit 15 Jahren jüngste Sportlerin, Kamila Walijewa, wird zu den Titelanwärterinnen im Damen-Einzellauf gezählt. Die 19-jährige Freestylerin Anastassija Smirnowa, amtierende Weltmeisterin, ist bei Moguls bereits in der Endrunde.
Nach China hat Russland ein Team entsandt, dessen Mitglieder weitgehend nicht nur um Gold kämpfen können, sondern sogar zu den Hauptanwärtern darauf gehören, etwa im Eiskunstlauf. Dieser ist wohl nie zuvor ein so starker Trumpf für Russland gewesen. Gute Aussichten auf Medaillen hat das russische Team auch beim Skirennen, das ein Dutzend Wettkämpfe umfasst. Mit einem engen Kampf um Gold ist auch auf der Rennschlitten- und Bobbahn zu rechnen, in erster Linie gegen die deutschen Athleten als Schrittmacher. Schließlich gehört auch das Eishockey dazu, bei dem es um die Verteidigung des vorigen Olympiagolds gehen wird. Allerdings werden die russischen Sportler infolge der WADA-Sanktionen formell als Team des russischen Nationalen Olympischen Komitees und ohne Staatshymne antreten müssen.

Stichwort Corona

Sportexperten meinen, dass die Corona-Situation die Wettkämpfe stark beeinflussen werde und bei diesen besonderen Spielen Medaillen nicht eingeplant werden könnten. Unter dem Zwang der positiven Corona-Tests wird die Zusammensetzung der Mannschaften umgehend verändert. Wegen der strikten Sanitätsmaßnahmen suchen zumindest zehn Nationalteams nach Ersatz, darunter die von Österreich, Belgien und Deutschland. COVID-19 wurde bei sechs russischen Hockeyspielern entdeckt. Zum Ersatz ist es schon im Biathlon und im Eiskunstlauf gekommen. Auch der Medaillenkandidat im Skeleton Nikita Tregubow, der 2018 Silber geholt hatte, musste den Spielen fernbleiben.
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Die aktuellen Olympischen Spiele seien im wahrsten Sinne des Wortes ein Lottospiel, behaupten russische Experten in Peking. Viele werden positiv getestet, weil das chinesische Verfahren sensitiv ist. Während mit dem russischen Testverfahren bei einem nicht sehr schwer Erkrankten das Coronavirus nicht zu entdecken ist, registriert das chinesische jede Spur davon. Bei jedem, der auch nur die geringste Andeutung auf die Krankheit aufweist, fällt der Test positiv aus. Über alles entscheiden nicht die sportlichen Grundsätze, sondern wer mit dem Corona-Test Glück bzw. Pech hat. Auch wenn man sich maximal zu schützen sucht, ist man vor der Erkrankung nicht sicher.

Aberglauben der Fahnenträger

Bei der Eröffnungsfeier der Spiele wurde die russische Fahne von Olga Fatkulina, Silbermedaillengewinnerin von Sotschi 2014, und dem Olympiasieger von Pyeongchang Wadim Schipatschow, Kapitän der Eishockeymannschaft und mit 24 erzielten Toren der Schützenkönig der laufenden Russlandmeisterschaft, getragen. Die russischen Fahnenträger wurden beinahe als letzte ernannt. Einigen Sportlern blieb nur noch Zeit für die Vorbereitung auf die Wettkämpfe, die am Tage darauf starten sollten. Etwa der Abstieg von den Bergen, wo Skiläufer und Biathleten kämpfen werden, und der Weg zur Hauptarena, zum Nationalstadion wäre eine allzu strapaziöse 200-km-Reise. Auch würde sie die Trainingszeit um einen Tag verkürzen. Einige Länder haben sogar beschlossen, ihre Snowboarder, Skiläufer und Biathleten überhaupt nicht zur Eröffnungsfeier zu entsenden.
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Einige Mitglieder des russischen Teams haben die ehrenvolle Fahnenträgerrolle wegen des Aberglaubens abgelehnt, diejenigen, die die Fahne tragen würden, würden nachher nur selten Gold holen. In den 30 postsowjetischen Jahren hat von den Fahnenträgern nur der Biathlet Sergej Tschepikow 1994 Gold gewinnen können. 2014 hat der Bobfahrer Alexander Subkow die Fahne getragen und anschließend zweimal die höchste Stufe des Podests bestiegen. Dann wurden ihm aber diese Medaillen wegen Dopingverdachts entzogen. Im Endeffekt hat seit 28 Jahren keiner von den russischen Fahnenträgern den höchsten Gipfel bestiegen. Es ist höchste Zeit, den bösen Aberglauben abzuschaffen!
Eine Meinungsumfrage Ende Januar hat ein starkes Interesse der Russen an den Olympischen Spielen in Peking gezeigt. 17 Prozent der Befragten haben vor, Übertragungen aus China in allen Sportarten regelmäßig anzusehen, 42 Prozent beabsichtigen das nur bei ihren bevorzugten Sportarten, weitere sieben Prozent haben geäußert, sich nur die Wettkämpfe anschauen zu wollen, bei denen für die russischen Sportler Siegeschancen bestehen. Unter den Sportarten, die sie mitverfolgen wollen, haben die Befragten am häufigsten Biathlon, Eiskunstlauf, Eishockey und Skisport genannt.
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