Niederlande: Forscher finden aggressivere HIV-Variante

© AP Photo / Jamey KeatenDas Logo des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) und das der Weldgesundheitsorgenisation (WHO)
Das Logo des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) und das der Weldgesundheitsorgenisation (WHO) - SNA, 1920, 04.02.2022
Forscher haben in den Niederlanden im Rahmen einer Langzeitstudie eine bislang unbekannte Variante von HIV entdeckt. Diese weist eine deutlich höhere Viruslast auf. Die Deutsche Presse-Agentur (DPA) berichtete von Expertenmeinungen.
Die sogenannte VB-Variante von HIV-1 wurde von Forschern der britischen Universität Oxford entdeckt. Den Wissenschaftlern zufolge weise sie eine etwa 3,5 bis 5,5 mal höhere Viruslast auf, sei leichter übertragbar und habe das Potenzial, größere Schäden am Immunsystem anzurichten.

Dem Forschungsteam fielen 17 Fälle der VB-Variante auf, 15 davon in den Niederlanden. Es wurden weitere 92 Infizierte in Tests von weiteren Tausenden Patienten in den Niederlanden entdeckt.
Laut Studie entstand die neue HIV-Form in den Neunzigerjahren. Seit etwa 2010 soll sich die Verbreitung wieder verlangsamt haben.
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Expertenmeinungen zur Gefahrenlage

Laut Studienergebnissen ist der Krankheitsverlauf bei mit der neuen Variante infizierten Patienten ähnlich wie bei anderen Patienten, für Infizierte in Behandlung bestehe keine größere Gefahr. Auch die Todesrate der Patienten in Behandlung falle gleich aus.
Virologe Maximilian Muenchoff von der Ludwig-Maximilian-Universität München bezeichnete die Studie gegenüber der DPA als „ein weiteres Puzzlestück für unser Verständnis der Evolution von HIV“.

„Die Effekte sind zwar statistisch signifikant, aber im großen epidemiologischen Kontext eher nebensächlich“, beurteilte er das Gefahrenpotenzial der neuen Variante.
Die VB-Variante zirkuliere bereits seit Jahren und habe andere Formen nicht verdrängt, was gegen eine akute Gefahr spreche.
Die Therapie und ein gesunder Lebensstil seien für Patienten von deutlich größerer Bedeutung als virologische Faktoren.

„Angesichts des langen Zeitraums und der recht geringen Zahl spricht nichts für eine rasche Ausbreitung“, urteilte der Virologe Hans-Georg Kräusslich von der Universität Heidelberg gegenüber der DPA.
Laut Studie sei es jedoch umso wichtiger, dass Menschen mit einem gewissen HIV-Risiko Zugang zu regelmäßigen Tests haben, um frühzeitige Diagnosen und Behandlungen zu ermöglichen. So könne man die Zeit verkürzen, in der HIV das Immunsystem und die Gesundheit schädigt.

Die VB-Variante wurde im Rahmen eines langfristig angelegten Monitoring-Projekt der Oxford Universität, namens „Beehive“, entdeckt. Das Projekt untersucht, warum einige HIV-Viren die Gesundheit der Patienten mehr beeinflussen als andere.
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