Nach Beweisen gefragt: US-Außenamtssprecher erteilt Abfuhr wegen Russlands „Fake-Video“

© AP Photo / Susan WalshDer Sprecher des Außenministeriums Ned Price auf einem Briefing im Außenministerium in Washington am 1. Februar 2022.
Der Sprecher des Außenministeriums Ned Price auf einem Briefing im Außenministerium in Washington am 1. Februar 2022.  - SNA, 1920, 04.02.2022
Nach Beweisen für Aussagen befragt, wonach Russland ein gefälschtes Video als Vorwand für eine angebliche Invasion in die Ukraine benutzen will, hat der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, einen AP-Journalisten auf einer Pressekonferenz am Donnerstag streng zurechtgewiesen. Der Vorfall sorgte für Wirbel bei seinen Kollegen.
Laut dem Gesprächsprotokoll wiederholte Price die Vorwürfe des Pentagon-Sprechers John Kirby, dass Russland plane, „gefälschte Angriffe durch ukrainische Militär- oder Geheimdienstkräfte als Vorwand für eine weitere Invasion der Ukraine zu inszenieren“. Es gehe dabei insbesondere um ein Video mit grafischen Szenen falscher Explosionen, Krisendarstellern, die sich als Trauernde ausgeben, und Bildern von zerstörten Orten, alles vom russischen Geheimdienst fabriziert, so der Sprecher.
Als Beleg für die Anschuldigung berief sich der Sprecher auf die Schritte, die Russland für seine angebliche Invasion in die Ukraine vermeintlich unternommen habe, ohne zu präzisieren, welche konkret damit gemeint seien. In jenem Moment wies der AP-Journalist Matt Lee darauf hin, dass diese Aussagen bislang mit keinen Beweisen unterlegt worden waren.
„Was ist der Beweis – ich meine, Krisendarsteller, wirklich? Wir bewegen uns hier auf dem Terrain von Alex Jones (der als Verschwörungstheoretiker geltende Chef des Portals „Infowars“ – Anm. d. Red.). Welche Beweise haben Sie für die Idee, dass ein Propagandafilm in der Mache ist?“
Als Reaktion verwies Price auf die freigegebenen Geheimdienstinformationen, ohne auf weitere Details einzugehen. Unzufrieden mit der Antwort, fragte der Journalist nach: „Nun, wo sind sie? Wo sind die deklassifizierten Informationen?“ „Ich meine, mein Gott, welche Beweise haben Sie, die darauf hindeuten, dass die Russen dies überhaupt planen?“, so Lee weiter und hakte weiter nach.
„Ich meine, ich sage nicht, dass sie es nicht (planen – Anm. d. Red.), aber Sie kommen einfach damit heraus und sagen das und erwarten, dass wir es einfach glauben, ohne dass Sie auch nur den kleinsten Beweis dafür liefern, dass es tatsächlich wahr ist, außer dass Sie, wenn ich oder jemand anderes fragt, was die Informationen sind, sagen: ,Nun, ich habe sie Ihnen gerade gegeben’, was nur eine Behauptung von Ihnen war“.
Darauf antwortete der Sprecher, der Journalist meinte ja selbst, er sei schon ziemlich lange in diesem Geschäft gewesen. „Sie wissen, dass wir, wenn wir nachrichtendienstliche Informationen veröffentlichen, dies auf eine Weise tun, die sensible Quellen und Methoden schützt. Sie wissen auch, dass wir Informationen nur dann freigeben, wenn wir von diesen Informationen überzeugt sind“, sagte Price.
„Wenn Sie an der Glaubwürdigkeit der US-Regierung, der britischen Regierung oder anderer Regierungen zweifeln und Trost in den von den Russen verbreiteten Informationen finden wollen, dann ist das Ihre Sache.“

Reaktion der journalistischen Gemeinschaft

Journalisten, die den Austausch verfolgten, äußerten sich in den sozialen Medien gegen die „böswillige“ Bemerkung von Price. Sie wiesen darauf hin, dass es reichlich Grund gebe, Behauptungen der US-Regierung in Frage zu stellen, die sich angeblich auf Geheimdienstinformationen stützten, wie etwa die Behauptungen im Vorfeld der US-Invasion im Irak 2003.
Alexander Dobrindt (Archivbild) - SNA, 1920, 03.02.2022
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„Das ist ja schon mal eine Antwort. Die US-Regierung in Frage zu stellen, bedeutet nicht, dass man das, was Russland sagt, unterstützt“, kommentierte die NYT-Reporterin Maggie Haberman am Donnerstag. „Es ist die Aufgabe einer verantwortungsbewussten Presse, Beweise für die Behauptungen der US-Regierung - insbesondere in der Außenpolitik - zu verlangen“, teilte die CNN-Journalistin Katie Bo Lillis via Twitter mit.
„Hmmm, warum sollten wir jemals die Glaubwürdigkeit der US-Regierung in Kriegsangelegenheiten anzweifeln, ich kann mir keine historischen Gründe vorstellen“, bemerkte mit Sarkasmus der „Politico“-Journalist Jeremy B. White.
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