Jedes Auto kostet die Allgemeinheit durchschnittlich 5000 Euro pro Jahr – Studie

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Audi (Symbolbild) - SNA, 1920, 04.02.2022
„Das Auto ist eines der teuersten Konsumgüter im Haushalt“, besagt eine neue Studie von Mobilitätsforschern und belegt dies mit Zahlen. Demnach belaufen sich allein die Kosten, die die Gesellschaft trägt, auf rund 5000 Euro im Jahr.
In der neuen Studie „The Lifetime costs of driving a car“ (auf Deutsch: „Die Kosten des Autofahrens über die Lebenszeit“) hat ein Team um den Mobilitätsforscher Stefan Gössling die privaten und sozialen Gesamtkosten des Autoverkehrs umfassend berechnet. Neben Kosten für Sprit, Versicherung und Kfz-Steuer fallen jedes Jahr nämlich sogenannte soziale Kosten an, die die Gesellschaft trägt: beispielsweise weil Menschen aufgrund von Lärm oder Luftverschmutzung durch den Autoverkehr erkranken, früher sterben oder an den Folgen des Klimawandels leiden. Im Schnitt belaufen sich diese Kosten bei größeren Autos auf rund 5000 Euro pro Jahr, welche komplett von der Gesellschaft subventioniert werden.

Was kostet Wartezeit im Stau?

Bei einer typischen deutschen Fahrleistung von 15.000 Kilometern pro Jahr liegen die Gesamtbetriebskosten (50 Jahre) laut der Studie zwischen 599.082 Euro für einen Opel Corsa und 956.798 Euro für einen SUV Mercedes GLC. Der Anteil der Gesellschaft an diesen Kosten beträgt 41 Prozent (4.674 Euro pro Jahr) beim Opel Corsa und 29 Prozent (5.273 Euro pro Jahr) beim Mercedes GLC. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der private Autobesitz für einkommensschwache Gruppen Kosten vergleichbar mit denen des Wohnens darstellen kann und einen großen Teil des verfügbaren Einkommens verschlingt. Die drei teuersten Kostenpunkte für die Gesellschaft sind dabei laut der Studie die Luftverschmutzung (beim Corsa 1.495 Euro im Jahr), der Landverbrauch und die Instandhaltung der Infrastruktur (1.167 Euro) sowie das Bordsteinparken (1.005 Euro). Hinzu kommen unter anderem noch Kosten, die durch Lärm (120 Euro), den Klimawandel (435 Euro) und durch Einschränkungen für Radfahrende oder zu Fuß Gehende (225 Euro) entstehen. „Nur ein Teil der dabei entstehenden Infrastrukturkosten wird durch Benutzungsgebühren oder Steuern beglichen“, sagte Gössling der „Zeit“.
Die Wartezeit im Stau bepreisen die Forscher, indem sie diese als verlorene Arbeitszeit veranschlagten. So kommen sie auf immerhin 555 Euro pro Jahr und Auto. 40 Stunden stand der typische Autopendler 2021 im Stau. „Das entspricht einer Arbeits- oder Urlaubswoche“, so der Forscher.
Auto (Symbolbild) - SNA, 1920, 14.01.2022
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Verkehrssystem nur mit Auto sozial gerecht

Insgesamt fallen so private Kosten fürs Autofahren in Höhe von rund 6.700 Euro für einen Opel Corsa, 7.657 Euro für einen VW Golf und knapp 12.900 Euro für einen Mercedes GLC im Jahr an – laut Gössling deutlich mehr, als der ADAC anführt. Je niedriger also die Einkünfte eines Haushalts desto höher logischerweise der Anteil am Lebenseinkommens den der Autobesitz verschlingt. Besonders problematisch: laut den Autoren der Studie subventioniert die Bundesregierung seit den Fünfzigerjahren den privaten Autobesitz unter anderem durch umfangreichen Straßenbau, günstige Parkgebühren, Pendlerpauschalen oder Dienstwagenprivilegien. „Die vorherrschende politische Haltung ist, dass unser Verkehrssystem nur sozial gerecht ist, wenn jeder Erwachsene ein Auto besitzt“, so Gössling zu der Wochenzeitung „Die Zeit“. Mehr soziale Gerechtigkeit im Verkehr hieße für ihn, dass alle Menschen bequem und kostengünstig mobil sein könnten – ohne ein eigenes Auto. Alternativen wie ein Jahresticket für den öffentlichen Personennahverkehr in Kombination mit Carsharing und anderen Mobilitätsangeboten seien deutlich günstiger als der PKW-Individualverkehr.
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