Weil seine Eltern ungeimpft sind: Herzkrankem Kind Notfall-OP in drei Ländern verweigert

CC0 / Myléne / pixabayEin Spiezeug (Symbolbild)
Ein Spiezeug (Symbolbild) - SNA, 1920, 03.02.2022
Wegen des Impfstatus seiner Eltern ist einem dreijährigen Kind aus Zypern mit einer schweren Herzerkrankung nach Angaben der Zeitung „Politico“ eine Notfalloperation in drei Ländern verweigert worden. Der Junge soll nun in Griechenland operiert werden, aber der Fall wirft ein Schlaglicht auf das ethische Dilemma der Gesundheitsbehörden.
Dem Bericht zufolge ordnete das zypriotische Gesundheitsministerium an, dass das Kind am vergangenen Donnerstag mit einem Rettungsflugzeug nach Deutschland gebracht wurde, weil die lokalen Krankenhäuser nicht in der Lage waren, den notwendigen Eingriff vorzunehmen.
„Am Tag vor der geplanten Verlegung teilte das Frankfurter Krankenhaus den zyprischen Behörden jedoch mit, dass die Verlegung nicht stattfinden würde, weil die Eltern des Jungen nicht gegen COVID-19 geimpft worden waren“, schreibt „Politico“ am Montag.
Zypern schlug vor, dass der Junge anstelle seiner Eltern von einem Erziehungsberechtigten begleitet werden könnte, doch dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Ein Beamter des deutschen Gesundheitsministeriums bestätigte, dass es keine Vorschrift gebe, wonach Ungeimpfte geschweige denn ihre Kinder nicht behandelt werden dürfen. Jedes Krankenhaus habe aber eigene Einschränkungen und treffe eigene Vereinbarungen mit Patienten, so der Beamte.
„Die Gesundheitspolitik inklusive der Impfpolitik und ihre konkrete Umsetzung fallen in die Zuständigkeit der Mitgliedstaaten, nicht in die der Kommission“, wird ein Sprecher der Gesundheitsabteilung der EU-Kommission in der Zeitung zitiert.
Die zyprischen Behörden versuchten, spezialisierte Gesundheitszentren in Großbritannien und Israel für die Durchführung der Operation zu gewinnen, wurden aber aus demselben Grund wie Deutschland abgewiesen.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vor den Flaggen von Frankreich und der EU (Symbolbild) - SNA, 1920, 09.01.2022
Verlust der Staatsangehörigkeit wegen Impf-Verzicht? Klage gegen Macron nach umstrittenen Aussagen
Nach Angaben der Generaldirektorin des zyprischen Gesundheitsministeriums, Christina Yiannaki, wurde das Kind am Samstag mit dem Flugzeug ins benachbarte Griechenland geflogen, wo es in einem privaten Krankenhaus in Athen operiert werden soll.

Eltern über Forderungen womöglich nicht informiert

„Ich weiß, dass ungeimpfte Patienten in Deutschland in Krankenhäuser eingeliefert werden“, sagte der Vater des Jungen, Alexej Matwejew, ein russischer Staatsbürger, der in Zypern lebt. Die beiden Eltern wurden am Donnerstag geimpft, müssen aber noch sechs Wochen warten, bis sie von den ausländischen Krankenhäusern aufgenommen werden.
„Ich wusste nicht, dass ich geimpft werden muss, damit mein Kind in diesem Krankenhaus operiert werden könnte. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich es natürlich getan ... Ich bin gesund und wollte nicht geimpft werden. Ich finde es unangemessen, dass jemand, der gesund ist, geimpft wird“, so der Vater.
Nach Worten der Generaldirektorin des zyprischen Gesundheitsministeriums waren die Eltern im Voraus über die Notwendigkeit der Impfung informiert worden. Die zypriotischen Beamten sagten, sie hätten den Eltern vorgeschlagen, den Johnson&Johnson-Impfstoff zu erhalten, um den Prozess zu beschleunigen, was diese jedoch ablehnten.
Österreichische Polizeibeamte patrouillieren während einer Kontrolle in einem Einkaufszentrum in Vösendorf, Bezirk Mödling, Österreich, am 16. November 2021. - SNA, 1920, 26.01.2022
Österreich
Disziplinaranzeige für Impfverzicht? Polizei-Kommandant in Österreich sorgt mit Aussagen für Wirbel
Der Vater wies diese Behauptung zurück und sagte, sie hätten auf Empfehlung des deutschen medizinischen Zentrums den Impfstoff von Pfizer erhalten.

Ethnische Fragen um die Impfung

„Der Fall des Kleinkindes wirft die ethische Frage auf, ob Ärzte ungeimpfte Patienten oder, in diesem Fall, ungeimpfte Eltern abweisen sollten“, schreibt die Zeitung weiter. Als ein weites Beispiel führt „Politico“ den Fall von einem 31-jährigen Patienten an, dem in einem Krankenhaus in Boston in den USA eine Herztransplantation zumindest teilweise deshalb abgesagt wurde, weil er nicht gegen das Coronavirus geimpft sei.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала