Soldaten für die Ukraine: USA schicken Elitetruppen nach Europa

© AP Photo / Shakh AivazovUS-Soldaten (Archivbild)
US-Soldaten (Archivbild) - SNA, 1920, 03.02.2022
Die USA bauen ihre Militärpräsenz in Osteuropa aus. Die Verlegung zusätzlicher Einheiten, Waffen und Militärtechnik wurde vom Weißen Haus kurz nach der Veröffentlichung einer Antwort der USA und Nato-Länder auf die Sicherheitsforderungen Russlands angekündigt.
Die US-Verbündeten planen ebenfalls eine Truppenstationieung nahe der ukrainischen Grenzen.

Anlass zur Sorge

Nach Angaben von Pentagon-Sprecher John Kirby werden die USA in den kommenden Tagen rund 2000 Soldaten der Eliteeinheiten - der 82. Luftlandedivision und des 18. Korps der Luftlandetruppen – nach Polen, Rumänien und Deutschland entsenden. Ihre Teilnahme an Kampfhandlungen in der Ukraine, falls es dazu kommen sollte, ist ausgeschlossen, im Ernstfall könnten aber die Landetruppen US-Staatsbürger aus dem osteuropäischen Land evakuieren.
Wie es im Pentagon hieß, könnten noch weitere Truppen nach Europa verlegt werden. Sollte sich das Weiße Haus zu diesem Schritt tatsächlich entschließen, würde das ohnehin fragile Gleichgewicht in der Region zwischen Ost und West noch brüchiger werden. Laut Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin, ist die Verlegung der US-Einheiten nach Europa der „beste Beweis dafür, dass wir einen offensichtlichen Grund haben, um uns Sorgen zu machen“.
Es handle sich um die Fortsetzung eines „gefährlichen Spiels in der ukrainischen Richtung“, sagte die Leiterin des Instituts für internationale politische und wirtschaftliche Studien, Jelena Panina.
„Eine äußerst verantwortungslose Politik. Es wird ein Schritt in Richtung Zerstörung der sogar während des Kalten Krieges existierenden psychologischen Barriere, einer Art Tabu für einen direkten militärischen Zusammenstoß zwischen Washington und Moskau, mit dem im 20. Jahrhundert der Dritte Weltkrieg verhindert worden war, gemacht. Die US-Falken drängen das Weiße Haus zur Verstärkung der Konfrontation und internationalen Spannungen.“

Ukraine als Militärstützpunkt

Die USA verfolgen außerdem ein weiteres, weniger offensichtliches Ziel. Wie Pentagon-Sprecher Kirby betonte, werden 2000 Soldaten in Europa unter die direkte Leitung des US-Militärs gestellt und nicht der Nato. Formell gehören sie also nicht den Nato-Strukturen an und werden ausschließlich im Interesse des Weißen Hauses vorgehen. Auch der Befehl über die Entsendung von Soldaten in die Ukraine im Falle einer Eskalation wird aus Washington kommen. Das eröffnet für die Amerikaner neue Wege für eine militärische Erschließung der benachbarten Länder Russlands.
Schriftliche Garantien dafür, dass die Nato sich gen Osten nicht erweitern wird, können zwar irgendwann gegeben werden, doch sie werden aus Sicht des Militärexperten Konstantin Siwkow „die Spannungen überhaupt nicht verringern“.
„Die USA werden jedenfalls nicht auf eine weitere Expansion verzichten. Nichts hindert sie daran, in der Ukraine Militärstützpunkte zu errichten, Angriffswaffen und Truppen zu stationieren, und auf alle unsere Forderungen in dem Sinne zu antworten: ‚Wir erweitern doch nicht die Nato, sondern nehmen bilaterale Verbindungen auf. Das ist unser souveränes Recht.‘“
Der Experte erinnerte daran, dass die Amerikaner seit 2015 de facto das Gelände Jarow im Gebiet Lwow unter Kontrolle haben und ukrainische Soldaten ausbilden. In der Ortschaft Otschakow bei Nikolajew wird eine Kommandostelle für Schiffseinsätz gebaut.
Großbritannien macht sich breit im Hafen Juschny, 30 Kilometer von Odessa entfernt, wo ein Marinestützpunkt ausgerüstet wird. Das türkische Unternehmen Baykar Makina baut bei Kiew ein Werk zur Herstellung der Aufklärungsdrohnen Bayraktar TB2 und künftig auch schwerer Drohnen Akinci. Darüber hinaus schickten mehr als zehn Nato-Länder große Einheiten von Ausbildern und Militärspezialisten in die Ukraine.
„Die Ukraine ist heute de facto ein großer Militärstützpunkt des Westens“, sagte Siwkow.
„Die Nato will nicht die Verantwortung übernehmen und dieses Land unter Schutzherrschaft gemäß des Artikels 5 der Satzung der Allianz über kollektive Verteidigung stellen. Niemand will dort allen Ernstes gegen Russland in den Krieg ziehen, um das Kiewer Regime zu verteidigen. Aber verdeckt Truppen und Waffen bringen – bitte sehr. Die Situation kann durch Vereinbarungen nicht geändert werden. Allen möglichen schriftlichen Antworten der Nato auf unsere Sicherheitsforderungen kann nicht getraut werden – die USA stiegen mehrmals aus internationalen Verträgen aus, als das für sie vorteilhaft war. Man kann nur auf dem einzigen Weg Widerstand leisten – die eigenen Möglichkeiten ausbauen und stark sein – sowohl militärisch als auch wirtschaftlich.“
US-Flagge (Symbolbild) - SNA, 1920, 02.02.2022
Wegen „russisch-ukrainischer Spannungen“: Pentagon bestätigt Entsendung von US-Kräften nach Europa

Mangel an Befehlshabern

Die Amerikaner drängen die Ukrainer zu einer gewaltsamen Lösung des Donbass-Konflikts. Kiew leistet dabei schon kaum Widerstand: der Präsident und die militärische Führung der Ukraine rufen die Verbündeten lediglich dazu auf, keine Panik zu verbreiten, weil eine antirussische Kriegshysterie die Wirtschaft des Landes negativ beeinflusst. Derweil verstärken die ukrainischen Streitkräfte ihre Verbände im Donezbecken und fahren schweres Militärgerät auf und verstoßen damit gegen die Minsker Abkommen. Allerdings erklärte Kiew schon mehrmals, dass es nicht die Absicht habe, sie einzuhalten.
Der Pressedienst der Bürgermiliz der Volksrepublik Lugansk veröffentlichte einen vom Militärgeheimdienst beschafften Plan für eine Offensive der ukrainischen Streitkräfte im Donezbecken. Demnach ist ein Angriff mit der Landung von Soldaten der 79. Landungs- und Angriffsbrigade aus Hubschraubern im Hinterland der nicht anerkannten Republiken geplant. Den vorrückenden Einheiten der ukrainischen Armee wird die Nationalgarde folgen, die Widerstandskämpfer aus den Ortschaften von Widerstandskämpfern vertreiben und Deserteure festnehmen soll. Zudem sollen die Angriffsgruppen mit Einheiten der territorialen Verteidigung, mit Panzerabwehr- und mobilen Flugabwehranlagen aufgerüstet werden.
Dennoch sind einige ukrainische Militärs der Meinung, dass die ukrainische Armee derzeit für solch eine Offensive nicht ausreichend gerüstet sei und in einem hypothetischen Konflikt mit Russland eine Niederlage erleiden werde. Der ehemalige Befehlshaber der Spezialeinsatzkräfte, General Sergej Kriwonos, sagte, dass es den Truppen stark an Befehlshabern mangele und die Einheiten nur zur Hälfte zusammengestellt worden seien. In den vergangenen fünf Jahren verließen 130.000 Soldaten die ukrainische Armee, obwohl offiziell über einen Zuwachs von 210.000 bzw. 250.000 berichtet wurde.
Vor diesem Hintergrund wirkt die jüngste Erklärung des ukrainischen Präsidenten Wladimir Selenski über eine baldige Umstellung der Armee auf Berufssoldaten fast schon utopisch. Allerdings können die ukrainischen Streitkräfte auch in ihrem jetzigen Zustand viel Unheil anrichten.
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