Gendern im Fußball? Clubs sind skeptisch

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Fußballspielerin (Symbolbild) - SNA, 1920, 03.02.2022
Gendersternchen, Binnen-Is und Unterstriche: Längst ist die sogenannte gendergerechte Sprache im deutschen Alltag angekommen. Doch gehört sie auch in den Profifußball?
In der Bemühung, alle Geschlechter auch sprachlich zu berücksichtigen, wird in Deutschland gegendert, was das Zeug hält – ob in der Politik, in den Medien oder im gesellschaftlichen Leben. Doch wie sieht es bei des Deutschen liebstem Sport aus, dem Fußball? Das hat die Deutsche Presse-Agentur gefragt und sich bei den Vereinen in der Bundesliga umgesehen. Anlass war eine Äußerung von Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union. Auf die Frage, ob vegane Würstchen im Stadion eine Option seien, hatte der Club-Boss geantwortet: „Ich habe grundsätzlich nichts gegen vegane Würstchen, aber wir werden nicht jeden Wunsch erfüllen. Fußball bedeutet bei uns: Bratwurst, Bier, 90 Minuten Fußball.“ Das althergebrachte Bild komplettierte er mit der Aussage, bei den Eisernen werde auch nicht gegendert.
Ähnlich sieht man es beim VfL Wolfsburg. Auf Anfrage der DPA erklärte ein Pressesprecher:
„Speziell im Fußball erscheint es uns sinnvoll, eine einfache Sprache zu verwenden. Politisch und akademisch sehr korrekte Sprache, auch wenn sie gut gemeint sein mag, birgt die Gefahr, von einem Gutteil der Fans als abgehoben und elitär wahrgenommen zu werden.“
Zudem könne man das Gendersternchen aus Gründen der Barrierefreiheit nicht verwenden, denn die Lesegeräte von Sehbehinderten könnten das Zeichen nicht korrekt wiedergeben. Auch beim 1. FSV Mainz gibt es laut DPA kein Gendersternchen. Man bemühe sich stattdessen, Paarformen oder Ersatzformen zu verwenden oder neutral zu formulieren, so der Verein. Ähnlich handhaben es der SC Freiburg und der VfB Stuttgart.
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Beim Deutschen Fußball-Bund wird hingegen seit einem Jahr das Gendersternchen verwendet. Auf Anfrage der DPA teilte der DFB mit:
„Da das generische Maskulinum erwiesenermaßen nicht alle Menschen gleichermaßen anspricht und abbildet, benutzen wir eine gendergerechte Sprache für die in- und externe Kommunikation.“
Im Übrigen hat der Rat für deutsche Rechtschreibung in seinen Empfehlungen vom 26.03.2021 noch einmal bekräftigt, dass die „Aufnahme von Asterisk (Genderstern), Unterstrich (Gender-Gap), Doppelpunkt oder anderen verkürzten Formen zur Kennzeichnung mehrgeschlechtlicher Bezeichnungen im Wortinnern in das Amtliche Regelwerk der deutschen Rechtschreibung zu diesem Zeitpunkt nicht empfohlen“ werde. In der Begründung heißt es etwa:
„Diese Zeichen haben zudem in der geschriebenen Sprache auch andere Bedeutungen, z. B. als Satzzeichen oder typografische Zeichen oder informatik-und kommunikationstechnische Zeichen. Ihre Nutzung innerhalb von Wörtern beeinträchtigt daher die Verständlichkeit, Vorlesbarkeit und automatische Übersetzbarkeit sowie vielfach auch die Eindeutigkeit und Rechtssicherheit von Begriffen und Texten. Deshalb können diese Zeichen zum jetzigen Zeitpunkt nicht in das Amtliche Regelwerk aufgenommen werden.“
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