Mindestens sechs Tote bei Putschversuch in Guinea-Bissau

© REUTERS / Must Credit Radio BantabaDer Präsident von Guinea-Bissau, Umaro Sissoco Embalo, hält eine Ansprache nach dem Putschversuch.
Der Präsident von Guinea-Bissau, Umaro Sissoco Embalo, hält eine Ansprache nach dem Putschversuch.  - SNA, 1920, 02.02.2022
Am Dienstag ist es in Guinea-Bissau zu einem Putschversuch gegen den Präsidenten Umaro Sissoco Embalo gekommen. Nach Angaben der Regierung scheiterte dieser. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von mindestens sechs Toten.
Am Dienstag kam es zu einem heftigen Schusswechsel nahe einem Regierungsgebäude in der Hauptstadt Bissau, wo der Präsident gerade eine Kabinettssitzung leitete. Schüsse fielen nach Angaben der Nachrichtenagentur mehr als fünf Stunden lang.
Das Kabinettstreffen diente der Vorbereitung eines Gipfels der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft zum jüngsten Militärputsch in Burkina Faso.
Angaben nationaler Medien zufolge wurden mindestens sechs Menschen bei dem Vorfall getötet. Vier Tote gehörten zu den Angreifern, zwei Mitglieder der Präsidentengarde kamen ebenfalls ums Leben.
Es ist bisweilen unklar, wer genau hinter dem gescheiterten Putsch stand, der laut Embalo ein versuchtes Attentat sei. Der Präsident äußerte, dass womöglich nicht alle Einheiten der Armee beteiligt waren und der Angriff möglicherweise mit dem Drogenhandel zusammenhänge.
Der Präsident der Wirtschaftsgemeinschaft der westafrikanischen Staaten, Jean-Claude Kassi Brou, sprach von einem Militärputsch:

„Ich begrüße das Scheitern des Militärputsches in Guinea-Bissau, der ein Angriff auf die Demokratie und das Volk war.“
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Internationale Reaktionen und aktuelle Lage

Ein Sprecher von UN-Generalsekretär Antonio Guterres rief zum Respekt der demokratischen Institutionen des Landes auf und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt, meldete Reuters.
Auch der portugiesische Präsident Marcelo Rebelo de Sousa habe mit Staatschef Embalo telefoniert und die Angriffe gegen die verfassungsgemäße Ordnung Guinea-Bissaus verurteilt. Die portugiesische Botschaft in dem Land empfahl ihren Bürger am Dienstag, das Haus nicht zu verlassen.

Embalo kündigte Dienstagabend an, dass die Situation unter Kontrolle sei und in der Hauptstadt Bissau Ruhe herrsche. In einem auf Facebook veröffentlichtem Video sprach er von einem „gescheiterten Angriff auf die Demokratie“ und der Festnahme einiger Angreifer.

Am Mittwoch ging das Leben in der Hauptstadt wieder seinen gewohnten Gang, Banken und Geschäfte öffneten und Personen waren wieder auf den Straßen zu sehen. Die Hauptstraße, die das Stadtzentrum der Hauptstadt mit dem Flughafen verbindet, blieb am Mittwochmorgen gesperrt, da sie am Präsidentenpalast vorbeiführt.

Dies war der zehnte Putschversuch in dem westafrikanischen Land seit der Unabhängigkeit von Portugal im Jahr 1974. Bisher hat nur ein demokratisch gewählter Präsident in der präsidialen Republik eine volle Amtszeit hinter sich.
Seit Mitte 2020 kam es in Westafrika zu drei weiteren Staatsstreichen: in Mali, Guinea und Burkina Faso, wo jeweils das Militär die Macht ergriff.
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