Trotz Umsatzplus rechnet der deutsche Handelsverband 2022 mit 16.000 Ladenschließungen

© SNA / Aiyush Pachnanda / Zur BilddatenbankEine Straße in London (Archiv)
Eine Straße in London (Archiv) - SNA, 1920, 01.02.2022
Die Corona-Pandemie hat einen enormen Einfluss auf die steigende Zahl der Ladenschließungen und betrifft vor allem kleinere Unternehmen. Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland (HDE) könnte es in diesem Jahr zwar zu einem Umsatzplus von drei Prozent kommen, es wird aber auch mit der Schließung von knapp 16.000 Geschäften gerechnet.
Eine aktuelle Umfrage des HDE unter 1.300 Handelsunternehmen zeigte, dass vor allem kleine Unternehmen im Bereich des Einzelhandels sowie im innerstädtischen Bekleidungshandel an den Folgen der Pandemie-Bekämpfung leiden.
46 Prozent der befragten Unternehmer schätzten ihre Geschäftslage mit der 2G-Regelung als schlecht ein. Ohne die Regelung lag der Wert bei 24 Prozent.
Vor allem die durch die 2G-Regelung ausgelösten Umsatzrückgänge und der Rückgang der Besucherzahlen in den Fußgängerzonen seien eine große Belastung.

„Das ist der Killer für die Unternehmen“, äußerte der HDE-Chefvolkswirt Olaf Roik.
Aber auch Lieferschwierigkeiten, insbesondere in den Bereichen Sportartikel, Elektronik und Haushaltswaren würden massiven Einfluss haben.
Ferner sprach der Handelsverband von schätzungsweise 16.000 Ladenschließungen 2022. Die Zahl der Schließungen sei damit wahrscheinlich dreimal so hoch wie durchschnittlich in den Jahren vor der Pandemie.
Restaurant (Symbolbild) - SNA, 1920, 14.01.2022
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Mögliches Umsatzplus

Laut Statistischem Bundesamt erzielte der deutsche Einzelhandel Rekordumsätze im zweiten Pandemiejahr. Bereinigt um Preiserhöhungen stiegen die Umsätze 2021 noch einmal um 0,7 Prozent. Nominal lag das Umsatzplus sogar bei 2,9 Prozent.
Im Falle, dass sich die Lage verbessert und Einschränkungen beim Einkauf zeitnah an Bedeutung verlieren, rechnet der HDE für das laufende Jahr mit einem Umsatzplus von nominal drei Prozent für die gesamte Branche. Damit würden die Umsätze im Einzelhandel auf mehr als 600 Milliarden Euro steigen, nach Abzug der Inflation würden die Umsätze damit allerdings nach zwei Rekordjahren erstmals wieder stagnieren.
„Nach einem schwierigen, von der Pandemie geprägten Jahr, hofft der Einzelhandel auf ein besseres 2022. Diese Erwartungen werden sich aber nicht für alle Händler erfüllen können. 2G macht es nach wie vor vielen Unternehmen unnötig schwer, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten. Diese im Kampf gegen die Pandemie nutzlose Maßnahme muss endlich bundesweit fallen“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Gewinner und Verlierer in der Pandemie

Allerdings sind nicht alle Unternehmen gleichermaßen durch die Folgen der Pandemie betroffen.
Die sinkenden Kundenzahlen führen vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen zu finanziellen Problemen, viele können sich die hohen Mieten an den Einkaufsstraßen nicht mehr leisten. Seit Ausbruch der Pandemie litt der stationäre Nicht-Lebensmittelhandel laut HDE an 263 von 569 Verkaufstagen unter pandemiebedingten Einschränkungen.
Mode- und Schuhhändler in den Innenstädten und Einkaufszentren seien laut HDE besonders hart getroffen worden, sie büßten in den vergangenen zwei Pandemiejahren rund 30 Prozent ihrer Umsätze ein.

Profiteur der Pandemie sei vor allem der Onlinehandel, der laut HDE allein im vergangenen Jahr seine Umsätze um gut 19 Prozent steigern konnte. Unternehmer im Bereich des Lebensmittelhandels seien ebenfalls kaum von den Einschränkungen betroffen.
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Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisierte bereits im Dezember die 2G-Regelung im Einzelhandel in einem Brief an die Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren Nachfolger Olaf Scholz. Die Regelung sei „unverhältnismäßig und daher rechtswidrig“ und verletze die Berufsfreiheit der Einzelhändler.
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