Wenn schlecht auch gut ist: Sieben schlimme Gewohnheiten, die in Maßen sogar Nutzen bringen

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Gegensätze (Symbolbild) - SNA, 1920, 01.02.2022
Ideale Menschen gibt es nicht, klar. Wir alle haben schlechte Gewohnheiten. Die Sache ist nur, wir sehen das Staubkorn im Auge des anderen, den Balken im eigenen nicht. Selbst wenn man aber solch einen bei sich bemerkt, gibt es eine schöne Nachricht: manche schlechte Gewohnheiten können in Maßen auch gut sein.
Hat etwa Ihre schlechte Gewohnheit den Kampf gegen Sie wieder gewonnen? Keine Gewissensbisse! Es lohnt sich manchmal nicht, deswegen im Stillen mit sich zu hadern. Bei einigen auf den ersten Blick schlechten Gewohnheiten gibt es auch gute Seiten, wie die Wissenschaft bewiesen hat. Hier sind sie:

1. Nicht duschen

Der Mensch verbringt in seinem Leben durchschnittlich etwa 1,5 Jahre im Badezimmer, so das Magazin „Duschenprofis“. Jeder zweite Deutsche (52 Prozent) duscht täglich. Dermatologen raten davon ab, mehrmals täglich oder sehr ausgiebig zu duschen. Die Sache ist, dass wir mit täglicher Seife natürliche Fette von der Haut abwaschen, wodurch sie normalerweise glatt und mit Feuchtigkeit versorgt bleibt. Außerdem berauben wir uns laut Immunologen der nützlichen Bakterien, die uns vor Krankheiten schützen. „Falls Sie nicht täglich ins Schwitzen kommen, empfiehlt es sich daher, nur jeden zweiten Tag zu duschen und ansonsten auf die altbewährte Katzenwäsche auszuweichen“, so die Experten. Wenn Sie also tagsüber nicht geschwitzt und keine Drecksarbeit gemacht haben, können Sie sich die Dusche ersparen oder nur den Intimbereich erfrischen. Aber wenn Sie manchmal einfach nicht die Kraft haben zu duschen, ist das völlig in Ordnung. Dies gilt jedoch nicht für die Zähne, sie müssen ohne Ausreden zweimal täglich geputzt werden.

2. Meckern und Fluchen

Wir neigen dazu, unsere Emotionen zurückzuhalten, besonders in der Öffentlichkeit. Das ist einerseits durchaus verständlich, denn niemand möchte mit einer Person kommunizieren, die ständig andere anschnauzt oder Wutanfälle bekommt. Der Gesundheit tut es aber manchmal gut, sozusagen den Dampf abzulassen. Indem Sie meckern, reduzieren Sie zum Beispiel die negativen Auswirkungen von Stress und Angst. Und das Fluchen soll laut einer anderen Studie aus dem Jahr 2009 sogar Schmerzen lindern können.
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3. Auf einem Stuhl herumzappeln

Einen Lehrer in einer Schule mag es vielleicht auf die Palme bringen, wenn seine Schüler auf ihren Stühlen herumzappeln. Im Erwachsenenleben kann es bei der Arbeit in einem Büro auch etwas komisch aussehen, wenn ein Mitarbeiter unruhig auf seinem Sessel sitzt. Dies wird ja häufig als unhöflich oder als Konzentrationsschwäche wahrgenommen. Eine Studie von britischen Wissenschaftlern, geleitet von Gareth Hagger-Johnson, hat einen möglichen Zusammenhang zwischen der im Sitzen verbrachten Zeit und der Sterblichkeitsrate bei rund 13.000 englischen, schottischen und walisischen Frauen erforscht. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Bewegung im Sitzen positiv auf das Sterblichkeitsrisiko auswirkte, das mit der sitzenden Position in Verbindung gebracht wurde. Bei Frauen, die mehr als sieben Stunden pro Tag im Sitzen verbrachten und sich dabei am wenigsten bewegten, stieg das Sterblichkeitsrisiko um 30 Prozent! Eine andere Studie erwies, dass Herumzappeln dabei hilft, Kalorien zu verbrennen.

4. An Wochenenden in den Federn stecken

Schämen Sie sich nicht, an Wochenenden etwas länger zu schlafen. Morgens in den Federn zu stecken tut gut, besonders wenn Sie an Wochentagen nicht richtig ausschlafen können. Der Schlafmangel erhöht unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Übergewicht. Mit ausreichend Schlaf steigt hingegen die Lebenserwartung, verbessert sich das Gedächtnis und der Stress nimmt ab.
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5. Wein trinken

Über Schädigungen durch überhöhten Alkoholkonsum sind wohl Tausende Tonnen von wissenschaftlichen Materialien verfasst worden. Viel weniger gibt es Berichte über den möglichen Nutzen von mäßigem Konsum der Spirituosen. Ein Forschungsteam von der Universität Malta in Msida hat festgestellt, dass Rotwein besonders reich an spezifischen Polyphenolverbindungen ist, die die biologischen Prozesse von Alzheimer und Parkinson zu verhindern beziehungsweise zu verlangsamen scheinen.
Mehr als 100 Studien zeigen einen umgekehrten Zusammenhang zwischen leichtem bis mäßigem Alkoholkonsum und dem Risiko eines Herzinfarkts, eines ischämischen Schlaganfalls und einiger anderer Erkrankungen, erklärt die Harvard T.H. Chan School of Public Health, eine akademische Struktur der Harvard University. Das Risiko verringere sich zwischen 25 und 40 Prozent. Eine Erhöhung des Alkoholkonsums auf mehr als vier Getränke pro Tag kann jedoch das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfall, Herzinfarkt und Tod erhöhen, hieß es.

6. In den Wolken schweben

Die Prokrastination ist laut einer bei Statista veröffentlichten Umfrage die häufigste schlechte Angewohnheit der Deutschen. 26 Prozent der Befragten gaben zu, dass sie Dinge aufschieben. Damit lag die Aufschieberitis noch vor Bewegungsmangel, Rauchen und schlechter Ernährung. Als eine Art der Prokrastination wird von vielen die Gewohnheit gehalten, ab und zu mal in den Gedanken von der Realität abzuschalten.
Anders genannt heißt es in den Wolken schweben. Laut Forschern verbessert dies aber unsere Fähigkeit, schwierige Probleme zu lösen. Während wir die Aufgabe vergessen und an nichts zu denken scheinen, sucht das Gehirn nach deren Lösungen.
Wissenschaftler stellten dies fest, indem sie eine MRT-Untersuchung durchführten. Wenn die Teilnehmer des Experiments in den Wolken schwebten, aktivierten sich bei denen die Bereiche des Gehirns, die mit dem Lösen von Problemen verbunden sind. Das komischste dabei war, dass dies noch stärker als bei der Arbeit an Routineaufgaben war.

7. Kaffeeliebhaber sein

Zu viel Kaffee zu trinken ist ungesund. Er täuscht Stress vor, reduziert den Serotoninspiegel, steigert die Herzfrequenz, warnt das „Zentrum der Gesundheit“. Ein kontrollierter Koffeinkonsum ist hingegen mit einem reduzierten Risiko für Parkinson verbunden, behauptet der Deutsche Kaffeeverband. Er kann demnach auch das körperliche Leistungsvermögen steigern und das Risiko für erhöhte Leberwerte, Leberzirrhose und Leberzellkrebs vermindern. Ein Harvard-Forscher-Team fand heraus, dass das Getränk auch das Risiko für Typ-2-Diabetes senkt.
Der Pro-Kopf-Verbrauch von Kaffee in Deutschland beträgt laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) rund 162 Liter pro Jahr! Je nach Bohnensorte und Röstung könne der Koffeingehalt variieren, aber es seien rund 90 Milligramm pro Tasse, steht im BMEL-Magazin „Gutes Essen“ (Ausgabe 1/2021) geschrieben. Das mache den Kaffee zum Genussmittel. Dennoch: Bis zu vier Tassen Filterkaffee seien für gesunde Erwachsene unbedenklich.
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