ARD-Talk: Vorfreude auf Olympia in China verderben

© AFP 2022Olympische Winterspiele in Peking 2022
Olympische Winterspiele in Peking 2022 - SNA, 1920, 01.02.2022
Der „Hart aber fair“-Talk am Montag in der ARD war eindeutig darauf gemünzt, Vorfreude auf die Olympischen Winterspiele in Peking zu verderben. Es gab niemanden im Studio, der sich dem Olympia-Bashing widersetzt hätte. IOC-Chef Thomas Bach wurde in der Runde zum Prügelknaben der Nation.
Die Entscheidung, die am Freitag beginnenden Spiele nach Peking zu vergeben, war „falsch“, sagte Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Anlass war selbstverständlich die politische Ordnung in China, die zu den Idealvorstellungen der Unionsparteien in krassem Widerspruch steht. Etwas unlogisch wirkte in dem Zusammenhang eine andere Äußerung des CDU-Politikers: „Und eigentlich hätte das IOC allein schon wegen Covid die Spiele um ein Jahr verschieben müssen.“
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Also „nicht vergeben“ oder nur „verschieben“? Soll sich die politische Ordnung in China etwa in einem Jahr dermaßen grundsätzlich geändert haben, dass sie den Ideal-Vorstellungen der Unionsparteien entsprechen würde?
Hardt war der einzige Politiker in der Talk-Runde. Hätte es jemanden von den Grünen gegeben, wären sicher die ökologischen Aspekte der Spiele gründlicher auseinandergenommen worden. Immerhin deutete schon die Leitfrage der Sendung – „Winter ohne Schnee, Spiele ohne Freiheit: Was soll Olympia in Peking?“ – auf die Öko-Problematik hin.
In der Tat: Die Chinesen hatten extra für die Spiele mit vielen Schneekanonen und für großes Geld eine Winter-Oase in einer Gegend in der Nähe von Peking eingerichtet, wo sonst kaum Schnee fällt. Nachhaltigkeit sieht anders aus. Mangels Grünen-Politiker übernahm der dreifache Olympia-Teilnehmer Christian Neureuther diesen Themenbereich: „Wir haben völlig andere Themen – Klimawandel und Freiheit“, erklärte er. „Wir müssen zu den Werten zurückkommen.“
Schuld daran, dass diese Werte vermeintlich baden gegangen seien, sei der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach. „Er hat den Laden im Griff, aber auf die falsche Weise“, so Neureuther.

"Thomas Bach spielt da komplett mit"

Ziemlich alle in der Runde wollten dem IOC-Chef einen Schubs verpassen. „Das IOC und China haben sich die Hand gegeben“, konstatierte Sportjournalistin Marina Schweizer. Bach habe hauptsächlich nur die geschäftliche Seite der Spiele im Sinn. Ihr Kollege Felix Lee haute in die gleiche Kerbe: Für Chinas Staatsführung seien die Spiele ein grandioses Propaganda-Instrument, und „Thomas Bach spielt da komplett mit“.

„Sport war immer auch ein Politikum, ich hätte mir mehr Einfluss von der Politik gewünscht“, stellte der China-Experte Lee fest. Er hatte immerhin vor zehn Jahren ein Buch mit dem Titel „Der Gewinner der Krise – was der Westen von China lernen kann“ verfasst.

Immerhin: München hätte die Winterspiele 2022 austragen können – nachhaltig, demokratisch, weltoffen. Absolut im Einklang mit den humanistischen Wertevorstellungen der Studio-Gäste von „Hart aber fair“. Wäre Bach anwesend gewesen, hätte er vielleicht dieses Gegenargument ins Feld geführt. Der entsprechende Bürgerentscheid fiel jedoch negativ aus, München hat im Endeffekt gar nicht kandidiert. Selber schuld?
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Und was die geschäftliche Seite der Spiele anbelangt, die dem IOC-Präsidenten angeblich so stark am Herzen liegt – da dürften auch die Unternehmen aus den auf „westliche Wertevorstellungen“ orientierten Länder auf ihre Kosten kommen. Angefangen bei den Schneekanonen, die aus europäischer Produktion stammen. Und die bundesdeutschen öffentlich-rechtlichen Sender werden über die meisten Wettkämpfe auf Teufel komm raus live aus Peking senden.
Übrigens: Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi hatte es ebenfalls nicht an Russland-Bashing gemangelt. Mit dem ersten Startschuss verstummten allerdings die kritischen Stimmen weitgehend: Die internationale Berichterstattung konzentrierte sich ausschließlich auf Sekunden, Tore und Punkte. So haben auch am Ende des „Hart aber fair“-Talks alle Gäste die Zuschauer aufgerufen, die Olympia-Übertragungen nicht zu „boykottieren“, sondern unbedingt einzuschalten und mitzufiebern.
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