„Wir müssen raus aus der Angst“ – Franziska Giffey will Corona-Infizierte im Notfall arbeiten lassen

© REUTERS / POOLDie Bürgermeisterin von Berlin Franziska Giffey spricht während einer Pressekonferenz nach einem Treffen im Kanzleramt in Berlin am 24. Januar 2022 zu den Medien.
Die Bürgermeisterin von Berlin Franziska Giffey spricht während einer Pressekonferenz nach einem Treffen im Kanzleramt in Berlin am 24. Januar 2022 zu den Medien. - SNA, 1920, 31.01.2022
Die Regierende Bürgermeisterin von Berlin, Franziska Giffey (SPD), sorgt mit einer Äußerung für Aufsehen: Sie will, dass symptomfrei Corona-Infizierte in bestimmten Bereichen im Ausnahmefall weiter zur Arbeit kommen. Damit sollen große Personalausfälle in der kritischen Infrastruktur vermieden werden.
„Sollte es in Bereichen der elementarsten Grundversorgung dazu kommen, dass wir den Betrieb mit dem gesunden Personal allein nicht mehr aufrechterhalten können, müssen wir schwerwiegendere Maßnahmen in Betracht ziehen“, sagte Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey am Wochenende den Axel-Springer-Zeitungen. „Dann ist es eine Option, dass Infizierte, die aber keinerlei Symptome haben, in bestimmten Bereichen im Ausnahmefall weiter zur Arbeit kommen.“
Das müsste aus Ihrer Sicht aber nur unter strengen Schutzmaßnahmen erfolgen. „Wer im Wasserwerk allein eine Maschine bedient, wer bei der Feuerwehr einen Brand löscht, kann das auch ohne größere Probleme mit symptomfreier Corona-Infektion tun“, fügte die SPD Politikerin hinzu. Anders sehe es bei Menschen aus, die im Krankenhaus oder in der Pflege mit Patienten zu tun hätten.
Bundesagentur für Arbeit (Archivfoto) - SNA, 1920, 31.01.2022
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Die Maßnahme sollte Personalausfälle ausgleichen. Aktuell gebe es in Berlin einen Personalausfall von durchschnittlich 15 Prozent, so Giffey. Die Stadt sei auf einen Personalausfall von bis zu 30 Prozent vorbereitet.
Inzwischen hat Berlin den höchsten Inzidenz-Wert aller Bundesländer. In den vergangenen sieben Tagen infizierten sich nach RKI-Daten rund 1820 von 100.000 Menschen. Die Hospitalisierungsrate bleibt am Montag unverändert und lag bei 19,9 pro 100.000 Menschen. Dabei sind nur 18,7 Prozent der Berliner Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt.

Corona bald wie Grippe?

„Die Omikron-Welle lehrt uns gerade, wie wir das öffentliche Leben trotz hoher Infektionszahlen, soweit es geht, aufrechterhalten“, sagte Giffey weiter. Man müsste im Moment mit keinen weiteren Verschärfungen, aber auch mit keinen Lockerungen rechnen. Sobald der Höhepunkt der Welle überschritten sei, müsse die Phase des Zurückkehrens in die Normalität beginnen.
„Das Coronavirus wird bleiben, aber es wird händelbar werden, so wie zum Beispiel das Grippevirus. Der Satz: ‚Ich habe Corona’ wird dann so klingen wie heute der Satz: ‚Mich hat ein grippaler Infekt erwischt.’ Bei aller Vorsicht, die jetzt noch notwendig ist, müssen wir irgendwann auch raus aus der Angst.“
Aktuell wird die Bürgermeisterin für ihren Vorstoß mit den asymptomatisch Infizierten auf Twitter kritisiert. „Frau Giffey redet so, als hätte sie sich einen Doktortitel in Medizin ergaunert, dabei war es doch einer in Politikwissenschaft“, schrieb der deutsche Publizist und Videomacher Mario Sixtus auf Twitter.
„Liebe Frau Giffey: Nein. Einfach nein. Feuerwehrleute arbeiten und leben untrennbar als Team in Wachen und auf Fahrzeugen“, protestierte seinerseits der Notfallsanitäter Björn Ziemen. Auch die Berliner Feuerwehr sei ein Rettungsdienst, schreiber, und die Feuerwehrleute hätten täglich mit Risikopatienten zu tun, mindestens im First-Responder-Einsatz.
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