Corona-Protest in Leipzig eskaliert – Dutzende Demonstranten stürmen auf Uniklinik-Gelände

© AFP 2022 / StringerCorona-Demo in Deutschland
Corona-Demo in Deutschland  - SNA, 1920, 31.01.2022
Immer mehr Gegner der Corona-Maßnahmen in Deutschland tragen neuerdings ihre Wut in Form von Protesten auf die Straße. Auch am vergangenen Wochenende ist bundesweit demonstriert worden – bis hin zu gewaltsamen Zusammenstößen mit der Polizei. In Leipzig drangen Dutzende Protestierende in das Gelände des Universitätsklinikums (UKL) ein.
Demnach sind mehr als 50 Gegner der Corona-Maßnahmen in Leipzig bei einem als „Spaziergang“ deklarierten Protestmarsch auf ein Gelände der Uniklinik gestürmt. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hatte der Protestzug von „mehreren Hundert“ Menschen am Samstagnachmittag nahe dem Völkerschlachtdenkmal begonnen und war in der Nähe der Klinik für Psychiatrie von der Polizei gestoppt worden.
Dort seien Dutzende in das Gelände der zur UKL gehörenden Psychiatrieklinik eingedrungen. Offenbar in der Hoffnung, den Polizeikessel zu umgehen. Auf Twitter machen derzeit mehrere Aufnahmen der Ausschreitungen die Runde.
Zu sehen ist darauf, wie einige Polizisten am Tor des Uniklinikums versuchen, die Menge zurückzuhalten. Als der Aufzug von der Polizei eingekesselt wurde, durchbrach ein Teil der Menge die Polizeikette und drängte auf die Einfahrt der Klinik zu. Einer Polizeisprecherin zufolge stellte die Polizei die Identität der Eingedrungenen für mögliche strafrechtliche Ermittlungen fest. Die restlichen Demonstranten habe man nach einer Identitätskontrolle wieder gehen lassen.
Wie die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet, ermittelt die Leipziger Polizei nun gegen mehr als 50 Personen. Demnach hatten sich rund 300 Menschen am Leipziger Völkerschlachtdenkmal versammelt.
Laut der Polizei Sachsen wurden Ermittlungen aufgrund des Eindringens in das Klinikgelände wegen des Verdachts des Land- und Hausfriedensbruchs eingeleitet. Als weitere Gründe sind „Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und die Sächsische Corona-Notfallverordnung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und Sachbeschädigung“ angeführt.
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Klinikum-Personal fordert Konsequenzen für Protestler

Der Medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig, Christoph Josten, hat das Eindringen von Demonstranten auf das Gelände der Psychiatrie verurteilt. Wie er gegenüber dem MDR erklärte, man ist „entrüstet“ und „erschrocken“ über den Vorfall. Die Demonstranten, die Unrechtmäßiges begangen hätten, sollten mit der gesamten Härte der Gesetzgebung konfrontiert werden, so der UKL-Vorstand.
Zum Glück seien Patienten und Mitarbeiterinnen mit einem Schrecken davongekommen. In persönlichen Gesprächen wolle man das Geschehen aufarbeiten. Die Demonstranten, die Unrechtmäßiges begangen hätten, sollten mit der gesamten Härte der Gesetzgebung konfrontiert werden, verlangte Josten.
Auch der Präsident der Sächsischen Landesärztekammer, Erik Bodendieck, zeigte sich über die Ausschreitung entsetzt. Der Vorgang habe nichts mehr mit Protest gegen oder für etwas zu tun, schrieb Bodendieck auf der Twitter-Seite der Ärztekammer.
Er zeige im Gegensatz die Absurdität des Verhaltens der Demonstranten und insbesondere derer, die zu diesen Protesten aufriefen. Bodendieck sprach von einer massiven Grenzüberschreitung, die nicht toleriert werden dürfe, und forderte, dass medizinische Einrichtungen „geschützte Bereiche“ bleiben müssten.

Kritik in sozialen Medien

Die meisten Twitter-Nutzer zeigten sich wegen des Verhaltens der Demonstranten empört. So schrieb eine Person, das sei „kein legitimer Protest mehr“. Die Menschen im Krankenhaus hätten psychische Probleme, „werden u. U. weiter traumatisiert“. Vor diesem Hintergrund hoffe er „auf hohen juristischen Denkzettel“.
Auch ein weiterer Twitter-User brachte den Protestlern kein Verständnis entgegen. Ihm zufolge sind diese Menschen „Straftäter“ – nicht „das Volk“:
Viele Nutzer schrieben von ihrer „Abscheu“, wenn sie an die im Klinikum stationär untergebrachten Menschen und das medizinische Personal denken müssten. Eine Person etwa konnte sich in die Lage der Patienten hineinversetzen und brachte ihr Mitleid ihnen gegenüber zum Ausdruck:

„Als ich damals stationär wegen einer Psychose behandelt worden bin, hätte mich das sehr beunruhigt und meine Psychose und Verfolgungswahn nur noch bestärkt.“

Impfgegner (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.01.2022
Rekordwert politisch motivierter Straftaten – Corona-Proteste spielen wesentliche Rolle
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