So greift der Mensch in seine eigene Evolution ein

© SNADer Evolutionsbiologe Axel Lange im Interview mit SNA
Der Evolutionsbiologe Axel Lange im Interview mit SNA  - SNA, 1920, 29.01.2022
Hat die Evolution den Menschen als intelligentes Wesen ausreichend dafür gerüstet, die Zukunft für ein würdiges Leben der eigenen Kinder und Enkel und für den Erhalt der Erde zu steuern? Der Evolutionsbiologe Axel Lange hat darüber ein Buch geschrieben. Im Interview mit SNA gibt er Antworten.
„Von künstlicher Biologie zu künstlicher Intelligenz – und dann?“ So heißt das neue Buch von Axel Lange. Darin geht es um die „kulturelle Evolution“, erklärt er im Interview mit SNA:
„Kulturelle Evolution ist das, was wir machen, zum Beispiel mit CRISPR, aber auch mit der Umweltverschmutzung und mit dem Flug zum Mars oder mit dem Klimawandel. Das sind kulturelle Maßnahmen, die unser Jahrhundert, das letzte und das nächste bestimmen und natürlich unsere Zukunft formen. Wir greifen mit diesen Maßnahmen in unsere eigene Evolution ein. Wir beeinflussen unsere Evolution.“
Lange erwartet, dass die Menschheit auch in ihr Genom eingreifen wird. CRISPR (Clustered Regularly Interspaced Short Palindromic Repeats) / Cas9 (CRISPR-associated) ist eine neue molekularbiologische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und anschließend zu verändern. Auf diese Weise können einzelne Gene, genauer DNA-Bausteine, umgeschrieben oder „editiert“ werden. Er rechnet damit, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft unser Genom umbauen. „Ob die Deutschen das machen, ist vielleicht nicht so wahrscheinlich. Dann werden es die Koreaner oder die Chinesen oder irgendwer machen. Aber das kommt irgendwann“, sagt der Autor.
Professor Karl Hecht - SNA, 1920, 11.09.2021
„Ein Verbrechen an den Menschen“ – Berliner Professor über Transhumanismus
Das Buch befasst sich in elf Kapiteln mit elf Themen aus technischer Medizin und technischer und biologischer Entwicklung. Der Autor sagt hier fantastische Fortschritte voraus. Die Menschheit werde sich selbst helfen können. Ob diese Hilfen und Entwicklungen allerdings dem Erhalt und dem Vorteil der Art Homo Sapiens dienen wird, „ist ganz kritisch zu hinterfragen.“ Er kritisiert:
„Die Ziele des Menschen sind nicht der Erhalt unserer Art, die Ziele des Menschen sind Gewinnorientierung, Marktmacht und derlei Argumente, nicht die evolutionäre Fitness. Das steht völlig im Hintergrund. Es stehen andere Dinge im Vordergrund und das verschiebt den evolutionären Prozess. Es gibt Dutzende, wenn nicht Hunderte von Zielkonflikten, die einem geradlinigen Fortschritt, einen Einigungsprozess in vielen Fragen im Wege stehen. Und es gibt evolutionäre Widersprüche in unserem Denken, dass wir uns so verhalten, wie wir uns eigentlich verhalten sollten.“
Das Buch „Von künstlicher Biologie zu künstlicher Intelligenz – und dann?“ von Dr. Axel Lange ist im Springer Verlag erschienen.
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