Ukraine-Situation: Neue US-Sanktionen zielen auf Schwächung russischen Industriepotenzials ab

© REUTERS / GLEB GARANICHUS-amerikanische Botschaft in Kiew, Ukraine
US-amerikanische Botschaft in Kiew, Ukraine - SNA, 1920, 29.01.2022
Für den Fall eines angeblichen Einmarsches Russlands in die Ukraine ziehen die USA verschiedene Sanktionsoptionen in Erwägung. Durch die von der Biden-Administration erarbeiteten Maßnahmen soll laut dem nationalen Sicherheitsbeamten des Weißen Hauses, Peter Harrell, insbesondere die russische Industriekapazität heruntergefahren werden.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf Harrell berichtet, würden „normale russische Bürger“ nicht von den Sanktionen betroffen sein – vielmehr zielten die Strafmaßnahmen auf Industriesektoren ab. Aber auch bestimmte „Schlüsselpersonen“ würden sich mit „massiven Sanktionen“ konfrontiert sehen, so Harrell am Freitag.
Konkret bestehe die Absicht darin, Maßnahmen zu ergreifen, die die industrielle Fähigkeit und Produktionskapazität Russlands im Laufe der Zeit beeinträchtigen würden. Dem Beamten zufolge sind die Vereinigten Staaten bereit, nach einer „Invasion“ in die Ukraine den großen russischen Finanzinstituten „lähmende finanzielle Kosten aufzuerlegen“ sowie eine Reihe von „weitreichenden Exportkontrollen zu verhängen“, die die russische Industriekapazität mittel- und langfristig schwächen würden.
Demnach würde das US-Finanzministerium „im Fall der Fälle“ ausgewählte russische Banken auf eine entsprechende Sanktionsliste setzen und damit amerikanischen Institutionen sowie Personen die Zusammenarbeit mit ihnen untersagen. Da ein so großer Teil des internationalen Handels mit dem US-Bankensystem verbunden sei, wären diese Banken faktisch auch international abgeschnitten, schreibt „The New York Times“.

Von US-Maßnahmen betroffene russische Branchen

Die zweifache Strategie umfasse, so Harrell, Finanzsanktionen gegen große russische Finanzinstitute, um eine „Kapitalflucht und Inflation“ auszulösen sowie die russische Zentralbank dazu zu bringen, den anderen Banken finanzielle Hilfe bereitzustellen, „damit Putin die Kosten am ersten Tag spürt“, erklärte der Beamte.
Harrell zählte laut Reuters nicht alle betroffenen Sektoren detailliert auf. Andere Quellen des Weißen Hauses haben jedoch die Luftfahrt, Seefahrt, Robotik, künstliche Intelligenz, Quantencomputer und Verteidigung in diesem Zusammenhang erwähnt.
Eine mit der Angelegenheit vertraute Person schilderte der Nachrichtenagentur am Donnerstag, der Fokus liege auf „strategischen Sektoren“, die für die russische Regierung von Bedeutung seien. Auf die Frage nach dem russischen Öl- und Gassektor erwiderte die Person, dass die Maßnahmen noch nicht endgültig beschlossen seien.
Harrell geht davon aus, dass sich die Europäische Union (EU) den USA bei den diskutierten Sanktionen anschließen würde, sollte Russland „in die Ukraine einmarschieren“.
Flagge der Europäischen Union - SNA, 1920, 26.01.2022
EU erwägt neue Sanktionen gegen Russland auch ohne „Invasion“ – ist aber uneins

Spannungen zwischen Russland und dem Westen

Die Beziehungen zwischen den westlichen Ländern und Russland bleiben hinsichtlich der Ukraine angespannt. Der Westen äußert die Befürchtung eines Einmarsches seitens Russlands in das Nachbarland und droht Moskau seitdem mit schwerwiegenden Konsequenzen.
Russland wies die Vorwürfe des Westens und der Ukraine wiederholt zurück und betonte, dass sie dazu benutzt würden, um Truppen und Waffen aus Nato-Ländern in der Nähe der russischen Grenze zu stationieren. Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte mehrmals, dass Russland seine Truppen auf dem eigenen Territorium nach Belieben verlegen dürfe.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала