Experten: Kein schneller Ersatz für russisches Gas in Deutschland

© SNA / Iwan Rudnew / Zur BilddatenbankGasverdichterstation (Symbolbild)
Gasverdichterstation (Symbolbild) - SNA, 1920, 29.01.2022
Im Falle eines Lieferstopps aus Russland könnte Deutschland Experten zufolge kaum ausreichend Ersatz für russisches Erdgas und andere Energieträger am Weltmarkt bekommen. Wie die „Welt“ unter Berufung auf Energieexperten berichtet, gibt es weder in der Industrie noch bei der Hausheizung kurzfristige Ersatzmöglichkeiten.
Nach Informationen der Zeitung importiert Deutschland nicht nur Erdgas, sondern auch Öl und Kohle aus Russland: „Kraftwerken, Fabriken und Hausheizungen droht bei einem Lieferstopp der Stillstand.“
Gascade-Verdichterstation in Eischleben - SNA, 1920, 20.01.2022
„Keine Reserven“: Norwegen könnte russisches Gas nicht ersetzen
Laut Daten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hat Russland einen Anteil von 34 Prozent an den deutschen Erdöl-Importen. Bezogen auf den deutschen Verbrauch betrug der Anteil russischer Erdgas-Lieferungen knapp über 50 Prozent. Die Steinkohlen-Importe stammten zu 45 Prozent aus Russland.
„Energierohstoffe in dieser Größenordnung lassen sich nicht kurzfristig substituieren“, sagte BGR-Energieexperte Martin Pein. „Eine Marktstellung, wie sie Russland bei Kohle, Gas und Öl hat, schnell und vollständig zu ersetzen ist äußerst schwierig bis unmöglich.“
Hubertus Bardt, Leiter Wissenschaft des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln), pflichtete bei: „Die Möglichkeiten der Substitution von Gas durch andere Energieträger sind beschränkt.“ Das sei bestenfalls in kleinen Teilen der Stromproduktion möglich.
„Das Potenzial, Gas- durch Kohlekraftwerke zu ersetzen, dürfte unter zehn Prozent des Gasverbrauchs liegen“, so der IW-Wissenschaftler. „In der Industrie gibt es praktisch keine nennenswerte kurzfristige Ersatzmöglichkeit, bei der Hausheizung auch nicht.“
In der vergangenen Woche hatte Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Store deutlich gemacht, dass sein Land nicht mit Gaslieferungen einspringen könnte, wenn etwa die Ostseepipeline Nord Stream 2 scheitern sollte. Norwegen decke bereits ein Drittel des deutschen Gasbedarfs und habe keine Reserven mehr, um etwaige Ausfälle von russischen Lieferungen auszugleichen.
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