„Hat Olaf Scholz Sie zurückgepfiffen?“ – Karl Lauterbachs neue Rolle beim TV-Talk

© AP Photo / Michael SohnDer Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach
Der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach - SNA, 1920, 28.01.2022
Seit Karl Lauterbach den ersehnten Ministerposten ergattert hat, erleben die TV-Zuschauer den SPD-Gesundheitspolitiker und Talk-Stammgast in einer neuen Rolle: Knapp zwei Jahre lang hatte man ihn als Besserwisser in Sachen Corona gesehen, jetzt muss er mehr als Prügelknabe auftreten. Diesmal war es bei „Maybrit Illner“ im ZDF der Fall.
Mag sein, dass der neue Bundesgesundheitsminister mittlerweile seinen Vorgänger Jens Spahn beneidet und sein früheres ehrgeiziges Ziel verdammt, einmal Minister zu werden. Mag ebenso sein, dass Lauterbach schon bald Spahns berühmten Satz wiederholen wird: „Eines Tages werden wir einander vieles verzeihen müssen.“

Lauterbachs "Kommunikationsfehlleistung" und sonstige Pannen

Bereits am Donnerstag musste er beim „Maybrit Illner“-Talk im ZDF seine Fehler einräumen. Etwa seine „Kommunikationsfehlleistung“ bei dem Genesenen-Status, dessen bereits beschlossene sechsmonatige Laufzeit auf RKI-Beschluss über Nacht auf drei Monate gekürzt wurde. „Ich räume ein, dass man das besser kommunizieren könnte“, so der Minister wörtlich.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach - SNA, 1920, 22.12.2021
„Werde weiterhin Mahner bleiben“: Lauterbach hält vierte Corona-Impfung für unausweichlich
Der Beschluss sei „ein oder zwei oder drei Tage früher auf die Seite des Robert-Koch-Instituts gekommen, als ich mir gewünscht hätte“, gestand Lauterbach in der Talk-Runde. Er finde diese Entscheidung dennoch richtig, auch wenn diese der bereits beschlossenen EU-Norm widerspricht, wonach der Genesenen-Status im Reiseverkehr auf sechs Monate festgelegt ist.
Für den CDU-Politiker Thorsten Frei war dies willkommener Anlass, den bis vor kurzem so populären Corona-Experten vor Millionen Zuschauern vom Sockel zu holen. „Das ist nicht nur eine Kommunikationspanne, sondern auch etwas, was Vertrauen zerstört, weil Menschen von einem Tag auf den anderen vor völlig neue Situationen gestellt werden“, beschämte er den politischen Konkurrenten. Als Folge dieser „Panne“ mussten nämlich viele Leute auf ihre Reisepläne verzichten.
Verantworten muss Lauterbach nun ebenfalls, dass die PCR-Tests auf einmal nicht ausreichen. Wieder musste sich der Minister winden: Die Schnelltests als Alternative, die der Politiker vor einigen Monaten als unzuverlässig madig gemacht hatte, nahm er nun in Schutz: „Man darf sie jetzt nicht kaputtreden.“ „Ganz so schlecht sind die Schnelltests nicht“, erklärte er. Und fügte gleich – nahezu kabarettreif – hinzu: „Eigentlich sind sie auch sehr gut.“

"Olaf Scholz hat mich nicht zurückgepfiffen"

Die Moderatorin ließ sich nicht die Freude nehmen, ihren Stammgast mal zu sticheln: Wieso habe er als Gesundheitsminister keinen eigenen Antrag zum Thema Impfpflicht eingebracht, wollte sie wissen.

„Da gibt es die schöne These, dass Olaf Scholz Sie zurückgepfiffen hat“, so Maybrit Illner.

„Olaf Scholz hat mich nicht zurückgepfiffen“, wehrte sich Lauterbach. „Er hat mich bisher nirgendwo zurückgepfiffen (…) Ich habe erwogen, einen Vorschlag zur Impfpflicht zu machen, habe mich aber dagegen entschieden. Aus Glaubwürdigkeitsgründen.“
Dass das Thema allgemeine Impfpflicht langsam zu einem Spaltpilz in der Ampel-Koalition zu werden droht, wurde in der Talk-Runde spürbar. So äußerte sich die frühere FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg „fürs Impfen, aber gegen eine Impfpflicht“. Als Liberale pochte sie erwartungsgemäß auf die Bürgerrechte: „Wir brauchen nachvollziehbare Begründungen für Grundrechtseingriffe.“
Ein Impfzentrum in Wien (Archivbild) - SNA, 1920, 26.01.2022
Umfrage: Impfpflicht trägt zur Spaltung der Gesellschaft bei
Rückendeckung bekam Lauterbach allerdings vom Immunologen Carsten Watzl, der nach eigenen Worten früher gegen eine allgemeine Impfpflicht gewesen sei, jetzt aber dafür. Vor allem eine Impflücke bei der 60-plus-Bevölkerung mache ihm Sorgen. „Sonst bekommen wir im nächsten Winter neue Probleme", mahnte der Professor.
Mit dieser Äußerung hat er sicherlich recht vielen Zuschauern die Hoffnung genommen, im Winter 2022/23 nichts mehr von Corona hören und sich keine weiteren Corona-Talks mit Stargast Lauterbach anschauen zu müssen. Es sei denn, Deutschland hat in einem Jahr einen anderen Gesundheitsminister.
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