Pandemie als Libido-Killer: Wenn Sex keinen Spaß mehr macht

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Paar im Bett (Symbolbild) - SNA, 1920, 28.01.2022
Laut Studien aus verschiedenen Ländern verlieren viele Menschen während der Covid-19-Pandemie ihre Lust am Sex, der in Krisenzeiten zunehmend seltener wird. Eine Erklärung dafür sind die Lockdowns und die gestiegene Ängstlichkeit. Auch die Geburtenraten sind folgerichtig merklich gesunken - doch nicht überall.

Corona und Sex

„Beeinflusst die Pandemie das Sexleben?“- diese Frage stellten Forscher aus Rumänien. Sie fanden 64 Studien zu diesem Thema aus verschiedenen Ländern, allerdings waren nur sieben davon aussagekräftig genug – aus den USA, Großbritannien, China und der Türkei. Die Ergebnisse stimmen weniger optimistisch. Die Mehrheit der fast 7000 Befragten sprach von einer nachlassenden sexuellen Aktivität, was um das 4,4-fache weniger sei als vor der Corona-Pandemie, so die Forscher.
In der Türkei beteiligten sich 1356 Personen im Juni 2020 an einer Online-Umfrage. Viele beklagten einen verminderten Sexualtrieb. Am stärksten sind Singles, Raucher, Kinderlose, Arbeitslose und jene mit einem ständigen Partner davon betroffen. Vor allem in Großstädten machte sich sexuelle Unlust breit, was wohl mit den strengeren Corona-Maßnahmen und hohen Infektionszahlen verbunden ist.
Vor der Pandemie hatten die Menschen statistisch gesehen 1,8 Mal pro Woche Sex, jetzt sind es 1,3 Mal. Dafür wird jetzt häufiger masturbiert. Womöglich spielt die Angst, sich beim Geschlechtsverkehr mit dem Corona-Virus anzustecken, dabei eine Rolle, vermuten die Forscher.
Ein Liebespaar (Symbolbild) - SNA, 1920, 27.01.2022
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Ein indirekter Hinweis auf die Sexflaute ist die Krise bei den Kondomherstellern. Bei Karex sanken die Verkaufszahlen um 40 Prozent. Auch andere Marktakteure beklagen einen Einnahmenrückgang. Ein Grund sind sicherlich die deutlich geringeren Bestellungen von Behörden und gemeinnützigen Organisationen. Darüber hinaus gibt es wegen des Lockdowns nun weniger Anlässe, Verhütungsmittel zu benutzen.
Ähnliche Daten kommen aus Luxemburg. Die Pandemie hat offenbar das Leben in einem der weltweit erfolgreichsten Staaten, in dem zudem viele Ausländer leben, maßgeblich verändert. Wahrscheinlich sorgte die Angst vor einer Corona-Infektion für mehr Ängstlichkeit und Depressionen. Viele der 556 Befragten im Winter 2021 sprachen von seltener gewordenem Geschlechtsverkehr und verminderter sexueller Lust. Etwas besser war die Situation bei Paaren.
Während der Epidemien sind häufig mentale Störungen, Ängstlichkeit und depressive Symptome zu beobachten. Das ist eine physiologische Reaktion auf die Instabilität. Der angeborene Überlebensinstinkt ist stärker als der Wunsch nach Fortpflanzung. Es ist nicht erstaunlich, dass die Sexualität während der Pandemie eher eine untergeordnete Rolle spielt. Auch die Lebensqualität leidet darunter. Allerdings werde wieder Normalität einkehren, wenn die Corona-Gefahr vorbei sei, so die Forscher.
Bus in China (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.01.2022
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Demografische Lücke und unerwarteter Babyboom

Turbulente Zeiten führen oft zum Rückgang der Geburtenrate. So war es bei der Spanischen Grippe von 1918 bis 1920, bei der Großen Depression in den USA und der globalen Wirtschaftskrise 2008. Jetzt ist die Situation ähnlich.
In den vergangenen zwei Jahren kamen in vielen Industrieländern tatsächlich weniger Kinder zur Welt, wie die Verfasser des UNFPA-Berichts herausgefunden haben. Am stärksten ist ein Rückgang in Frankreich, Belgien, Italien und Spanien zu erkennen.
Doch dieser Effekt sei kurzfristig und zeitweilig, heißt es. Der Rückgang fiel auf den Winter 2021, dann gingen die Zahlen rasant nach oben. Jetzt ist sogar ein Aufwärtstrend zu erwarten. Eine Ausnahme ist Portugal, wo der Rückgang noch nicht überwunden wurde.
In den USA sind die Geburtenzahlen seit vielen Jahren schlecht, die Pandemie sorgte für eine weitere Verschlechterung. Der Rückgang in Ländern wie Brasilien ist möglicherweise mit der Verzögerung bei der Anmeldung Neugeborener verbunden.
Lackstiefel - SNA, 1920, 20.01.2022
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In ärmeren afrikanischen Ländern steigt hingegen die Geburtenzahl, aber in der Regel aufgrund ungeplanter Schwangerschaften, auch bei vielen Teenagern. Malawi verzeichnete einen Anstieg von elf Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Einer der Faktoren - Ausfälle bei der medizinischen Versorgung der Frauen.
Die nördlichen Länder Europas wie Dänemark, Norwegen und Finnland erleben sogar einen wahren Babyboom. In Irland kamen im zweiten Quartal 2021 ca. 16,5 Prozent mehr Kinder zur Welt als gewöhnlich, in Finnland lag der Anstieg bei sieben Prozent.
Die Geburtenrate hängt von vielen Faktoren ab: Wirtschaft, Politik, Bildungsniveau. Während instabiler Zeiten neigen die Menschen eher nicht zur Fortpflanzung. Deswegen war der Babyboom in Nordeuropa eine Überraschung für die Wissenschaftler. Eine Erklärung könnte dafür sein, dass die Corona-Epidemie dort weniger ausgeprägt ist als im Süden und die staatliche Unterstützung für Eltern größer ist. Erziehungsurlaub wird bezahlt, Home-Office ist erlaubt, wodurch Job und Familie besser koordiniert werden können.
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