Mehrheit der Deutschen rechnet mit Gas-Lieferengpässen wegen Ukraine-Situation – Forsa-Umfrage

© SNA / Alexej Witwizki / Zur BilddatenbankVerdichterstation Sayda (Deutschland) an der Pipeline Gazela, über die russisches Gas weiter nach Tschechien gepumpt wird (Archivbild)
Verdichterstation Sayda (Deutschland) an der Pipeline Gazela, über die russisches Gas weiter nach Tschechien gepumpt wird (Archivbild) - SNA, 1920, 28.01.2022
In den aktuellen Spannungen zwischen Moskau und dem Westen wegen der Ukraine sieht fast die Hälfte der Deutschen laut einer Forsa-Umfrage den größten Teil der Verantwortung bei Russland. Die meisten Befragten befürchten vor diesem Hintergrund Engpässe bei der Lieferung von russischem Gas.
Laut der Umfrage, deren Daten vom 25. bis 26. Januar vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von RTL Deutschland erhoben wurden, gaben 37 Prozent der Deutschen an, sie seien wegen der Spannung um die Ukraine „sehr beunruhigt“. 50 Prozent sind hingegen „etwas beunruhigt“. Überhaupt nicht beunruhigt sind zwölf Prozent.
Die Entscheidung der Bundesregierung, keine Waffen an die Ukraine zu liefern, hält eine Mehrheit der Deutschen für richtig. Nur 22 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass die Bundesregierung ihre ablehnende Haltung aufgeben und die Ukraine mit Waffenlieferungen unterstützen sollte. Eine deutliche Mehrheit von 69 Prozent spricht sich gegen Waffenlieferungen an die Ukraine aus.
Die meisten Befragten – nämlich 61 Prozent – glauben, dass es infolge des Konflikts zwischen der Ukraine und Russland zu Engpässen bei der Lieferung von russischem Gas nach Deutschland kommen wird. 33 Prozent rechnen hingegen nicht mit Lieferengpässen.

Die meisten Deutschen gegen Verschärfung der Sanktionen

Mit Blick auf eine mögliche Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ergibt sich ein geteiltes Bild: 35 Prozent der Deutschen sind dafür, die Wirtschaftssanktionen gegen Russland auch dann zu verschärfen, wenn dies zu einer Erhöhung der Energiepreise führt. Sechs Prozent unterstützen die Wirtschaftssanktionen – allerdings nicht, wenn dies eine Erhöhung der Energiepreise mit sich bringt. 46 Prozent sind generell gegen eine Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland.
Für eine Verschärfung, auch wenn dies zu einer Erhöhung der Energiepreise führt, sind mit 60 Prozent mehrheitlich nur die Anhänger der Grünen. Unter den Anhängern der SPD sagen dies 42 Prozent, unter denen der FDP 38 und unter den Anhängern der Union 39 Prozent. Die Anhänger der Linken sind zu 26 Prozent für Sanktionen, auch wenn diese zu einer Erhöhung der Energiepreise führen. Unter den AfD-Anhängern sagen dies nur fünf Prozent. Von ihnen sind 83 Prozent generell gegen eine Verschärfung der Strafmaßnahmen.
Unter den Ostdeutschen lehnen 72 Prozent eine Verschärfung der Sanktionen ab, unter den Westdeutschen sind es 41 Prozent. 18 Prozent der Ostdeutschen sind auf jeden Fall für Sanktionen, sechs Prozent nur, wenn dies nicht zu einer Erhöhung der Energiepreise führt. Bei den Westdeutschen sind 38 Prozent in jedem Fall für eine Verschärfung der Strafmaßnahmen und ebenfalls sechsProzent eingeschränkt.

Mehrheit für Inbetriebnahme von Nord Stream 2

51 Prozent der Deutschen finden, dass die Ostseepipeline Nord Stream 2 wie geplant in Betrieb gehen sollte. 41 Prozent wiederum sind der Meinung, dass die Gasleitung zumindest vorerst nicht in Betrieb genommen werden sollte.
Insbesondere die Anhänger von FDP (53 Prozent), Linkspartei (52 Prozent) und der AfD (93 Prozent) denken, dass Nord Stream 2 wie geplant in Betrieb gehen sollte.
Für eine zumindest vorübergehende Aussetzung der Inbetriebnahme plädiert eine knappe Mehrheit der SPD- und der Unionsanhänger sowie eine deutliche Mehrheit der Grünen-Anhänger. Dies sind bei den SPD-Anhängern 55 Prozent, bei den Grünen 67 und bei den Unionsanhängern 53 Prozent.
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Ost und West bei Zuteilung der Verantwortung nicht einig

Den größten Teil der Verantwortung für die aktuellen Spannungen wegen der Ukraine trägt nach Meinung von 47 Prozent der Deutschen Russland. Zehn Prozent sehen die Hauptverantwortung bei der Nato, fünf Prozent bei den USA und ein Prozent bei der Ukraine. 28 Prozent finden, dass alle gleichermaßen dafür Verantwortung tragen.
Ein klarer Unterschied lässt sich hier zwischen West und Ost erkennen. So sieht die Hälfte der Westdeutschen – aber nur 27 Prozent der Ostdeutschen – die Hauptverantwortung bei Russland. Die Anhänger der AfD-Partei meinen mit 40 Prozent am häufigsten, dass die Nato den größten Teil der Verantwortung für den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland trage.
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