Olympia: Strenge Abschottung und politische Spannungen

© SNA / Anna Ratkoglo / Zur BilddatenbankOlympische Winterspiele in Peking 2022
Olympische Winterspiele in Peking 2022 - SNA, 1920, 27.01.2022
Am Freitag werden die Olympischen Winterspiele von Peking eröffnet, die Wettkämpfe beginnen am 4. Februar. Während erste Athleten die Olympischen Dörfer beziehen, lassen die internationalen politischen Spannungen nicht nach.
Am Donnerstag werden die olympischen Dörfer für die Winterspiele in Peking eröffnet und über 360 Athleten und Teammitglieder aus mehr als 20 Ländern beziehen ihre Unterkünfte. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, gleichen die Olympischen Dörfer und die jeweiligen Austragungsorte der Wettbewerbe Hochsicherheitszonen, in denen Sportler und Betreuer hermetisch abgeriegelt werden. Die Maßnahme ist Teil von Chinas strikter Strategie in der Pandemiebekämpfung.
Auf die strengen Auflagen reagieren die Sportler unterschiedlich. So hält Moritz Müller, Kapitän des deutschen Eishockey-Teams Bedenken wegen der strikten Corona-Regeln für überzogen. „Klar, wir dürfen das Olympische Dorf nicht verlassen, das ist richtig. Das habe ich aber auch nicht erwartet“, so der 35-Jährige. Strenge Corona-Bedingungen habe er im Frühjahr bei der Weltmeisterschaft in Riga erlebt. „Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es strenger als in Lettland ist. Das geht ja auch gar nicht.“
Olympische Winterspiele in Peking  - SNA, 1920, 19.01.2022
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Was verschiedene Athleten gemeinsam haben, ist die Sorge, kurz vor den Wettkämpfen doch noch positiv auf das Coronavirus getestet zu werden, womöglich falsch positiv. „Man hat natürlich immer die Sorge, dass ein falsches Ergebnis kommt“, bestätigt Müller. „Es wäre jetzt eine Lüge, wenn ich sagen würde, ich hätte keine Angst oder keinen Respekt davor, irgendwie positiv getestet zu werden, wenn es auch falsch positiv ist“, sagte auch Alpin-Ass Linus Straßer gegenüber RTL/ntv. Straßer stört sich auch daran, wie viele Daten ein Sportler hochladen muss, um für Olympia freigeschaltet zu werden.
„Es ist natürlich krass, was wir alles für Auflagen haben und was die alles wollen. Es gibt ja extra diese Olympia-App, wo wir gefühlt unser halbes Leben hochladen müssen. Wo man sich denkt, was genau hat das jetzt mit dem Leistungssport oder mit Olympia zu tun. Die sind da knallhart.“

Wenn Sport und Politik vermischt werden

„Politik hat im Sport nichts verloren“ – ein oft und gerne wiederholtes Credo, das auch im Regelwerk des IOC Ausdruck findet, welches das Zeigen politischer Gesten und Symbole im Wettkampf untersagt. Doch die Geschichte zeigt, dass dieser Vorsatz immer wieder durch einzelne Sportler, Nationen oder ganze Gruppen von Ländern aktuellen politischen Entwicklungen zum Opfer gebracht wurde. Seien es die erhobenen Fäuste der US-amerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos gegen die Diskriminierung von Schwarzen auf dem Siegertreppchen bei den Olympischen Spielen von Mexiko 1968 oder der Boykott der Spiele von 1980 in Moskau durch über 60 Länder und der Gegenboykott der Spiele von Los Angeles 1984. Immer wieder findet die Politik Eingang in den Sport. Auch die Olympischen Winterspiele von Peking bilden keine Ausnahme. Bereits Monate im Voraus hatten die USA angekündigt, die Spiele auf politischem Wege zu boykottieren: Zwar werden die US-Athleten an den Wettbewerben teilnehmen, doch Vertreter der US-Regierung werden nicht anwesend sein. Auch in Deutschland hatte es, gerade aus dem Lager der Grünen, die Forderung gegeben, es den USA gleichzutun. Als Begründung des politischen Boykotts gilt die aus westlicher Sicht besorgniserregende Menschenrechtslage in China und insbesondere dessen Umgang mit der uighurischen Minderheit.
Wenige Tage vor Beginn der Wettkämpfe sind die politischen Spannungen aktueller denn je. So berichtet das chinesische Außenministerium am Donnerstag, der chinesische Außenminister Wang Yi habe in einem Telefonat mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Anthony Blinken ein Ende der amerikanischen Einmischung in die Olympischen Winterspiele gefordert. Zudem habe er ihn davor gewarnt, in der Taiwan-Frage „mit dem Feuer zu spielen“ oder mit anderen Ländern Bündnisse einzugehen, um den Aufstieg Chinas einzudämmen.
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Derweil fordert die Organisation Amnesty International, dass sich die Athleten bei den Spielen frei zur Menschenrechtslage in China äußern können sollten. Nach Ansicht der Organisation macht sich China „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ schuldig. „Und zwar in mindestens drei Anklagepunkten, nämlich mit Blick auf Inhaftierung, Verfolgung und Folter“, zitiert die Deutsche Presse-Agentur Friederike Adamczak, Sprecherin von Amnesty Deutschland. In einer gemeinsamen Erklärung haben die Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Deutschen Behindertensportverbandes, Thomas Weikert und Friedhelm Julius Beucher, ihren Startern Rückendeckung zugesichert, sollten sich diese zu Themen außerhalb des Sports äußern wollen. „Als Delegationsleiter vor Ort werden wir uns in jedem Fall schützend vor unsere Athleten stellen, unabhängig davon, ob sie sich zu nichtsportlichen Themen äußern wollen oder nicht.“
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