Fall MH17: Russland bereit zur Teilnahme an Ermittlungen

© SNA / Michail Woskressenski / Zur BilddatenbankAm Absturzort der malaysischen Boeing MH17. Grabowo, Gebiet Donezk, 25. Juli 2014
Am Absturzort der malaysischen Boeing MH17. Grabowo, Gebiet Donezk, 25. Juli 2014 - SNA, 1920, 26.01.2022
Russland ist nach Worten seines Vertreters beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) zu Ermittlungen zum Absturz des malaysischen Passagierjets MH17 im Osten der Ukraine offen.
„Russland hat die Kooperation mit internationalen Ermittlern nie abgelehnt“, sagte Michail Winogradow am Mittwoch in Straßburg.
Am gleichen Tag nahm der EGMR eine erste Verhandlung über Klagen der Niederlande und der Ukraine gegen Russland auf, dem der Abschuss der Maschine zur Last gelegt wird.
„Russland hat nie behauptet, dass Moskau nicht kooperieren werde. Wir wissen nicht genau, was dort passiert war. Aber wir haben über alles informiert, was wir bislang erfahren hatten. Wir sind zu Ermittlungen offen“, sagte der russische Vertreter.

Klagen gegen Russland

Zuvor hatte die Ukraine im EGMR einige Klagen gegen Russland eingebracht, die die Schwarzmeer-Halbinsel Krim und den Donbass betreffen. Kiew wirft Moskau eine Einmischung in die Angelegenheiten der Ukraine vor. Russland weist solche Anschuldigungen als unannehmbar ab und betont, Moskau sei keine Konfliktpartei im Donbass.
Im Juli 2020 informierte das Gericht in Straßburg Russland über eine Klage der Niederlande gegen Moskau, dem der Abschuss der Boeing vorgeworfen wird. Russlands Außenministerium sprach von einem weiteren Schlag gegen die russisch-niederländischen Beziehungen. Später wurden all diese Klagen zu einer zusammengelegt.

Klage gegen Ukraine

Am 22. Juli 2020 reichte Russland beim EGMR seine überhaupt erste zwischenstaatliche Klage gegen die Ukraine ein. In dem Papier wird Kiew für den Absturz der Boeing verantwortlich gemacht, weil die Behörden den Luftraum über der zwischen den Regierungstruppen und der Volkswehr von Donezk und Lugansk umkämpften Ostukraine nicht gesperrt hatten, hieß es in einer Pressemitteilung der russischen Generalstaatsanwaltschaft. Einen Termin für die Verhandlung über die vom Gericht registrierte Klage gibt es noch nicht.
Beim Absturz der von Amsterdam nach Kuala-Lumpur fliegenden malaysischen Boeing am 17. Juli 2014 im Raum von Donezk waren alle 298 Insassen ums Leben gekommen. Sofort machte Kiew die Volkswehr für den Abschuss verantwortlich. Donezk wies die Anschuldigungen zurück und betonte, die Volkswehr habe keine Raketen, die ein Flugzeug in solcher Höhe hätten treffen können.
Absturzstelle der malaysischen Boeing 777, Flug MH17 - SNA, 1920, 26.01.2022
MH17-Katastrophe: Russland will an Niederlande übergebene Dokumente veröffentlichen

Ukraine und USA verheimlichen Beweismaterial

Die Ukraine weigerte sich, die Aufzeichnungen von Radardaten und Gesprächen der Crew mit Fluglotsen vorzulegen. Satellitenaufnahmen des Raketenstarts, über die die USA verfügen, blieben für die Justiz ebenfalls gesperrt.
Nach Angaben des stellvertretenden Generalstaatsanwalts Russlands, Nikolai Winnitschenko, hatte Russland den Niederlanden nicht nur russische Radardaten, sondern alle Dokumente zur Verfügung gestellt, die die Zugehörigkeit der gegen die Boeing abgefeuerten „Buk“-Rakete zur Ukraine belegen. Die Rakete sei von dem von Kiew kontrollierten Territorium abgefeuert worden, hieß es aus Moskau.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала