Winterspiele 2002: Als Salt Lake City auf den Olymp der Korruption stieg

© AFP 2022 / Timothy A. Clary Amerikanische Delegation bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City
Amerikanische Delegation bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2002 in Salt Lake City - SNA, 1920, 25.01.2022
Salt Lake City hatte sehr lange dafür gekämpft, die Olympischen Winterspiele ausrichten zu dürfen. Der erste Anlauf war bereits 1932 unternommen worden. In den 1970er Jahren folgten zwei weitere. 1995 war es dann endlich soweit.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) gab Salt Lake City den Zuschlag für die Spiele 2002. Allerdings war der Preis, den die Behörden in Salt Lake City dafür zahlen mussten, enorm hoch.
Nach dem verlorenen Rennen um die Spiele 1998 warfen die Amerikaner den Japanern unfairen Wettbewerb vor. Unter anderem sollen Mitglieder des Organisationskomitees für die Spiele in Nagano IOC-Mitgliedern teure Geschenke gemacht haben. Wie sich jedoch herausstellte, hatte man in Salt Lake City nicht nur die Vorgehensweise der Japaner kritisiert, sondern auch abgekupfert und mit gewitzten Verschleierungstricks sogar noch optimiert.
Die Amerikaner setzten sich im Rennen für Olympia 2002 mit großer Stimmenmehrheit durch: Der Zuschlag wurde auf der 104. IOC-Tagung im Jahr 1995 verkündet. Doch drei Jahre später kam es doch zum Skandal. Ende 1998 warf der frühere IOC-Vizepräsident, der Schweizer Marc Hodler, der an der Spitze der Finanzkommission und des Koordinierungskomitees von Olympia-2002 gestanden hatte, einigen IOC-Mitgliedern Bestechlichkeit im Vorfeld der Abstimmung zum Gastgeber der Winterspiele 2002 vor.
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Hodlers Erklärung provozierte gleich vier unabhängige Ermittlungen im Rahmen des IOC, des US-amerikanischen Nationalen Olympischen Komitees, des Organisationskomitees der Spiele 2002 sowie des FBI. Dabei wurde herausgefunden, wie das Bewerbungskomitee von Salt Lake City die IOC-Mitglieder beeinflusst hatte. Nach inoffiziellen Angaben hatten Beamte aus Salt Lake City im Laufe der Bewerbungskampagne etwa eine Million Dollar über verschiedene Kanäle 24 IOC-Mitgliedern zukommen lassen, die Salt Lake City kaum überraschend den Zuschlag gegeben haben.
Das Organisationskomitee der Winterspiele 2002 hatte sich alles sehr gut überlegt: Die IOC-Funktionäre bekamen keine banalen Schmiergelder in Höhe von Zehntausenden US-Dollar – die Amerikaner gingen raffinierter vor. So bekam das chilenische IOC-Mitglied Sergio Santander einen Zuschuss in Höhe von 10.000 US-Dollar für seinen Wahlkampf um den Bürgermeisterposten in Santiago. Und der Finnin Pirjo Häggman wurde bei ihrem Umzug nach Quebec (Kanada), wo ihr Mann einen neuen Beamtenjob bekommen hatte, geholfen.
Manche IOC-Mitglieder konnten der Versuchung nicht widerstehen, für die bestmögliche Zukunft ihrer Kinder zu sorgen. Die Tochter von Agustin Arroyo (Ecuador) bekam einen Job im Bewerbungskomitee in Salt Lake City. Zudem wurde ihr Studium in den USA finanziert. Auch der Südkoreaner Kim Un-yong akzeptierte ein lukratives Angebot: Sein Sohn erhielt eine Arbeitsstelle in dieser Stadt und erhielt dadurch eine Aufenthaltserlaubnis in den USA. Zuschüsse für das Studium in Amerika bekamen auch die Kinder von den Vertretern Libyens und Swasilands. Das IOC-Mitglied aus Kongo, Jean-Claude Ganga, durfte sogar seine Schwiegermutter zur medizinischen Behandlung nach Salt Lake City bringen.
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Der Skandal sorgte für Gerüchte über einen baldigen Rücktritt des damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch. Doch bei einer IOC-Tagung zu diesem heiklen Thema bekam er die absolute Unterstützung der Mitglieder. Dennoch musste das IOC gewisse Verluste hinnehmen: Insgesamt zehn Mitglieder mussten ihre Posten räumen, und gegen weitere zehn wurden Sanktionen verhängt. Die Leiter des Bewerbungskomitees von Salt Lake City, Tom Welch und Dave Johnson, mussten unmittelbar zu Beginn der Ermittlungen zurücktreten.
„Die Bewerbungskomitees haben möglicherweise nicht ganz richtig gehandelt, aber das ist schon Vergangenheit. Jetzt wird wegen ihres Vorgehens das IOC verurteilt. Unsere Aufgabe ist es, diese Situation in den Griff zu bekommen“, erklärte Samaranch nach den Ermittlungen.
Das IOC hat danach die Wahrscheinlichkeit einer solch unverhohlenen Bestechung seiner Mitglieder minimiert, indem ihnen verboten wurde, die Bewerberstädte vor der Abstimmung zu besuchen. Dieses Verbot gilt immer noch.
Robert Shilkovic
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