Wall Street Journal: Deutschland ist kein glaubwürdiger Verbündeter für die USA mehr

© AP Photo / Charles DharapakFlagge Deutschland / USA
Flagge Deutschland / USA - SNA, 1920, 24.01.2022
Laut einem Artikel in der US-amerikanischen Zeitung „Wall Street Journal“ („WSJ“) stellt Deutschland russische Interessen über die des Westens. Als Beweis für die Unzuverlässigkeit Berlins wird sein Umgang mit den Spekulationen über angebliche Pläne Russlands, die Ukraine anzugreifen, sowie mit der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 angeführt.
Deutschland sei kein glaubwürdiger Verbündeter für die USA mehr, lautet die Hauptthese des Artikels. Das Attest stellt Tom Rogan mit Blick auf den Umgang der neuen Bundesregierung mit China und Russland aus. Dabei geht der „WSJ“-Journalist davon aus, dass das Schicksal der Ukraine Deutschland eine schwere Last der Verantwortung auferlegen werde.
„Für Deutschland scheinen billiges Gas, Autoexporte nach China und die Besänftigung von Herrn Putin wichtiger zu sein als die demokratische Solidarität der Verbündeten. (…) Selbst wenn Deutschland vorgibt, sich um die demokratische Weltordnung zu kümmern, wird sein Mangel an echtem Interesse schnell deutlich.“

Waffenlieferungsverbot für die Ukraine

Argumentiert wird in erster Linie mit der Weigerung Berlins, die Ukraine mit Waffen zu beliefern. Auch Estland hindere die Bundesregierung aktiv daran, hieß es. Zudem soll Großbritannien den Lufttransport von seinen Panzerabwehrwaffen in die Ukraine wegen der harten Haltung Berlins in dieser Frage an Deutschland vorbei gemacht haben, obwohl der kürzeste Weg zwischen den beiden Ländern durch den Luftraum der Bundesrepublik führe.
Andrej Melnyk (Archivbild) - SNA, 1920, 10.01.2022
„Moralisch verwerfliche Blockadehaltung“: Kiews Botschafter fordert Waffen von Deutschland

Nord Stream 2

Ein weiteres Beispiel für die Unzuverlässigkeit Berlins ist laut Rogan dessen Umgang mit der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2. Aus seiner Sicht soll das Bremsen des Verfahrens zur Zertifizierung des Projekts durch die deutschen Regulierungsbehörden den Ärger bei dem russischen Präsident Wladimir Putin verursacht haben.
Gascade-Verdichterstation in Eischleben - SNA, 1920, 23.01.2022
Nord Stream 2: Auch für SPD-Spitze „alle Optionen auf dem Tisch“
Dieser soll dem Journalisten zufolge zu einer „Erpressung im Energiebereich“ geführt haben. Damit meinte Rogan aber die nach der Initiative Berlins ausgeführten Rückwärtslieferungen von russischem Gas nach Polen, bei denen es um einen Weiterverkauf mit Aufschlag zugunsten der deutschen Seite geht.
„Im Gegenzug hat Gazprom (…) die Gasströme durch die bestehende Jamal-Europa-Pipeline für mehr als vier Wochen unterbrochen“, behauptet der Journalist.

Gescheiterte Abstimmung im US-Senat

Deutschland solle auch Druck auf die Biden-Regierung und die Demokraten im US-Senat ausgeübt und es Moskau dadurch ermöglicht haben, die deutsch-russische Pipeline dafür zu nutzen, „um Gaslieferungen – und Milliarden von Dollar an Transitgebühren – auszugleichen, die derzeit durch die Ukraine fließen“. Damit ist die Abstimmung im US-Senat um schärfere Sanktionen gegen Russland in Zusammenhang mit Nord Stream 2 gemeint, die Mitte Januar gescheitert war.
„Deutschland hat einen großen Sieg auf Kosten der USA erzielt. Mit Blick auf das Bündnisprinzip der Gegenseitigkeit ist nicht klar, was Präsident Biden im Gegenzug erhalten hat.“
Die Fertigstellung von Nord Stream 2 - SNA, 1920, 20.01.2022
Ukraine soll an Zertifizierungsverfahren für Nord Stream 2 teilnehmen – Energieminister

Fehlender Konfrontationskurs mit Russland

Zudem bereute der Journalist, dass der neue Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wegen der Ostsee-Pipeline nicht auf einen Konfrontationskurs mit Russland gehen wolle und bereits zu einem „qualifizierten Neuanfang“ mit Moskau aufgerufen habe.
„Außenministerin Annalena Baerbock mag zwar gegen die Pipeline sein, aber sie ist eine Stimme in der Wildnis des Kabinetts“, heißt es in dem Artikel.
Ukrainischer Außenminister Dmitri Kuleba - SNA, 1920, 22.01.2022
Ukrainischer Außenminister: Deutschland untergräbt Einheit des Westens in Umgang mit Russland

China

Dem Bundeskanzler Scholz wird im Artikel zudem vorgeworfen, die deutschen Exporte im Wert von 150 Milliarden US-Dollar pro Jahr nach China „um jeden Preis“ erhalten zu wollen. Als „Mangel an demokratischer Solidarität“ bezeichnete Rogan die Warnungen der deutschen Geschäftsleute an Litauen, dass es den Forderungen Chinas nachgeben sollte, um den Handelsstreit mit China beizulegen. Zum Konflikt zwischen den Ländern ist es Ende November gekommen, als Litauen es trotz der „Ein-China-Politik“ Taiwan erlaubt hatte, eine Repräsentanz in seiner Hauptstadt Vilnius zu eröffnen.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала