Kiews Bürgermeister wirft Deutschland Verrat im Ukraine-Konflikt vor

© SNA / Stringer / Zur BilddatenbankDer Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko
Der Bürgermeister von Kiew, Witali Klitschko - SNA, 1920, 24.01.2022
Der Bürgermeister der ukrainischen Hauptstadt Kiew, Vitali Klitschko, hat der Bundesregierung Verrat vorgeworfen und gefordert, dem Altkanzler Gerhard Schröder gesetzlich zu verbieten, „für das russische Regime zu arbeiten“. Das geht aus seinem Gastbeitrag für die „Bild“ hervor.
„In der Ukraine gibt es eine Riesen-Enttäuschung darüber, dass die Bundesregierung weiter an Nord Stream 2 festhält. Dass sie keine Verteidigungswaffen liefern will und gleichzeitig auch noch Staaten wie Estland davon abhält, uns Waffen zu liefern“, schrieb Klitschko. Das sei „unterlassene Hilfeleistung und Verrat an Freunden in einer dramatischen Situation“, bemängelt der ukrainische Ex-Box-Weltmeister.
Die Ukraine hatte Deutschland zuletzt mehrfach um Waffenlieferungen gebeten. Berlin hatte dies aber wiederholt abgelehnt. Mit Blick auf Nord Stream 2 hatten Vertreter der Bundesregierung, einschließlich Kanzler Olaf Scholz (SPD), indes zuletzt betont, im Falle eines russischen Einmarschs in die Ukraine stünden alle Sanktionsmöglichkeiten zur Diskussion.
Klitschko forderte zudem ein Lobby-Verbot für Altbundeskanzler Gerhard Schröder (77, SPD).
„Deutschland sollte dafür sorgen, dass Lobbyisten wie Altkanzler Gerhard Schröder gesetzlich verboten wird, weiter für das russische Regime zu arbeiten. Das wären Sanktionen, die vielen wirklich wehtun würden.“ Schröder ist Nord-Stream-Aufsichtsratschef. Bei Nord Stream 2 ist er Präsident des Verwaltungsrats.
„Doch die unfassbaren Aussagen des deutschen Vize-Admirals über Russland und Putin zeigen leider: Auch andere Vertreter in wichtigen Positionen leiden in Sachen Russland unter völligem Realitätsverlust“, schrieb Klitschko.
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Damit meinte Klitschko die jüngsten Äußerungen des bereits zurückgetretenen deutschen Marinechefs Kay-Achim Schönbach. Er sagte während eines Indien-Besuchs am vergangenen Freitag, er wünsche sich Russland „als Partner“ und zweifle an seinen angeblichen Angriffsplänen. Auch werde die Halbinsel Krim ihm zufolge niemals in die Ukraine zurückkehren. Den angeblichen Wunsch Russlands, sich Teile der Ukraine einzuverleiben, kommentierte Schönbach als „Nonsens“ und erklärte, dass Putin „Respekt auf Augenhöhe will“, den er „wahrscheinlich auch verdient“ hat.
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