Britischer Premier erklärt Ukraine zum „neuen Tschetschenien“ für Russland

© AP Photo / Peter DejongKriege in der russischen Teilrepublik Tschetschenien, 1996
Kriege in der russischen Teilrepublik Tschetschenien, 1996 - SNA, 1920, 24.01.2022
Nach Aussage des britischen Regierungschefs Boris Johnson kann ein Einmarsch in die Ukraine für Russland zu einem ähnlich schlimmen Ereignis werden wie der Krieg in der russischen Teilrepublik Tschetschenien.
Johnson sprach am heutigen Montag von einem „neuen Tschetschenien“ für den russischen Staat: „Wir müssen die Botschaft vermitteln, dass ein Einmarsch in die Ukraine eine schmerzhafte, blutige Sache sein wird. Es ist absolut wichtig, dass die Menschen in Russland verstehen, dass das zu einem neuen Tschetschenien werden kann. Ich war mehrmals in der Ukraine. Ich kenne die Menschen dieses Landes ein wenig. Sie werden kämpfen“, sagte der britische Premier vor Journalisten.
Er hoffe, so Johnson, dass „die im Kreml das verstehen“, die Aufgabe seines Landes sei es aber, sicherzustellen, „dass Freunde und Partner, insbesondere in Europa, ein hartes Sanktionspaket vorbereiten“. Dass eine Invasion nun nicht mehr unabwendbar sei, heiße dies nicht, aber Großbritannien führe die Arbeit an einem Paket wirtschaftlicher Sanktionen an und helfe der Ukraine durch Waffenlieferungen.

Tschetschenien – eine russische Teilrepublik

Worauf sich Premierminister Johnson mit seiner an Russland gerichteten Drohung bezieht, sind die beiden Kriege in der russischen Teilrepublik Tschetschenien. Mitte der Neunziger- und Anfang der Zweitausenderjahre versuchten radikale Islamisten, die Abspaltung der Kaukasusrepublik von Russland durch Gewalt zu erzwingen. Dabei begingen sie Gräueltaten auch an wehrlosen Menschen, indem sie Terroranschläge in russischen Städten und benachbarten Regionen verübten, unter anderem Schulen und Krankenhäuser besetzten. Erst nachdem Moskau Spezialkräfte entsandt hatte, konnte die Lage in der russischen Kaukasusrepublik weitestgehend stabilisiert werden.

Nato will mehr Truppen an Russlands Grenzen schicken

Johnsons Drohung kommt in einem Moment, in dem die Nato von Russland eine Deeskalation an der Grenze zur Ukraine fordert. Gleichzeitig hat das nordatlantische Militärbündnis angekündigt, mehr Militär in die Ostsee und die osteuropäischen Länder zu schicken. Damit will die Nato ihre vermeintliche Abschreckungspräsenz an der Ostflanke verstärken. Hintergrund sind Befürchtungen vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine, von dem der Westen seit Wochen spricht. Moskau erklärt währenddessen, seine Nachbarn nicht angreifen und auch niemanden bedrohen zu wollen. Diese Erklärung hat die russische Führung durch Vorschläge für den Aufbau einer verlässlichen Sicherheit in Europa unterlegt. Auf eine Antwort des Westens auf diese Sicherheitsvorschläge wartet Russland bis heute.
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