„Anne Will“-Talk nach XXL-Pause: „Engpässe kann man nicht wegdiskutieren“

CC BY 3.0 / Wikipedia/Martin Kraft / Anne WillLeiterin der politischen Talkshow Anne Will
Leiterin der politischen Talkshow Anne Will - SNA, 1920, 24.01.2022
Nach einer sechswöchigen Pause hat Anne Will wieder prominente Gäste ins ARD-Studio eingeladen. Sonst blieb alles beim Alten: Das ewige Thema Corona, gut bekannte Teilnehmer und der peinliche Nachgeschmack, die wertvolle Stunde am Sonntagabend hätte sinnvoller verbracht werden können.
„Omikron-Welle da, Impfpflicht nicht – mit welchem Plan geht Deutschland ins dritte Corona-Jahr?“, lautete die Leitfrage der Talkshow „Anne Will“ am Sonntag in der ARD. Zu dem leidgeprüften Thema „Impfpflicht“ hat man schon wieder wenig Neues gehört. Dier Runde hat herzlich wenig Neuinformationen geliefert, die Gäste haben meist reichlich bekannte Fakten und Argumente angeführt, die höchstens die Moderatorin selbst in ihren XXL-Ferien verpasst hatte: fehlendes Pflegepersonal, mangelhafte Digitalisierung und eine allgemeine Impfpflicht, über die immer noch gestritten wird …
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Dabei hatte die namensgebende Moderatorin zumindest zu Beginn der Sendung ein paar Fragen von ihrem Spickzettel vorgelesen, auf die die meisten Zuschauer noch keine plausible Antwort bekommen haben: Wieso gelten etwa die mit Johnson & Johnson geimpften Bundesbürger – immerhin drei Millionen! – von heute auf morgen plötzlich als „ungeimpft“? Und warum wurde der „Genesenen“-Status von heute auf morgen von sechs auf drei Monate gekürzt? Wie stichhaltig sind solche Beschlüsse in juristischer Hinsicht?
Anscheinend hat sich aber niemand im Studio gefunden, der sich qualifiziert war, diese Fragen zu beantworten – obgleich Justizminister Marco Buschmann (FDP) in der Talk-Runde präsent war. Aber auch die Moderatorin hat diese Fragen recht schnell schon wieder vergessen.

"Pflegepersonal ist sehr verschnupft"

„Wäre die FDP nicht Teil der Bundesregierung, hätte Olaf Scholz längst einen Gesetzentwurf vorgelegt“, sagte etwa „FAZ“-Journalistin Helene Bubrowski. Buschmann, der im Kabinett gerade die Liberalen vertritt, fand diese Behauptung nicht korrekt. Sein Argument: Eine Bundestagsdebatte über Gruppenanträge, wie sie nun geplant sei, biete beim Reizthema Impfpflicht eine „Möglichkeit der Befriedung“.

„Für eine Welle im Februar oder März würde jetzt auch eine Impfnachweispflicht erst mal nichts bringen“, behauptete der Justizminister. „Wir betreiben hier Vorsorge für den Herbst.“

Dem Medizin-Professor Uwe Janssens gefiel diese Argumentation gar nicht. Immerhin gilt die Impfpflicht für die Mitarbeitenden im Gesundheitswesen schon seit geraumer Zeit. Und diese Kategorie der Beschäftigten sei „sehr verschnupft“ – immerhin müssen sie als Geimpfte vorwiegend Ungeimpfte auf Intensivstationen pflegen.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) brachte bei „Anne Will“ ein neues und überaus verblüffendes Argument für eine Impfpflicht für alle zwischen 18 und 50: Die Politik würde damit ein Zeichen der Dankbarkeit an jene senden, die sich bereits haben impfen lassen. „Jetzt sind die anderen dran“, hieß es. Ein Argument, das sowohl die Moderatorin, als sicherlich ein paar Millionen Zuschauer irritiert hat.
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Dann wurden nahezu genüsslich auch über andere Engpässe diskutiert: Hier und da gebe es immer noch Probleme mit Impfterminen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen sei schlechter als „in einem Land wie Griechenland“ und bei der PCR-Testung hinke Deutschland hoffnungslos hinter dem kleinen Nachbarland Österreich hinterher.

„Dass wir jetzt Engpässe haben, kann man eben nicht wegdiskutieren“, stellte Buschmann fest. „Egal, wie viel oder wie lange wir heute reden, es gibt diese Engpässe.“

Diese Äußerung ließe sich also auch so verstehen, dass auch solche Veranstaltungen wie der „Anne Will“-Talk ziemlich sinnlos sind.
Für deren jüngste Sendung dürfte dies vielleicht auch so stimmen.
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