Ärger wegen „eklatantem Regelverstoß“: Frankfurter Krankenhaus äschert Muslim versehentlich ein

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Rettungsdienst (Symbolfoto) - SNA, 1920, 22.01.2022
Dieser Fehler hat für diplomatischen Ärger gesorgt: Im Frankfurter Krankenhaus St. Katharinen ist versehentlich die Leiche eines Muslims eingeäschert worden, obwohl der Islam das streng verbietet. Die Klinik bedauert den Vorfall.
„In unserem Haus ist der Umgang mit Verstorbenen unterschiedlicher Religionen klar geregelt“, hieß es in einer Stellungnahme des St. Katharinen-Krankenhauses. Zuvor hatte der Südwestrundfunk berichtet, ein Marokkaner sei ohne Verständigung seiner Angehörigen eingeäschert worden.
Normalerweise würde ein islamischer Seelsorger im Falle eines muslimischen Verstorbenen kontaktiert werden, falls die Angehörigen des Patienten nicht ermittelt werden können. Die Voraussetzung hierfür ist laut dem Krankenhaus aber, dass der Patient entsprechende Angaben zu seiner Religionszugehörigkeit macht.
In diesem Fall sei ein schwer kranker Mann aus Marokko am 20. Dezember ohne Papiere in das Krankenhaus eingeliefert worden. Der 45-Jährige habe keine Angaben zu seinem Glauben oder Angehörigen machen wollen und auch eine Notfall-OP abgelehnt. Nachdem der Mann die dringend erforderliche Notfall-OP abgelehnt habe, sei er am selben Tag entlassen worden– und dann noch vor der Klinik zusammengebrochen. Das Krankenhaus nahm ihn erneut auf. Einen Tag später starb der Mann. Versuche, über die zuletzt bekannte Adresse des Mannes und über das Ordnungsamt Angehörige ausfindig zu machen, seien gescheitert.
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In solchen Fällen muss nach Angaben der Klinik das Krankenhaus die Bestattung innerhalb von 96 Stunden vornehmen lassen. „In der Regel wird für Verstorbene, zu denen keinerlei Informationen über Nationalität, religiöses Bekenntnis oder Angehörige vorliegen, die Feuerbestattung gewählt, da diese Kosten später auch von staatlichen Stellen übernommen werden. Ausdrücklich in Auftrag gegeben haben wir diese aber nicht“, hieß es in der Erklärung des Krankenhauses.
Das marokkanische Generalkonsulat sehe darin jedoch einen „eklatanten Regelverstoß“, denn im Islam dürfen Gläubige nur beerdigt, aber nicht verbrannt werden. Nach islamischem Glauben kehren am „Jüngsten Tag“, dem Ende des Universums, die Seelen der Muslime in ihre Körper zurück und stehen wieder auf. Das geht nicht, wenn die Körper verbrannt wurden.
Der integrationspolitische Sprecher der SPD im hessischen Landtag, Turgut Yüksel, kritisierte den Vorfall ebenfalls. „Es ist nicht akzeptabel, ohne Nachfrage, Nachforschung und Erlaubnis der Familienangehörigen die Einäscherung eines Toten anzuordnen“, sagte er am Freitag.
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