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Norwegen lädt Taliban zu Gesprächen nach Oslo ein

© AP PhotoEine afghanische Delegation unter der Leitung von Außenminister Amir Khan Muttaqi (M.) an einem Treffen mit dem pakistanischen Außenminister Qureshi teil.
Eine afghanische Delegation unter der Leitung von Außenminister Amir Khan Muttaqi (M.) an einem Treffen mit dem pakistanischen Außenminister Qureshi teil. - SNA, 1920, 21.01.2022
Norwegen hat die radikal-islamistischen Taliban* nach Oslo zu Gesprächen über die Situation in Afghanistan eingeladen. Das Treffen soll vom 23. bis 25. Januar stattfinden, teilte die norwegische Regierung am Freitag mit.
Die Taliban haben laut dem afghanischen Außenministerium die Einladung angenommen. Die Delegation solle der stellvertretende Außenminister des Landes, Amir Khan Muttaqi, leiten. In Oslo werden die Taliban laut der von Norwegen vorgeschlagenen Agenda mit den Behörden des Landes, Vertretern der internationalen Gemeinschaft und anderen Afghanen mit zivilgesellschaftlichem Hintergrund zusammenkommen.
Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im vergangenen Herbst laufen Gespräche in Doha, der Hauptstadt von Katar. Im Oktober verhandelten sie im so genannten "Moskauer Format" in der russischen Hauptstadt über die militär-politische Lage nach dem Machtwechsel sowie humanitäre Kooperation und Kabinettsbildung.Taliban-Vertreter wurden aber noch nie in ein westliches europäisches Land eingeladen. Laut der Zeitung „Verdes Gang“ wird das auch das erste Mal sein, dass sich die Taliban mit Aktivisten der Zivilgesellschaft und Menschenrechtsverteidigern in Afghanistan treffen. Diese werden sowohl aus Afghanistan als auch aus anderen Ländern, in denen sie im Exil leben, eingeflogen.

Die norwegische Außenministerin, Anniken Huitfeldt, betonte aber: „Dies ist keine Legitimation oder Anerkennung der Taliban. Aber wir müssen mit denen sprechen, die das Land heute praktisch regieren“. Man dürfe nicht zulassen, dass die politische Situation zu einer noch schlimmeren humanitären Katastrophe führe.

Taliban-Kämpfer - SNA, 1920, 16.01.2022
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Afghanistan leidet unter Dürre, Pandemien, wirtschaftlichem Zusammenbruch und den Auswirkungen jahrelanger Konflikte. 24 Millionen Menschen leiden unter akuter Ernährungsunsicherheit. Die UNO schätzt, dass in diesem Winter mehr als die Hälfte der Bevölkerung von einer Hungersnot betroffen sein wird und dass 97 Prozent der Bevölkerung in diesem Jahr unter die Armutsgrenze fallen werden.
Anfang dieser Woche besuchte eine norwegische Delegation Kabul zu Gesprächen über die humanitäre Lage im Land. „Humanitäre Hilfe ist absolut notwendig, aber sie reicht nicht aus. Wir müssen den Zusammenbruch grundlegender Dienste wie Gesundheit und Bildung vermeiden“, hieß es in der Erklärung der norwegischen Regierung.
Norwegen ist in der Vergangenheit immer wieder als Vermittler bei Konflikten in anderen Ländern aufgetreten, zuletzt unter anderem in Venezuela.
*Die Organisation ist wegen Terror-Aktivitäten mit UN-Sanktionen belegt
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