EU öffnet „minimale Präsenz“ in Kabul – Kein Zeichen der Anerkennung

© REUTERS / Zohra BensemraTaliban-Kämpfer am Eingang zu einer Schule in Kabul, Afghanistan
Taliban-Kämpfer am Eingang zu einer Schule in Kabul, Afghanistan - SNA, 1920, 21.01.2022
Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hat die EU wieder eine offizielle Vertretung in der Hauptstadt Kabul.
Die EU habe begonnen, wieder eine „minimale Präsenz“ internationaler Delegationsmitarbeiter einzurichten, um die Lieferung von humanitärer Hilfe zu erleichtern und die humanitäre Lage zu überwachen, sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell am Freitag. Er betonte, dass dies auf keinen Fall als Zeichen der Anerkennung der Taliban-Regierung verstanden werden dürfe. Dies sei auch den „De-facto-Behörden“ klar kommuniziert worden.

Kein EU-Botschafter vor Ort

Die Taliban hatten zuvor mitgeteilt, dass nach mehreren Treffen und einer Einigung mit EU-Vertretern die EU „ihre Botschaft mit einer permanenten Präsenz offiziell eröffnet und praktisch den Betrieb aufgenommen“ habe. Aus EU-Kreisen hieß es, ein Botschafter werde nicht vor Ort sein.
Seit der militärischen Machtübernahme der Taliban im August 2021 sind die Botschaften westlicher Länder in Kabul geschlossen, darunter auch die deutsche Botschaft. Die diplomatischen Missionen anderer Länder wie Russland, China oder von Nachbarstaaten sind aktuell geöffnet und mit Botschaftern besetzt. Seit der Schließung der US-Botschaft in Kabul vertritt das Golfemirat Katar die Interessen der Vereinigten Staaten in Afghanistan. Bisher hat kein Land der Welt die Taliban-Regierung anerkannt. Westliche Länder machen dies unter anderem von der Einhaltung von Menschen- oder Frauenrechten sowie der Inklusivität der Regierung abhängig.
Muslimische Frau legt ihren Hidschab an (Symbolbild) - SNA, 1920, 16.01.2022
Afghanistan
Frauen in Kabul protestieren gegen Hidschab-Pflicht – Taliban gehen mit Tränengas vor
Afghanistan selbst befindet sich angesichts eingestellter Milliardenhilfen und Sanktionen in einer schweren wirtschaftlichen und humanitären Krise. Nach UN-Angaben dürften in diesem Jahr 4,7 Millionen Menschen in Afghanistan an schwerer Unterernährung leiden, davon 3,9 Millionen Kinder. 131.000 Kindern drohe ohne zusätzliche Hilfe der Hungertod.
*Die Organisation ist wegen Terror-Aktivitäten mit UN-Sanktionen belegt
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