Wegen „blasphemischer“ WhatsApp-Nachrichten: Frau in Pakistan zum Tod verurteilt

© AP Photo / Rahmat GulEine Frau weint im Norden der pakistanischen Hauptstadt Islamabad (Symbolbild)
Eine Frau weint im Norden der pakistanischen Hauptstadt Islamabad (Symbolbild) - SNA, 1920, 20.01.2022
Eine muslimische Frau ist am Mittwoch von einem Gericht in der Stadt Rawalpindi im Norden Pakistans wegen Versendens blasphemischer Inhalte zum Tod verurteilt worden. Darüber berichten internationale Medien am Mittwoch.
Der britischen Zeitung „The Guardian“ zufolge hatte die 26-jährige Ateeq ihren Kläger, einen Pakistaner, im Jahr 2019 online über eine mobile Spiele-App kennen gelernt. Die beiden begannen, über WhatsApp miteinander zu kommunizieren. Später beschuldigte er sie, blasphemische Karikaturen von heiligen Propheten auf WhatsApp verschickt und sich über „heilige Persönlichkeiten“ entsprechend geäußert zu haben. Ihm zufolge nutzte Ateeq auch ihr Facebook-Konto, um blasphemisches Material an andere Konten zu übermitteln.
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Die Angeklagte habe somit „bewusst und vorsätzlich heilige, rechtschaffene Persönlichkeiten geschändet und die religiösen Überzeugungen der Muslime beleidigt“, heißt es in der Anklageschrift. Das Gericht in Rawalpindi ordnete deshalb an, dass die Frau „an ihrem Hals aufgehängt wird, bis sie tot ist“, und verhängte eine Haftstrafe und eine Geldstrafe von 200.000 Rupien (umgerechnet rund 1000 Euro).

Ein Versuch, eine persönliche Rechnung zu begleichen?

Ateeq, die angab, praktizierende Muslimin zu sein, stritt alle Vorwürfe ab. Während der Verhandlung sagte Ateeq dem Gericht, sie glaube, dass der Beschwerdeführer sie absichtlich in eine religiöse Diskussion hineingezogen habe, damit er Beweise sammeln und sich „rächen“ könne, nachdem sie sich geweigert habe, mit ihm freundlich zu sein.
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Statistik: In Pakistan bis zu 80 Menschen wegen Blasphemie verhaftet

Nach Angaben der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit sind in Pakistan bis zu 80 Personen wegen Blasphemie inhaftiert. Der Hälfte von ihnen droht lebenslange Haft oder die Todesstrafe, berichtet die pakistanische Zeitung „Dawn“.
Während in vielen Fällen Muslime andere Muslime beschuldigen, warnen Rechtsaktivisten davor, dass religiöse Minderheiten, insbesondere Christen, oft ins Kreuzfeuer geraten und Blasphemievorwürfe dazu benutzt werden, persönliche Rechnungen zu begleichen.
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