Nach Gutachten zu Fällen von sexuellem Missbrauch: Kardinal Marx „erschüttert und beschämt“

© Foto : Erzbischöfliches Ordinariat München (EOM) / Lennart PreissErzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx (Archiv)
Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx (Archiv) - SNA, 1920, 20.01.2022
Kardinal Reinhard Marx hat sich als Erzbischof von München und Freising für Fälle von sexuellem Missbrauch in seinem Bistum entschuldigt.
„Ich bin erschüttert und beschämt“, sagte er am Donnerstag in München nach der Vorstellung eines Aufsehen erregenden Gutachtens zu sexuellem Missbrauch in der Diözese in den vergangenen Jahrzehnten.
Gespräche mit Betroffenen hätten bei ihm dazu geführt, seine Kirche heute in einem anderen Licht zu sehen: „Für mich haben die Begegnungen mit Betroffenen sexuellen Missbrauchs eine Wende bewirkt. Sie haben meine Wahrnehmung der Kirche verändert und verändern diese auch weiterhin“, sagte Marx.
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Missbrauchsgutachten sieht Fehlverhalten Benedikts als Erzbischof
Seit Jahren sei bekannt, „dass sexueller Missbrauch in der Kirche nicht ernst genommen wurde, dass die Täter oft nicht in rechter Weise zur Rechenschaft gezogen wurden, dass es ein Wegsehen von Verantwortlichen gegeben hat“.
„Wie ich immer wieder gesagt habe, fühle ich mich als Erzbischof von München und Freising mitverantwortlich für die Institution Kirche in den letzten Jahrzehnten“, betonte er.
„Als der amtierende Erzbischof bitte ich deshalb im Namen der Erzdiözese um Entschuldigung für das Leid, das Menschen im Raum der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten zugefügt wurde.“

„Tiefe Erschütterung für die Kirche“

In der kommenden Woche wolle er inhaltlich detaillierter Stellung zu dem Gutachten nehmen, das ihm selbst Fehlverhalten in zwei und seinen Vorgängern Kardinal Friedrich Wetter und Kardinal Joseph Ratzinger, dem emeritierten Papst Benedikt XVI., jeweils in mehreren Fällen vorwirft. „Die Missbrauchskrise ist und bleibt eine tiefe Erschütterung für die Kirche“, sagte Marx. Es müsse künftig um die Erneuerung der Kirche gehen, sagte er auch mit Blick auf den Reformprozess Synodaler Weg.
Aus dem Gutachten, das von mindestens 497 Betroffenen in den Jahren 1945 bis 2019 ausgeht, wolle man Folgerungen ziehen und „Perspektiven aufzeigen“.
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