Infektiologe Wendtner drängt auf schnelle Ausweitung der Impfpflicht auf weitere Berufsgruppen

© AP Photo / Martin MeissnerMenschen mit obligatorischen Gesichtsmasken laufen am Montag, 10. Januar 2022, durch eine Einkaufsstraße in Gelsenkirchen, Deutschland.
Menschen mit obligatorischen Gesichtsmasken laufen am Montag, 10. Januar 2022, durch eine Einkaufsstraße in Gelsenkirchen, Deutschland. - SNA, 1920, 20.01.2022
Die ab Mitte März geltende einrichtungsbezogene Impfpflicht für Gesundheitspersonal muss laut dem Münchner Infektiologen Clemens Wendtner dringend auf weitere Berufsgruppen ausgeweitet werden, um die Impflücke rasch zu schließen. Das geht aus einem Interview des Experten mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA) am Donnerstag hervor.
Eine erweiterte berufsgruppenbezogene und temporäre Impfpflicht könne helfen, findet Wendtner. Sie müsse vor allem für Mitarbeiter wichtiger Infrastrukturen wie Polizei und Feuerwehr gelten, aber auch für Lehrkräfte. Bei einer allgemeinen Impfpflicht zeigt sich Wendtner nicht sicher, ob man das mit allen erforderlichen Diskussionen schnell hinbekomme. „Wir dürfen jetzt keine Zeit verlieren“, so der Chefarzt der Infektiologie an der München Klinik Schwabing.
„Mein persönlicher Wunsch ist, dass wir die einrichtungsbezogene Impfpflicht so schnell als möglich auf kritische Infrastrukturen wie Polizei, Feuerwehr und Schulen ausweiten. Eine einrichtungsbezogene Impfpflicht kann schneller umgesetzt werden.“
Corona-Impfung (Symbolbild) - SNA, 1920, 19.01.2022
Lauterbach: Impfpflicht muss schnell kommen
Nach seinen Worten geht es den Lehrkräften darum, die Schulen möglichst offen zu halten. „Es ist wichtig, dass wir die Kinder nicht dauernd in den Distanzunterricht schicken“, erklärte der Infektiologe. Somit könnten Lehrkräfte zudem angesichts der drohenden Omikron-Welle vor schweren Verläufen geschützt werden. Präsenzunterricht könne gesichert und notfalls bei dank Impfung symptomlosen Verläufen könne wenigstens digital in Quarantäne weiter unterrichtet werden, fügte Wendtner hinzu.
Einen Vorstoß zur Einführung einer allgemeinen Impfpflicht ab einem Alter von 18 Jahren hält der Experte auch für sinnvoll. Die zeitlich befristete Impfpflicht wäre aus seiner Sicht eine „maßvolle Möglichkeit, aus dieser Endlosschleife herauszukommen“
„Wir werden sonst weiter Wellen haben, die wir nur mit harten Maßnahmen überwinden können“, gab Wendtner gegenüber der Agentur zu bedenken.
Am 10. Dezember hatte der Bundesrat nach dem Bundestag eine Pflicht zur Covid-19-Impfung für das Gesundheitspersonal beschlossen. Demnach müssen Beschäftigte in Einrichtungen mit besonders schutzbedürftigen Menschen wie Pflegeheimen und Kliniken bis Mitte März 2022 nachweisen, dass sie gegen Corona geimpft oder davon genesen sind. Die Grünen wollen die einrichtungsbezogene Impfpflicht auch auf weitere Beamtengruppen ausweiten, darunter auf Polizisten, Lehrkräfte und Feuerwehrleute.
Impfzentrum (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.01.2022
Neue Umfrage: Mehrheit für Impfpflicht in Deutschland
Am Donnerstag ist die Inzidenz in Deutschland zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie über die Marke von 600 gestiegen. Nach Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) kletterte sie auf 638,8 (Vortag: 584,4, Vorwoche 427,7). In den letzten 24 Stunden meldeten die Gesundheitsämter 133.536 Neuinfektionen. Die Zahl der Todesfälle legt demnach um 234 auf 116.315 zu.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала