Im Rückwärtsmodus seit einem Monat: Deutschland verstärkt Jamal-Gaslieferungen nach Polen

© AFP 2022 / Wiktor DrachewWeißrussische Mitarbeiter arbeiten am 9. Januar 2009 in der Gasübertragungsstation Jamal-Europe in der Nähe der Stadt Nesvizh, etwa 130 km westlich von Minsk.
Weißrussische Mitarbeiter arbeiten am 9. Januar 2009 in der Gasübertragungsstation Jamal-Europe in der Nähe der Stadt Nesvizh, etwa 130 km westlich von Minsk.  - SNA, 1920, 20.01.2022
Die Gaslieferungen von Deutschland nach Polen über die Jamal-Pipeline, durch die russisches Gas nach Westeuropa geleitet wird, haben sich am Donnerstag nach Angaben des deutschen Netzbetreibers Gascade weiter fortgesetzt. Die Pipeline läuft bereits den 31. Tag in Folge im Rückwärtsmodus nach Osten. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.
Die Pipelinestrecke zwischen Polen und Deutschland ist am 21. Dezember in den Rückwärtsgang gesetzt worden, „was die europäischen Gaspreise in die Höhe treibt“, schreibt die Agentur. Auf Jamal entfalle normalerweise etwa ein Sechstel (etwa 16,5) Prozent der jährlichen russischen Gasexporte nach Europa und in die Türkei, lautet der Artikel.
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Laut Daten des Messpunkts Mallnow an der deutsch-polnischen Grenze lagen die Rückwärtsflüsse am Donnerstagmorgen bei über 13 Millionen Kilowatt pro Stunde. Nach vorläufigen Informationen sollen sie auch bis in die frühen Morgenstunden des Freitags bei erhöhten Mengen bleiben. Am Vortag waren es zehn Millionen Kilowatt pro Stunde.
Wann die Pipeline wieder in Richtung Westen nach Deutschland liefern wird, ist vorläufig unklar. Eine Gazprom nahestehende Quelle teilte gegenüber Reuters mit, dass das Unternehmen die Lieferungen voraussichtlich noch in diesem Monat umstellen werde, weil es den Transit der westwärts gerichteten Liefermengen für Januar bezahlt habe.
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Nach Informationen der Agentur buchte Gazprom bisher keine Kapazitäten, um im nächsten Monat Gas durch die Jamal-Pipeline nach Europa zu pumpen.

Rückwärtslieferungen durch Jamal-Pipeline

Die Rückwärtslieferungen durch die Jamal-Pipeline von Deutschland nach Polen waren erstmals im Dezember bekannt geworden. Damals wurde der Betreiber Gazprom mit den in den westlichen Medien aktiv verbreiteten Spekulationen konfrontiert, dass er angeblich die Lieferungen nach Europa eingestellt hätte.
Daraufhin hat der russische Präsident, Wladimir Putin, in seiner traditionellen jährlichen Pressekonferenz Ende Dezember klargestellt, dass der Lieferstopp auf die entsprechenden Anweisungen der Auftraggeber aus dem Westen, vor allem aus Deutschland, zurückzuführen sei. Sie sollen die bei Gazprom erworbenen Gasmengen zu höheren Preisen an andere EU-Länder verkauft haben und leiten diese nun womöglich an Polen und die Ukraine weiter, erklärte der Präsident.
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Obwohl Gazprom nicht nur seine vertraglichen Verpflichtungen zu Gaslieferungen gegenüber den europäischen Partnern und Verbrauchern vollständig erfüllt, sondern auch immer mehr Gas nach Europa liefert, wird dem Unternehmen von EU-Politikern häufig unterstellt, dass es das Exportvolumen nicht erhöhen wolle, um Druck auf die EU auszuüben und somit die behördliche Genehmigung von Nord Stream 2 zu erzwingen.
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