Gas in Reserven reicht nur noch für 18 Tage? Bundeswirtschaftsministerium erklärt SNA das Problem

© REUTERS / HANNIBAL HANSCHKEDie Gasröhren sind an einer Gaskompressorstation in Mallnow, bei Frankfurt an der Oder, November 2021.
Die Gasröhren sind an einer Gaskompressorstation in Mallnow, bei Frankfurt an der Oder, November 2021. - SNA, 1920, 20.01.2022
Die Antwort des Staatssekretärs Dr. Patrick Graichen beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) auf eine AfD-Anfrage hat für einen Schock gesorgt: Demnach reicht das Gas in den deutschen Gasspeichern theoretisch nur noch für 18 Tage. Das BMWK sieht darin jedoch keine Gründe für Panik – und gibt gegenüber SNA Entwarnung.
Dass die deutschen bzw. die europäischen Gasspeicher aktuell auf dem historisch niedrigsten Stand sind, ist schon seit längerem bekannt. Mehrere Energieexperten machen sich deswegen Sorgen um die Versorgungssicherheit in Deutschland, darunter der Initiative Erdgasspeicher eV. (INES). „Mit den verbleibenden Speichermengen sollte sicher sorgsam umgegangen werden“, sagte etwa der INES-Geschäftsführer Sebastian Bleschke der „Zeit“.
Der deutsche Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck zeigt eine Grafik während einer Pressekonferenz in Berlin, Deutschland, am 11. Januar 2022.  - SNA, 1920, 19.01.2022
Reserven knapper denn je: Gas in Deutschland reicht offenbar nur noch für 18 Tage – Bericht
Die Speicher sind laut dem europäischen Verband „Gas Infrastracture Europe“ im Vergleich zum Vorjahr um 25 Prozent weniger gefüllt – für Deutschland aktuell (Stand 11. Januar) nur noch zu 50,6 Prozent von den Gesamtkapazitäten. Das entspreche einer theoretischen Verfügbarkeit des Arbeitsgases für circa 18 Tage, antwortete der BMWK- Staatssekretär Dr. Patrick Graichen zuletzt auf eine Anfrage eines AfD-Bundestagsabgeordneten. SNA hatte zuvor über die Antwort berichtet.

Beamtin stellt fest: Versorgung nicht alleine aus Speichern

Ob das aber bedeutet, dass Deutschland jetzt ein kalter Winter droht? Wichtig sei bei der Betrachtung der Speicher, merkt die BMWK-Sprecherin Susanne Ungrad gegenüber SNA an, dass sie vor allem zur Spitzenlastabdeckung an kalten Wintertagen benötigt werden.
„Es erfolgt also keine Versorgung des deutschen Markts alleine aus den Speichern. Vielmehr ergänzen sie den laufenden Energiebezug aus dem Pipelineimport“. Die Lieferverträge werden dabei nach Informationen des Ministeriums eingehalten, ergänzte die Sprecherin. Man beobachte daher die Lage am Gasmarkt sehr genau. „Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist weiter gewährleistet.“
Unter anderem wies Ungrad darauf hin, dass das Gas derzeit ein und ausgespeichert werde.
Mit 18 Tagen Verfügbarkeit werde dabei eine theoretische Dauer gemeint, betonte sie ganz explizit. „Eine exakte Berechnung, wieviel Tage das gespeicherte Gas vorrätig ist, ist aus voran genannten Gründen nicht möglich.“

So erklärt das Ministerium die Gründe für Leerstände

Sucht man nach den Gründen für die aktuellen Leerstände, wird nicht zuletzt darauf verwiesen, dass aktuell frei verfügbare Gaslieferungen fehlen. In der Vergangenheit hatte etwa der russische Energiekonzern Gazprom stets über den Spotmarkt zusätzlich große Gasmengen verkauft. Diese Kurzfristvermarktung ist aber zuletzt deutlich gesunken. Außerdem gibt es aktuell eine hohe Gas-Nachfrage.
„Zunächst folgte auf das Corona-Krisenjahr 2020 das Wiederanziehen der Konjunktur in 2021, vor allem in Asien und damit einhergehend die hohen Preise“, kommentiert Ungrad die Gründe für die Leerstände aus der Sicht des Wirtschaftsministeriums.
„Auch dauerte der Winter 2020/21 lange und war kälter als gewöhnlich. Dadurch wurde bis in den Mai dieses Jahres witterungsbedingt ausgespeichert. Angesicht der wieder anziehenden Konjunktur im Sommer 2021 waren die Preise auch im Sommer ungewöhnlich hoch, so dass die sonst zwischen den Jahren ausbleibende Schere zwischen Gaspreisen im Winter und Sommer, die Händlern keinen Anreiz geben, Gas einzuspeichern, 2021 nicht gegeben war.“
Für weitere Fragen zu Lieferungen und Gashandel findet sich das Ministerium nicht zuständig. Denn: Deutschland hat einen liberalen Gasmarkt. Das heißt: Gas wird von den Betreibern nach den Marktgesetzen ein- und ausgespeichert, und staatliche Eingriffe gibt es nicht. Selbst die Gasspeicher sind nicht staatlich.
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