Intensivregister: Ungeimpfte machen Mehrheit aller Covid-19-Fälle auf Intensivstationen aus

© Depositphotos / Sudok1Intensivstation in einem Krankenhaus (Symbolbild)
Intensivstation in einem Krankenhaus (Symbolbild) - SNA, 1920, 19.01.2022
Ungeimpfte machen aktuell den überwiegenden Anteil aller Covid-19-Aufnahmen auf Intensivstationen aus. Dies zeigen Auswertungen aus dem Intensivregister. Omikron könnte dies allerdings ändern. Kritik gab es aus der Politik, dass es so lange dauerte, bis diese Daten vorliegen.
Seit Mitte Dezember melden alle Intensivstationen in Deutschland mit Akutversorgung täglich bis 12 Uhr den Impfstatus der zum Vortag neu aufgenommenen Covid-19-Patientinnen und -Patienten.
Zwischen dem 14. Dezember 2021 und dem 12. Januar 2022 lag der Impfstatus für 8.912 Covid-19-Aufnahmen vor, das entspricht etwa 90 Prozent der in diesem Zeitraum übermittelten Fälle (9.946). Fast zwei Drittel (62 Prozent, 5.521 Fälle) aller Covid-19-Neuaufnahmen mit bekanntem Impfstatus waren ungeimpft. Rund 9,6 Prozent (856 Fälle) wiesen einen unvollständigen Immunschutz auf. Das sind Genesene ohne Impfung bzw. mit Teil-Immunisierung. Über ein Viertel der Covid-19-Intensivstation-Aufnahmen (28,4 Prozent, 2.535 Fälle) hatte einen vollständigen Impfschutz, also war „grundimmunisiert“ oder „geboostert“). Der Anteil mit Auffrischungsimpfung lag dabei bei ca. 5,8 Prozent (520 Fälle).

Zwei Monate von Beschluss bis Umsetzung

Die Erfassung des Impfstatus von auf Intensivstationen behandelten Covid-19-Patienten wurde bereits im November von der „Ampel“-Koalition beschlossen. Das Intensivregister, das von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) gemeinsam mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) betrieben wird, sollte entsprechend ausgebaut werden. Bis dahin wurden nur die tagesaktuelle Anzahl der Intensivpatienten mit positivem Covid-19-PCR-Test und die Kapazität der Intensivstationen angegeben.
Corona-Test - SNA, 1920, 18.01.2022
Für das Corona-Zertifikat: Mutter infizierte sich und ihre Familie bewusst mit Covid-19
Am 12. November wurden Divi und RKI vom Bundestag angewiesen, schnellstmöglich auch den Impfstatus der Patienten zu erfassen. Es dauerte dann mehr als einen Monat bis ab dem 14. Dezember die Kliniken verpflichtet wurden, diese Zahlen täglich zu melden. Einen weiteren Monat dauerte es, bis diese Zahlen nun endlich veröffentlicht wurden.

Kritik von Linken und FDP

Kritik aus der Politik wurde laut. So sagte Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Anfang Januar der Zeitung „Welt am Sonntag“: „Gerade um das Vertrauen in Politik, Impfstoffe und die Pandemiebekämpfung nicht weiter zu beschädigen, darf nicht der Eindruck entstehen, vorliegende Daten würden zurückgehalten.“ FDP-Vize Wolfgang Kubicki kritisierte:
„Dass wir nach der Einsetzung der Verordnung noch einmal zwei Monate auf die angeforderten Zahlen warten müssen, kann niemandem wirklich gefallen.“
Die Divi ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und teilte der „Welt“ Anfang des Jahres mit, bis Mitte Januar werde nichts veröffentlicht – die Datenbasis müsse erst „gefestigt“ sein. „Die Welt“ spricht von einem „chronisch intransparenten und teils dubiosen Umgang mit Corona-Daten in Deutschland“ durch Divi und RKI.

Gamechanger Omikron?

Angesichts der bereits in Deutschland dominierenden Omikron-Variante dürften allerdings die tagesaktuellen Zahlen zum Impfstatus auf Intensivstationen interessanter werden. Diese will das RKI jedoch erst ab dem 21. Januar 2022 regelmäßig in seinem Wochenbericht veröffentlichen.
Die Omikron-Variante hebelt ersten Studien zufolge den doppelten Impfschutz nahezu komplett aus und ist wohl in der Lage, selbst eine frische „Boosterimpfung“ in nicht wenigen Fällen zu durchbrechen. Dies dürfte dazu führen, dass zumindest „nur“ doppelt gegen die Krankheit Covid-19 Geimpfte zukünftig ähnlich oft auf der Intensivstation landen wie Ungeimpfte.
Arzt neben einem Patienten (Symbolbild) - SNA, 1920, 18.01.2022
Ruhe vor Omikron-Sturm – Krankenhauspersonal könnte kurzfristig ausfallen

„Wegen“ oder „mit“?

Eine weitere Frage, die bereits vor einem Jahr einmal diskutiert wurde, wird mit der Omikron-Welle wieder aktuell: Gelangen Patienten „mit“ oder „wegen“ des Coronavirus Sars-Cov-2 auf die Intensivstation?
In Spanien etwa meldete die Zeitung „El País“ Anfang Januar, etwa 40 Prozent der Covid-19-Fälle in den Kliniken seien mittlerweile keine „echten Fälle“ mehr, sondern zufällig positiv getestet worden. Ähnliche Zahlen werden aus Großbritannien berichtet. In Dänemark hat sich gar das auflagenstärkste Boulevardblatt vergangene Woche unter der Übersachrift „Wir haben versagt“ entschuldigt, unter anderem eben wegen solcher zweideutiger Corona-Zahlen. In dem Leitartikel heißt es:

„Wir haben nicht aufgepasst, als die Behörden Antworten schuldig blieben, was es eigentlich heißt, wenn Menschen nicht wegen, sondern mit Corona ins Krankenhaus eingewiesen werden. Doch das macht einen Unterschied. Einen großen Unterschied. Um genau zu sein, wurde festgestellt, dass die offiziellen Einweisungszahlen um 27 Prozent höher liegen als die tatsächliche Zahl der Menschen, die nur wegen Corona im Krankenhaus sind.“

Fakt scheint zu sein, dass die Omikron-Variante nur noch selten zu schweren Krankheitsverläufen führt. Nach wie vor trifft sie am ehesten die Vorerkrankten und Hochbetagten. Genaue Zahlen von RKI und Divi dazu werden hoffentlich ab nächster Woche regelmäßig vorliegen.
Newsticker
0
Um an der Diskussion teilzunehmen,
loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich
loader
Chats
Заголовок открываемого материала