Norwegen: Massenmörder Breivik will nach 10 Jahren Haft Freilassung auf Bewährung versuchen

© AP Photo / Frank AugsteinGedenkstätte zur Erinnerung an Opfer von Breivik-Angriffen, Norwegen
Gedenkstätte zur Erinnerung an Opfer von Breivik-Angriffen, Norwegen - SNA, 1920, 18.01.2022
Anders Breivik, der als der schlimmste Massenmörder in der Geschichte des modernen Norwegens gilt, hat nun zehn Jahre seiner 21-jährigen Haftstrafe verbüßt und will am Dienstag von seinem Recht auf Bewährungsstrafe im Gericht Gebrauch machen. Das teilte der nationale Sender NRK am Montag mit.
Breivik behauptet, er sei keine Bedrohung mehr für die Gesellschaft.

„Er sitzt in Untersuchungshaft, und die Mindestdauer ist abgelaufen. Er hat damit die Möglichkeit, die Frage seines weiteren Verbleibs in der geschlossenen Justizvollzugsanstalt gerichtlich verhandeln zu lassen. Das ist das, was er will“, sagte Anders Breiviks Anwalt Øystein Storrvik.

Im Jahr 2012 wurde Breivik für seinen Amoklauf gegen das Osloer Regierungsviertel und gegen das Sommerlager der Labourpartei für Jugendliche auf der Ferieninsel Utoya zur Höchststrafe von 21 Jahren verurteilt. Das Urteil hatte dabei eine Klausel, die im norwegischen Justizsystem selten verwendet wird: Er kann auf unbestimmte Zeit festgehalten werden, falls er immer noch eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt.
© REUTERS / NTBRechtsextremist Anders Behring Breivik am 18. Januar 2022
Rechtsextremist Anders Behring Breivik am 18. Januar 2022 - SNA, 1920, 18.01.2022
Rechtsextremist Anders Behring Breivik am 18. Januar 2022
Die Staatsanwältin Hulda Karlsdottir warnte, es bestehe das Risiko, dass Breivik nach seiner Freilassung neue, schwere Straftaten begehe. Basierend auf einer kürzlich durchgeführten Risikobewertung sagte Karlsdottir, Breivik werde immer noch den Wunsch und die Fähigkeit haben, brutale Morde zu begehen. Dieselbe Meinung äußerte der Psychologe Randi Rosenqvist, der Breivik 2012 begutachtet und heute keine großen Veränderungen in seinem Verhalten festgestellt habe.
Familien von Opfern und Überlebenden sowie norwegische Journalisten befürchten, dass Breivik bei der Anhörung seine Ansichten verbreiten wird.
Breivik selbst machte inzwischen widersprüchliche Aussagen, dass er „seinen Kampf fortsetzen“ wolle und die Gewalt dafür notwendig sei, um „politische Ziele“ zu erreichen.
Das Gericht sah drei Tage für die Verhandlung vor.
Breivik hatte am 22. Juli 2011 acht Menschen im Zentrum von Oslo und 69 Menschen im Jugendsommerlager in der Umgebung von Oslo getötet. Er wurde vom Gericht für schuldig befunden und zu 21 Jahren Haft verurteilt.
Gefängnis (Symbolbild) - SNA, 1920, 02.01.2022
Breivik bleibt gefährlich: Norwegische Staatsanwaltschaft gegen vorzeitige Entlassung
Nach seiner Festnahme hatte Breivik gestanden, Terroranschläge begangen zu haben, sich jedoch nicht schuldig bekannt. Er habe die Straftaten in Selbstverteidigung begangen, um den Verfall der norwegischen Kultur zu stoppen, sagte Breivik.
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