Botschafter der Ukraine: Berlin „kann sich leisten“, keine Rücksicht auf Kiews Interessen zu nehmen

© SNA / Stringer / Zur BilddatenbankUkrainische Staatsflaggen in Kiew (Archiv)
Ukrainische Staatsflaggen in Kiew (Archiv) - SNA, 1920, 18.01.2022
Die Ukraine zeige sich nicht als eine „europäische kulturelle Großnation“ und ein „einflussreiches Subjekt der Politik“, ihre Interessen würden von Berlin oftmals nicht anerkannt. Das sagte der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrej Melnik, gegenüber der Agentur Ukrinform
Nach seinen Worten haben ukrainische Diplomaten in Deutschland „markant hervortreten können“, so dass die deutsche Elite, die „hohe Journalistengesellschaft“ und Experten nun „wissen, dass es eine Ukraine gibt, die eigene Ziele hat und unbeirrt ihren Weg geht“.
Die größte Herausforderung sieht Melnik in dem Umstand, dass Berlin es sich „leisten kann“, keine Rücksicht auf die Interessen Kiews als Subjekt der internationalen Politik zu nehmen. „Wie ich glaube, ist das unser größtes Versäumnis in den vergangenen 30 Jahren gewesen: Wir sind immer noch nicht dazu gekommen, uns als eine europäische kulturelle Großnation, als ein einflussreiches Subjekt der Geschichte zu präsentieren. Gerade davon hängt die politische Anerkennung in einem großen Maße ab“, sagte Melnik.
Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba. - SNA, 1920, 16.01.2022
Ukrainischer Außenminister fordert „deutlichen Kurs“ Deutschlands gegenüber „russischen Drohungen“
Solange „Meisterwerke ukrainischer Komponisten“ nicht ein unveräußerlicher Teil des Repertoires der Operntheater in Deutschland seien und solange deutsche Schüler das Wirken ukrainischer Schriftsteller und Dichter nicht kennenlernten, würden alle „gerechten politischen Forderungen“ Kiews auf eine verhaltene Reaktion stoßen.
Melnik merkte an, dass die Ukraine derzeit gezwungen sei, eine „militärische Diplomatie“ in Deutschland zu betreiben. Er räumte zugleich ein, dass seine Aktivität „nicht immer mit Bewunderung und noch seltener mit Enthusiasmus und positiven Emotionen im politischen Berlin aufgenommen wird“.
„Man hat mir in Berlin nicht nur einmal zu verstehen gegeben und nicht nur delikat, sondern auch unmissverständlich und nachdrücklich ‚geraten’, dass ich die Medien-Komponente der Diplomatie etwas ausbremsen und abbauen solle“, sagte der Botschafter.
Melnik hat schon mehrmals umstrittene Äußerungen gemacht. So erklärte er, dass Berlin Kiew helfen solle, die Krim unter ukrainische Kontrolle zu bringen. Dies sei eine moralische Pflicht Deutschlands, die sich aus der „ewigen historischen Verantwortung gegenüber der Ukraine für die Nazi-Tyrannei ergibt“. Melnik sagte auch, dass Berlin durch die „historische Verantwortung“ dazu verpflichtet sei, auf den Nato-Beitritt der Ukraine hinzuarbeiten.
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