Aus Straußeneiern: Forscher finden uraltes „Facebook“ in Afrika

CC0 / foto-augenblick/Pixabay / Afrikanische Perlen (Symbolbild)
Afrikanische Perlen (Symbolbild) - SNA, 1920, 17.01.2022
Wissenschaftler aus Deutschland haben das wohl älteste „soziale Netzwerk” der Welt entdeckt. Es ist ein Netz von Verbindungen, das vor 50.000 Jahren entstand und sich über Tausende von Kilometern durch Afrika erstreckte. Das zeigte eine im Magazin „Nature“ veröffentlichte Studie.
Anders als sein modernes elektronisches Äquivalent verwendete dieses uralte Netz sozialer Verbindungen ein weit prosaischeres Medium. Es stützte sich auf das Teilen und Handeln von Perlen aus Straußeneierschalen – eine der ältesten Formen des Schmucks bei Menschen.
Die Studie umfasste eine Untersuchung von mehr als 1500 dieser Perlen, die an mehr als 30 Orten in Süd- und Ostafrika ausgegraben worden waren. Sorgfältige Analysen deuten darauf hin, dass die Menschen, die diese Perlen herstellten – die noch heute von Jägern und Sammlern in Afrika getragen werden – sie über große Entfernungen austauschten, um dabei zu helfen, symbolische Botschaften zu teilen und Bündnisse zu stärken.
„Es ist, als würde man einer Spur aus Brotkrümeln folgen“, sagte die Hauptautorin der Studie, Jennifer Miller, vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena.
„Die Perlen sind Hinweise, die über Zeit und Raum verstreut sind und nur darauf warten, entdeckt zu werden.“

Herstellung von Perlen

Die Forscher verglichen den Außendurchmesser einer Schale, den Durchmesser der darin befindlichen Löcher und die Dicke der Wände und fanden heraus, dass Menschen in Afrika etwa vor 50.000 Jahren damit begonnen hatten, Perlen aus Straußeneiern herzustellen.
Diese Gruppen und Gemeinschaften waren jedoch durch große Entfernungen getrennt, was auf die Existenz eines sozialen Fernnetzwerks hindeutet, das sich über Tausende von Kilometern erstreckte und Menschen in weit entfernten Regionen verband.

„Das Ergebnis ist überraschend, aber das Muster ist klar“, erklärte eine andere Autorin der Studie, Yiming Wang, die ebenfalls im Max-Planck-Institut tätig ist.

Perlen aus Straußeneierschalen gehören zu einer der ältesten Schmuckform, obwohl sie nicht die ersten sind. Wissenschaftler glauben, dass Männer und Frauen vor etwa 200.000 Jahren begannen, sich mit Ocker zu beschmieren.
Richtig in Schwung kam aber das Schmuckhandwerk vor etwa 50.000 Jahren, als die ersten Perlen aus Straußeneierschalen hergestellt wurden – die früheste Form von Schmuck, die der Archäologie bekannt ist. Miller sagte dazu:

„Diese winzigen Perlen haben die Kraft, große Geschichten über unsere Vergangenheit zu enthüllen.“

Der entscheidende Punkt dabei sei, dass Menschen begannen, den Schalen eine Form zu verleihen, was zu Variationen im Stil geführt hatte. Sie tauschten das Wissen über ihre Herstellung mit anderen Stämmen aus. Nun geben die Muster den Forschern eine Möglichkeit, kulturelle Verbindungen zu verfolgen.
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Das erste „soziale Netzwerk” der Welt hielt nicht lange an. Vor etwa 33.000 Jahren änderte sich das Muster des Perlentragens abrupt: Sie verschwanden aus Südafrika und setzten ihre Existenz in Ostafrika fort. Miller und Wang gehen davon aus, dass Klimaänderungen auf dem Planeten dahinter stecken würden.
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