Presserat spricht Missbilligung für „Bild“-Berichterstattung aus

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Bild-Zeitung (Archivbild) - SNA, 1920, 17.01.2022
Laut einem Bericht der Plattform „Riff Reporter“ hat der Presserat eine Missbilligung bezüglich eines Berichts der „Bild“ ausgesprochen. Konkret gehe es um die Schlagzeile „IG-Metall-Chef Jörg Hofmann warnt: Klimaschutz kostet Hunderttausende Jobs“. Tatsächlich habe der Gewerkschafter im Interview das Gegenteil gesagt.
Hintergrund sei gewesen, dass der Autozulieferer Bosch im Juni angekündigt habe, sein Werk im Münchener Osten zu schließen, da der Standort, wo elektrische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile für Verbrenner gefertigt werden, wegen der Umstellung auf Elektromobilität nicht mehr rentabel sei. Dadurch würden 250 Mitarbeiter vor dem Jobverlust stehen. Damals hätten Klimaaktivisten und Teile der Belegschaft gegen die drohende Schließung protestiert und in einem offenen Brief geschrieben, sie wehrten sich „gegen den Versuch, unser Werk unter dem Deckmantel des Klimaschutzes zu schließen“. Die Verfasser forderten den Erhalt des Standortes und die Umstellung auf eine klimafreundliche Produktion.
Mitte September habe die „Bild“ ein Interview mit dem Gewerkschaftschef Jörg Hofmann unter dem Titel „IG-Metall-Chef warnt: Klimaschutz kostet Hunderttausende Jobs!“ veröffentlicht, was so verstanden werden konnte, dass Hofmann gegen Klimaschutz sei. Dabei habe der IG-Metall-Chef gesagt, er sei überzeugt, „dass wir den Wandel zu einer klimaneutralen Wirtschaft schaffen können. Dafür brauchen die Industrie und die dort Beschäftigten jetzt Planungssicherheit, andernfalls sind weit mehr als 100.000 Jobs in Gefahr.“
Wie das Boulevardblatt das Interview präsentiert habe, sei ein typisches Beispiel für Clickbaiting, zitiert „Riff Reporter“ den Medienethiker Christian Schicha. Ein solches Vorgehen sei problematisch und widerspreche den Qualitätskriterien journalistischen Handelns.
In der Folge seien drei Beschwerden beim Presserat eingegangen. Nach eingehender Prüfung sei dieser zu dem Schluss gekommen, die „Bild“ habe gegen die Ziffer 2 des Pressekodex verstoßen, also gegen die journalistische Sorgfaltspflicht. Der Leser habe den Eindruck gewinnen können, Hofmann sei der Auffassung, Klimaschutz ziehe in jedem Fall den Arbeitsplatzverlust nach sich. Mitte Dezember sprach der Presserat seine Missbilligung aus.
Es ist nicht das erste Mal, dass die „Bild“ nach Auffassung des Deutschen Presserates gegen journalistische Standards verstößt. Bei der Anzahl der Rügen und Missbilligungen ist das Boulevardblatt seit Jahren einsamer Spitzenreiter.
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