Geflohener Bankier zu Protesten in Kasachstan: Von Kiew aus koordiniert – aber nicht initiiert

© SNA / Serikschan KowlanbajewDer ehemalige Minister Kasachstans für Energie, Industrie und Handel Muchtar Äbljasow lebt seit 2009 im französischen Exil (Archivbild)
Der ehemalige Minister Kasachstans für Energie, Industrie und Handel Muchtar Äbljasow lebt seit 2009 im französischen Exil (Archivbild) - SNA, 1920, 17.01.2022
Die Unruhen in Kasachstan sind nach Informationen des nach Frankreich geflohenen Bankiers Muchtar Äbljasow von Kiew aus gesteuert worden. Ursprünglich ging es aber um einen spontanen Protest, behauptet er, der maßgeblich zur Ausweitung der Demonstrationen auf das ganze Land beigetragen haben soll.
„Wir haben in Kiew einen organisatorischen Stab, um genau zu sein, hieß er der Koordinationsstab ,Demokratischen Wahlen in Kasachstan’“, sagte Äbljasow in einem Gespräch mit SNA am Montag. Die Arbeit dieses Stabs war unmittelbar nach den ersten Protesten in Kasachstan ausgebaut worden, als die Anhänger von Äbljasow mit der Koordination der Protestbewegung im ganzen Land begonnen hatten.
„Wir haben unsere Telefone und Koordinaten weitergegeben. (…) der Stab (…) hat die Anweisungen gegeben, was man zu tun habe, und die Menschen bekamen einen Leitstern, der ihnen den Weg wies. Dafür mussten sie keine Anrufe machen, sie mussten nicht nach Leitern suchen, sie wussten, was zu tun war“, erklärte Äbljasow.
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Der geflohene Bankier beharrte auch darauf, dass es bei den Unruhen nicht um einen Staatsstreich ging, sondern um eine Ausübung des verfassungsmäßigen Rechts auf friedliche Versammlungen.

„Wir haben zur Besetzung von Verwaltungsgebäuden aufgerufen. Nicht zur Erstürmung (…). Besetzen – für sich selbst in Anspruch nehmen“, so Äbljasow.

„Wir hatten nichts damit zu tun“

Im Gespräch wollte er zudem mit dem Beginn der Proteste am 2. Januar nichts zu tun haben. Nach seinen Worten veranstalte sein Stab einmal alle drei Wochen eine Protestaktion. Äbljasow bekannte sich dabei zur Organisation von drei Protesten am 23. Oktober, am 20. November und am 16. Dezember.
„Ausgerechnet dieser Protest am 2. Januar, als die Menschen für niedrigere Preise auf Flüssiggas demonstrierten, ist eine andere Geschichte. Wir hatten nichts damit zu tun“, betonte der Bankier.
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Es handelte sich dabei um einen spontanen Protest, so Äbljasow weiter. Diesen soll die Opposition dann ausgenutzt haben, indem der Bankier zu einer Ausweitung der Demonstrationen am 3. und 4. Januar ausrief. Zu dem Zeitpunkt waren die kasachischen Behörden den Forderungen der Demonstranten bereits nachgekommen und hatte die LPG-Preise hatten.
„Am dritten (Januar – Anm. d. Red.) ging ich live auf Sendung. Ich rief (die Menschen – Anm. d. Red.) an, mitzumachen und (den Protest – Anm. d. Red.) zu unterstützen... Am 4. Januar, als wir sahen, dass der Protest an Schwung gewann, haben wir den Algorithmus der Aktionen bereits erneut veröffentlicht“, erklärte Äbljasow.
Dieser Algorithmus ist laut dem Bankier seit mehr als vier Jahren entwickelt worden. Dabei handele es sich um Anweisungen zur Veranstaltung von friedlichen Protesten, einschließlich die Maßnahmen gegen Plünderer. Äbljasow beschuldigte Provokateure, die Schießereien und Plünderungen durchgeführt zu haben. Er behauptete auch, dass keine Ausländer an den Protesten teilgenommen hätten.

Unruhen in Kasachstan

Wegen gestiegener Treibstoffpreise ist es Anfang Januar zu Protesten in Kasachstan gekommen. Diese gingen in gewaltsame Ausschreitungen zwischen den Demonstranten und Sicherheitskräften über. Der kasachische Präsident Kassym-Schomart Tokajew berichtete über die Präsenz ausländischer Kämpfer, die die Staatlichkeit gefährdeten, und rief am 5. Januar einen landesweiten Ausnahmezustand aus.
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Im Rahmen des gemeinsamen Sicherheitsbündnisses OVKS hatte Russland am 6. Januar auf Bitten Kasachstans Friedenstruppen zur „Überwindung der terroristischen Bedrohung“ geschickt. Sie überwachten administrative und diplomatische Gebäude und unterstützten das örtliche Militär bei der Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung. Am 13. Januar gab die OVKS das Ende der Mission bekannt. Demnach kehrten die eingesetzten Friedenstruppen nun aus Kasachstan zurück.
Die Proteste hatten nach Angaben der kasachischen Behörden mindestens 225 Tote gefordert, darunter 19 Sicherheitskräfte. Mehr als 4500 Menschen wurden dabei verletzt und rund 10.000 festgenommen.
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