Urteil im Fall Novak Djokovic – serbische Amtsträger kritisieren die „Hexenjagd“

© AP Photo / Patrick SemanskySerbischer Tennisspieler Novak Đoković
Serbischer Tennisspieler Novak Đoković - SNA, 1920, 16.01.2022
Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hat den Umgang der australischen Behörden mit Tennisstar Novak Djokovic scharf kritisiert. Dieser sei seit seiner Ankunft in dem Land „wie ein Massenmörder behandelt“ worden. Auch das serbische Olympische Komitee und weitere Amtsträger des Landes verteidigten den Sportler.
Ein Bundesgericht in Australien bestätigte am Sonntag die Entscheidung der Regierung, das Visum des serbischen Tennisspielers Novak Djokovic wegen einer fehlenden Corona-Impfung zu annullieren und ihm die Einreise zu verwehren.
Der Spitzensportler sei in Australien „schikaniert und gequält“ worden, urteilte der Präsident gegenüber der britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt BBC. Man habe ihn „wie einen Massenmörder behandelt“.
Gegenüber serbischen Medien sprach er von einer „Hexenjagd“ und einer durch die Medien erzeugten „Lynchstimmung“.
„An Novak wollte man ein Exempel dafür statuieren, wie die Weltordnung funktioniert“, betonte Vucic.
Der Sportler könne nun mit „erhobenem Haupt“ nach Serbien zurückkehren, wo man ihn erwarte.
Vucic äußerte, mit Djokovic telefoniert zu haben, um diesen nach dem Gerichtsurteil „aufzuheitern“.
Auch das serbische Olympische Komitee kritisierte die Entscheidung und bezeichnete diese laut BBC als „große Ungerechtigkeit“.
„Wir sind stolz auf Novak Djokovic und die Art und Weise, wie er mit diesen extrem schwierigen und unangenehmen Umständen umgegangen ist. Trotz dieser skandalösen Entscheidung glauben wir, dass Novak wieder als Sieger hervorgegangen ist“, so das Komitee.
Dem Sportler sei die Möglichkeit genommen worden, „der größte Tennisspieler aller Zeiten zu werden“.
Auch die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabic kritisierte das Vorgehen gegenüber serbischen Medien und drückte dem Sportler ihre Unterstützung aus.
Ferner widersprach sie den Äußerungen der Anwälte der australischen Regierung, die vor dem Bundesgericht darlegten, dass in Serbien weniger als 50 Prozent der Bevölkerung doppelt geimpft seien.
Dies sei eine „offene Lüge“, da bereits „58 Prozent der Bürger“ des Landes vollständig geimpft seien und 37 Prozent den Booster erhielten. Die Zahlen, die Brnabic angab, bezogen sich sehr wahrscheinlich auf den Anteil der Geimpften unter der erwachsenen Bevölkerung.
Das Portal für wissenschaftliche Publikationen „Our World in Data“ ermittelte, dass 59,9 Prozent der Weltbevölkerung mindestens eine Dosis eines Corona-Impfstoffs erhalten haben. In Serbien sind demnach 47 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft.
Serbischer Tennisspieler Novak Djokovic - SNA, 1920, 16.01.2022
Annullierung von Djokovic-Visum bestätigt: Tennisstar muss Australien verlassen
Djokovic hatte eine Corona-Infektion im Dezember angegeben, um eine medizinische Ausnahmegenehmigung für die Australian Open zu erhalten, an denen eigentlich nur geimpfte Spielerinnen und Spieler teilnehmen dürfen. In der vorherigen Woche wurde dem Tennisspieler die Einreise verweigert, da den Behörden die Dokumentation seiner medizinischen Ausnahmegenehmigung nicht ausreichte. Er wurde in einem Abschiebehotel untergebracht. Ein Bundesgericht in Australien bestätigte die Entscheidung, das Visum des Tennisspielers zu annullieren, somit wird er nicht an den am Montag beginnenden Australian Open in Melbourne teilnehmen können.
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