Nach Parallele zur NS-Zeit: Linker Präsidentschaftskandidat gerät in Kritik

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Migrantenboot (Archivbild) - SNA, 1920, 16.01.2022
Der parteilose Bundespräsidentschaftskandidat der Linken, Gerhard Trabert, hat mit einer umstrittenen Parallele zwischen armen und geflüchteten Menschen heutzutage und den zur Nazi-Zeit verfolgten Juden für Unmut gesorgt. Dies meldete die Deutsche Presse-Agentur.
Beim digitalen Jahresauftakt der Linken am Samstag zitierte Trabert, der seit Jahrzehnten in der Gesundheitsversorgung von Obdachlosen und Flüchtlingen tätig ist, aus dem Tagebuch eines jüdischen Jugendlichen, der 1945 im NS-Konzentrationslager Bergen-Belsen gestorben war und geklagt hatte, die Gesellschaft ignoriere das Schicksal der Juden.
Das Zitat argumentierte der Sozialmediziner wie folgt: „Wie damals viele Deutsche wussten, was mit den Juden geschieht, ist es heute so, dass wir wissen, was mit geflüchteten Menschen im Mittelmeer, in libyschen, in syrischen Lagern geschieht. Wir wissen, wie die Armut zunimmt, wir wissen um die erhöhte Sterberate von armen Menschen auch hier in Deutschland. Wenn man vergleicht das reichste mit dem ärmsten Viertel, sterben arme Frauen 4,4 und arme Männer 8,6 Jahre früher. Das ist alles ein Skandal.“
Die Ursachen der Missstände lägen in der Wirtschafts-, Sozial-, Handels- und Außenpolitik, so Trabert. „Wir dürfen nicht aufhören, dies, auch diese Form von struktureller Gewalt immer wieder zu benennen“, äußerte er.
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In seinem Twitter-Account bemerkte Trabert später, dass verschiedene Medien seinen historischen Hinweis auf das Wegschauen vieler Deutscher im Nationalsozialismus in Bezug auf die Verfolgung und Ermordung von Juden, von Sinti und Roma, von sogenannten Asozialen sowie psychisch oder psychisch beeinträchtigen Menschen als einen Vergleich mit der gegenwärtigen Missachtung und Gefährdung von Gesundheit und Leben bestimmter Bevölkerungsgruppen interpretiert haben. Das haben er ausdrücklich nicht gemeint: „Es geht mir nicht um eine historische Gleichsetzung“, so Trabert.
Das von den Nationalsozialisten verursachte Leid vieler Menschen sei unbeschreiblich größer gewesen und sei nicht vergleichbar, betonte er. Deutlich kritisiert werden müsse „die Tendenz des Wegschauens“. Ihm gehe es „ums Hinschauen, gerade in der heutigen Zeit und um ein Lernen aus der Vergangenheit“.
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„Wenn man, wie ich, im Mittelmeer erleben muss, dass Menschen vor den eigenen Augen ertrinken, und dies hauptsächlich deshalb geschieht, weil es kein europäisches Rettungskonzept gibt, wenn man die Verzweiflung der vielen Menschen in den Flüchtlingslagern unmittelbar erlebt, in denen ich tätig war … Wenn man die Resignation wohnungsloser Menschen hierzulande erlebt, dann steigert das das Unverständnis über die Ignoranz der Politik diesem Leid gegenüber“, so Trabert weiter.

FDP fordert Konsequenzen

Der erste Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, bezeichnete Traberts Parallele als inakzeptabel: „Es ist mir völlig unbegreiflich, dass sich immer wieder jemand findet, der geschichtsvergessene Vergleiche zur NS-Zeit zieht. Diese Äußerungen sind absolut inakzeptabel und ebenso wirr wie historisch entglitten“, zitierte ihn die „Welt am Sonntag“.
Aus seiner Sicht hat sich Trabert für das höchste Staatsamt „disqualifiziert“. Die Linke sollte kritisch abwägen, ob sie diese Kandidatur weiter trage, forderte Vogel.
Der Parteilose war diese Woche von der Linken als Kandidat für die Wahl des Bundespräsidenten im Februar nominiert worden. Zur Lage heute sagte er: „Auch die Gerichte missbrauchen ihre Macht, um Kritik in dieser Demokratie mundtot zu machen. Das dürfen wir nicht akzeptieren.“ Trabert berief sich auf den Franzosen Stéphane Hessel und dessen Kritik am Finanzkapitalismus und betonte, nötig sei „Widerstand“ gegen eine unsoziale Politik. Da müsse auch die Linke noch profilierter werden.
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