Geiselnahme in Synagoge in Texas – alle Opfer kommen unverletzt frei

© AFP 2022 / ANDY JACOBSOHNEinsatz einer Spezialeinheit in der Synagoge din Colleyville, Texast
Einsatz einer Spezialeinheit in der Synagoge din Colleyville, Texast - SNA, 1920, 16.01.2022
In einer Synagoge im US-Bundesstaat Texas ist es Samstag während eines Gottesdienstes zu einer Geiselnahme gekommen. Der Täter forderte per Liveübertragung die Freilassung einer verurteilten pakistanischen Neurowissenschaftlerin. Darüber berichtet die Nachrichtenagentur AP.
Drei Polizeibeamte sprachen demnach von vier Geiseln, konnten jedoch wegen laufender Ermittlungen keine weiteren Angaben machen. Der Geiselnehmer habe behauptet, bewaffnet zu sein und eine Bombe bei sich zu tragen, das sei aber noch nicht durch die Polizei bestätigt worden. Der Rabbiner der Gemeinde sei auch unter den Geiseln gewesen.
Die Polizei der Stadt Colleyville berichtete auf Twitter über die Situation. Demzufolge sei eine Geisel kurz nach 17.00 Uhr unverletzt freigelassen worden, andere hätten sich zu dem Zeitpunkt noch in dem Gebäude befunden. Um zehn Uhr abends teilten die Behörde mit, dass alle Geiseln in Sicherheit seien.
„Wir arbeiten weiterhin mit dem FBI zusammen, um alle Details zu klären“, so die Polizeistelle.
Der Gottesdienst wurde auf der Facebookseite der Synagoge live übertragen. Während der Übertragung forderte der Geiselnehmer die Freilassung von Aafia Siddiqui, einer pakistanischen Neurowissenschaftlerin, die verdächtigt wird, Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida* zu haben. Das genaue Motiv für den Angriff werde noch ermittelt.
Die Presseagentur teilte mit, dass ein Rabbiner in New York einen Anruf von dem Geistlichen, der in der Synagoge als Geisel gehalten worden sei, erhalten habe. Er benachrichtigte die Polizei, woraufhin die Evakuierung von Personen aus der Umgebung angeordnet worden sei.
„Alle Bewohner in der unmittelbaren Umgebung werden evakuiert. Bitte meiden Sie die Gegend“, teilte die Polizei auf Twitter mit.
Die Übertragung brach gegen zwei Uhr nachmittags ab, nachdem der Geiselnehmer mitgeteilt hatte: „Ihr müsst etwas tun. Ich will den Mann nicht tot sehen.“
Der Angreifer habe die Wissenschaftlerin als seine „Schwester“ bezeichnet, hieß es. Ein Vertreter des Rates für amerikanisch-islamische Beziehungen teilte der Presseagentur mit, dass der Bruder der Verurteilten nicht beteiligt sei.
„Er war ziemlich irritiert und je gereizter er wurde, umso mehr Drohungen machte er“, schilderte eine Zeugin der Übertragung über den Täter. Ihr zufolge hat der Mann behauptet, eine Bombe bei sich zu tragen.
Die Nachrichtenagentur Reuters teilte mit, dass der mutmaßliche Geiselnehmer tot sei.
Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), während eines ökumenischen Gottesdienstes für Deutschlands Opfer der Corona-Pandemie. in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche,  18. April 2021 - SNA, 1920, 01.01.2022
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Stellungnahmen zur Geiselnahme

Anna Salton Eisen, Gründerin und ehemalige Präsidentin der Synagoge, bezeichnete die Ereignisse als „surreal“. Sie würden großen Einfluss auf die Mitglieder der Gemeinde haben.
„Das ist anders als alles, was wir je erlebt haben. Wissen Sie, es ist eine kleine Stadt und es ist eine kleine Gemeinde", so Eisen.
Auch der israelische Ministerpräsident Naftali Bennett bezog Stellung zu dem Vorfall:
„Ich beobachte aufmerksam die Geiselnahme in der Kongregation Beth Israel in Colleyville, Texas. Wir beten für die Sicherheit der Geiseln und Retter.“
Laut AP teilte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, mit, dass der US-Präsident Joe Biden über die Geschehnisse informiert sei.
Die größte muslimische Interessenvertretung in den USA verurteilte den Angriff am Samstag auf Twitter:
„Wir verurteilen die Geiselnahme in der Gemeinde Beth Israel in Colleyville, Texas, aufs Schärfste. Dieser jüngste antisemitische Angriff auf ein Gotteshaus ist ein inakzeptabler Akt des Bösen.“
Colleyville ist eine Ortschaft mit etwa 26.000 Einwohnern. Die Gemeinde Beth Israel wird von Rabbiner Charlie Cytron-Walker geleitet, der dort seit 2006 als erster Vollzeit-Rabbiner der Synagoge tätig ist.
Aafia Siddiqui, eine pakistanische Neurowissenschaftlerin, war vier Jahre lang die meistgesuchte Frau der Welt. Sie galt für die FBI als dermaßen gefährlich, dass Justizminister John Ashcroft sie 2004 als einzige Frau auf die Liste der „Tödlichen Sieben“ setzte. Sie wurde 2010 wegen versuchten Mordes zu 86 Jahren Gefängnis verurteilt und ist nun in einem Gefängnis in Texas inhaftiert.
*Terrororganisation mit Betätigungsverbot in Russland und Deutschland
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