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„Wir wussten nicht, was passiert“ – Einwohnerin von Almaty zu Informationsvakuum während der Unruhen

© SNA / Vasily Krestyaninov / Zur BilddatenbankUnruhen in Almaty, Kasachstan
Unruhen in Almaty, Kasachstan - SNA, 1920, 14.01.2022
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Zu wissen, es passiert etwas Großes und Gefährliches, aber nicht zu wissen, was genau – so haben sich die gewaltsamen Massenunruhen im kasachischen Almaty für seine Bewohner angefühlt. Eine davon, Jekaterina, hat mit SNA über die Tage der Unsicherheit gesprochen.
In der Millionenstadt Almaty im Süden Kasachstans, wo die Ausschreitungen besonders große Ausmaße angenommen und zu viel Zerstörung und zahlreichen Toten und Verletzten geführt hatten, kehrt langsam Ruhe ein. Die Menschen gehen wieder ihrem Leben nach, die Geschäfte haben geöffnet, auch das Internet funktioniert wieder. Doch die Spuren der gewaltsamen Auseinandersetzungen haben das Gesicht der Stadt gezeichnet.
Noch immer werden zahlreiche Menschen vermisst. In den sozialen Medien suchen die Menschen mit verzweifelten Aufrufen nach ihren Angehörigen und Freunden, es kursieren diverse Bilder. Das bestätigt auch Jekaterina. Die 37-Jährige lebt am Stadtrand von Almaty, direkt neben dem Flughafen, der im Zuge der Proteste besetzt worden war. Ein Freund sei kürzlich zu Besuch gewesen und habe erzählt, einer seiner Freunde, der bei den Protesten in Almaty dabei gewesen und verletzt worden war, sei von der Polizei direkt aus dem Krankenhaus mitgenommen worden. Seither hätten Freunde und Verwandte nichts mehr von ihm gehört und wüssten nicht, wo und unter welchem Vorwand er festgehalten werde.
Der Mangel an Information sei eine Konstante seit Anfang der Proteste gewesen, sagt Jekaterina. Als am 5. Januar die Proteste in Almaty mit voller Wucht einschlugen, seien zunächst die Messengerdienste blockiert worden, erinnert sie sich. Zum Abend seien dann auch das Internet und die Mobilfunknetze abgeschaltet worden. Nur noch das Festnetz habe funktioniert. Informationen darüber, was in der Stadt und im Land vor sich ging, habe es nicht gegeben beziehungsweise nur aus dem staatlichen Fernsehen.
„Und dass die lügen, das wissen wir doch“, so Jekaterina.
Die Ungewissheit darüber, was tatsächlich passierte und ob es ihr Haus, ihre Familie treffen würde, habe sie in Angst versetzt, erinnert sich die dreifache Mutter. Schließlich sei der Flughafen, der einer der Hotspots der Proteste gewesen sei, so nah, dass man zu Fuß nur fünf Minuten bis zur Landebahn brauche. Auch was mit Freunden und Verwandten in anderen Teilen der Stadt war, ob sie heil waren, habe ihr große Sorgen bereitet.
In dieser Anspannung hätte ihre Familie in ihrem Haus tagelang ausgeharrt. Glücklicherweise sei ihre Wohngegend trotz der Nähe zum Flughafen nicht von gewaltsamen Ausschreitungen oder Plünderungen betroffen gewesen, erzählt Jekaterina. Am Wochenende sei sie einkaufen gewesen. Die Geschäfte seien zwar offen gewesen, jedoch fast leer, da sie seit Beginn der Ausschreitungen nicht mehr beliefert worden seien. Aber ins Stadtzentrum reinzufahren, um sich mit Lebensmitteln einzudecken, sei ihr zu gefährlich gewesen.
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Während Internet, Messengerdienste und Mobilfunknetz noch immer ausgeschaltet gewesen seien, hätten Hacker den Kommunikationsdienst Telegram geknackt, sodass sie sich aus dieser Quelle informieren und Kontakt mit Freunden und Verwandten habe aufnehmen können, so Jekaterina.
Inzwischen kehre langsam wieder Normalität ein. Geschäfte, Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen würden wieder offen haben, der öffentliche Nahverkehr funktioniere auch wieder. Die Schulen blieben jedoch bis Ende Januar geschlossen. Die bei den Plünderungen geraubten Waren würden auf Plattformen im Internet zum Kauf angeboten, immer mal wieder würden auch Menschen mit Autos voller Raubgut geschnappt werden. „Von den angeblichen 20.000 Terroristen, die für all die Gewalt verantwortlich sein sollen, haben sie aber komischerweise niemanden geschnappt“, konstatiert die junge Frau.
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