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„Wir lassen uns nicht erpressen“: Lauterbach mit „fester Hand“ ins Corona-Talkshow-Jahr der ARD

© REUTERS / HANNIBAL HANSCHKEGesundheitsminister Karl Lauterbach
Gesundheitsminister Karl Lauterbach - SNA, 1920, 11.01.2022
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Die Vermutung, Karl Lauterbach werde nach seiner Berufung zum Minister weniger Zeit für Talkshows haben, hat sich nicht bewahrheitet. Auch im ersten Corona-Talk des Jahres war er dabei – mit alten Mahnungen, aber auch mit viel Selbstlob. Als Minister will er sich nicht nur als Besserwisser, sondern als „feste Hand“ profilieren.
„Es geht wieder los: Wie hart werden die Wochen mit Omikron?“ – so lautete die Leitfrage der ersten „Hart aber fair“-Talkshow des Jahres im ARD. „Losgehen“ konnte ein Corona-Talk natürlich nur mit Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Nach seiner Berufung zum Regierungsmitglied ist es aber nicht mehr ganz der „alte“ Lauterbach, den die Zuschauer aus den Corona-Talks der zurückliegenden zwei Jahre kannten.
Der ewige Mahner und Warner klang am Montagabend wesentlich optimistischer: „Wir sind im Großen und Ganzen auf dem richtigen Weg unterwegs“, erklärte er zum aktuellen Stand der Pandemie-Bekämpfung in Deutschland. Andere Länder beneiden Deutschland um Kapazitäten, über die die Bundesrepublik im Kampf gegen Covid-19 verfüge, betonte er.

"Wenn wir die Sterblichkeit der Engländer hätten..."

Insofern gebe es keinen Grund, etwa England zu beneiden, das die anscheinend weniger gefährliche Omikron-Welle offenbar hatte „durchlaufen lassen“. „Ein solches Experiment wäre bei uns überhaupt nicht tragbar“, erklärte Lauterbach, allein schon weil es in Deutschlands mindestens vier- bis fünfmal mehr Ungeimpfte bei den über 65-Jährigen gebe.

„Ich würde uns eine solche Strategie wie in England, die auf Durchseuchung hinausläuft, ohne dass man es so nennen will, niemals empfehlen“, betonte er. „Dafür steht auch die Bundesregierung nicht zur Verfügung.“ Und: „Wenn wir die Sterblichkeit der Engländer gehabt hätten, wären in Deutschland mehr als doppelt so viele Menschen gestorben, wie wir beklagen mussten.“

Wenige Tage zuvor hatte Lauterbach in einem Interview bereits die Hoffnung auf ein Ende der Pandemie infolge der Omikron-Welle als einen „naiven Glauben“ bezeichnet. Von diesem Minister würde man wohl vergebens die Ankündigung eines „Freedom Day“ erwarten. Vielmehr sieht er sich jetzt in der Rolle einer „festen Hand“, die hart durchgreifen will.
Corona-Einschränkungen (Symbolbild) - SNA, 1920, 11.11.2021
AfD-Fraktionsvize gegen Anti-Corona-Maßnahmen: Kein „Freedom Day“
„Wir lassen uns nicht erpressen“, erklärte er etwa, als es um Demonstrationen gegen immer härtere Corona-Maßnahmen ging. „Wir ändern die Beschlusslage nicht, weil eine kleine Gruppe Druck macht.“ Und formulierte dann sein Credo wie folgt:

„Ich habe noch nie darüber nachgedacht, ob ich etwas, was ich für richtig halte und was wissenschaftlich klar ist und demokratisch legitimiert ist, dass ich das vielleicht dann nicht machen würde, nur weil auf der Straße dagegen demonstriert wird. Das kann nicht sein. Wir lassen uns nicht erpressen.“

Mittlerweile glaubt er nach eigenen Worten nicht mehr, dass sich die Menschen, die gegen Corona-Maßnahmen demonstrieren, mit Argumenten überzeugen lassen. All diese Demos seien für ihn mehr ein „Management-Problem“.
Natürlich lebt Lauterbach mit dieser Einstellung gefährlich – zumindest nach den gemeldeten Drohungen zu urteilen, die er nach seinen Angaben täglich über soziale Medien und auf anderen Wegen erhält. „Ich bin immer wieder überrascht, wie viele sich auch mit Nennung des Klarnamens artikulieren“, staunte der Minister.
Deutschlands neuer Gesundheitsminister Karl Lauterbach - SNA, 1920, 05.01.2022
Lauterbach pocht auf schärfere Kontaktbeschränkungen
Immerhin werde gegen manche Urheber dieser Drohungen mittlerweile strafrechtlich ermittelt. Als Regierungsmitglied bekomme er aber Personenschutz und fühle sich „sehr gut geschützt durch das BKA“. Sorgen bereite ihm aber die Tatsache, dass viele Kommunalpolitiker, die Corona-Maßnahmen durchsetzen müssen, diesen Schutz nicht genießen.

Karl Lauterbach: der zweitbeliebteste Politiker

Kritik bekam Lauterbach am Montagabend in der Talkshow kaum zu hören – und wenn, dann hat er diese geschickt abgewehrt. Als Anke Richter-Scheer, Chefin des Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, auf eine unzureichende Versorgung mit Impfstoff hinwies, sagte der Minister, dies sei nicht unbedingt seine Zuständigkeit: „Das ist Aufgabe der Länder, diese Zuteilung vorzunehmen.“
Er räumte zwar ein, dass der Biontech-Impfstoff „aus Produktionsgründen“ nicht ausreichend vorhanden ist. Zugleich behauptete er aber, dieses Defizit sei eine Folge des allgemeinen „Missverständnisses“, dass „Biontech ein besserer Impfstoff wäre als Moderna“. Den anderen Impfstoff gebe es im Überfluss: „So viel Moderna-Impfstoff, wie wir noch haben und beschaffen konnten, können wir nicht verimpfen.“
Corona-Impfstoff Pfizer/BioNTech - SNA, 1920, 15.12.2021
Lauterbach: Weniger Biontech lieferbar als Ärzte abrufen
Und als die „Welt“-Journalistin Claudia Kade den Minister auf Studien aufmerksam machte, wonach Suizidversuche unter Kindern und Jugendlichen während der Lockdowns stark zugenommen habe, wollte das Lauterbach nicht auf seine Kappe nehmen:

„Da muss man vorsichtig sein, das geben die Studien aus meiner Sicht nicht her (…) Ich glaube, dass ein großer Teil dieser Probleme einfach an der furchtbaren Pandemie liegt, aber dass das nicht einfach dem Lockdown in die Schuhe geschoben werden darf.“

Momentan dürfte sich Lauterbach in seiner neuen Rolle als Minister recht gut fühlen: Laut einer Umfrage ist er heutzutage der zweitbeliebteste deutsche Politiker hinter Angela Merkel, die jetzt bekanntlich mehr durch ihre Abwesenheit glänzt.
Nach einer anderen Umfrage von Mitte Dezember möchte aber eine Mehrheit der TV-Zuschauer, dass er nicht mehr so oft bei Talkshows erscheint. Ein Dilemma, das sich der Gesundheitsminister langsam durch den Kopf gehen lassen sollte – nicht zuletzt eingedenk der Internet-Drohungen.
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